Sebastianus

Sebastian

Vita:
Er ist ritterlicher Anführer der Leibwache Diokletians, geboren in Narbonne. Seine Stellung ermöglicht ihm, christlichen Glaubensgenossen in Roms Gefängnissen beizustehen und immer neue Römer zu bekehren. Deshalb Anklage vor Diokletian, dann wird er an einen Baum gebunden und von Pfeilen durchbohrt. Fast tot, wird er von der Witwe des Märtyrers Kastulus gepflegt. Wiederhergestellt, tritt er dem erstaunten Diokletian entgegen. Daraufhin wird er mit Knütteln zu Tode geschlagen und seine Leiche in die “cloaca maxima” geworfen. Der Christin Lucina erscheint Sebastian im Traum und weist sie an, seine Leiche zu bergen. Sie bestattet ihn zu Füßen des Apostels.

Darstellung:
als Märtyrer in jugendlicher Gestalt, manchmal als Ritter oder unbekleidet an einen Baumstamm gebunden und pfeildurchbohrt

Attribute:
selten Knüttel

Besonderheiten:
Patron der Schützenbruderschaft und Nothelfer bei Pestzeiten

Heiligentag:
20. Januar

Literatur:
Reclams Lexikon der Heiligen S.507 f.
Lexikon der christlichen Ikonographie, hrg. v. E. Kischbaum, Freiburg i. Br. 1968, Bd. 8, Sp. 318–324.
Die Legenda aurea des Jacobus de Voragine. Aus dem Lateinischen übersetzt von Richard Benz, Gerlingen 1993 (11. Auflage), S. 127–132.


SEBASTIANUS, nach der Passio S. Sebastiani ein Märtyrer in der Zeit der Tetrarchie unter den Kaisern Diokletian und Maximian (284 bzw. 286–305 n. Chr.), der während der Christenverfolgung in den Jahren 303–305 in Rom den Tod gefunden haben soll. Er sei Offizier in der kaiserlichen Leibgarde gewesen, habe dem Opfergebot für die traditionellen Staatsgötter keine Folge geleistet und außerdem viele Glaubensgenossen unterstützt. Daraufhin sei er zum Tode verurteilt und von Bogenschützen mit zahlreichen Pfeilen angeschossen worden (diese Szene wurde in der christlichen Kunst seit dem Hochmittelalter vielfach dargestellt). Dennoch dem Tode entronnen und von einer christlichen Witwe namens Irene gesundgepflegt, habe er den Kaisern in der Öffentlichkeit Vorwürfe wegen ihrer Religionspolitik gemacht und sei deshalb zu Tode geknüppelt worden. Sein Grab habe er in einem coemeterium in catacumbas an der Via Appia gefunden. Diese Geschichte ist mit vielen fiktiven Einzelheiten, die besonders die Namen der von S. unterstützten und bestatteten Märtyrer sowie der als Richter angegebenen römischen Staatsbeamten betreffen, angereichert und insgesamt historisch verdächtig: Allerdings besuchte Diokletian aus Anlaß der Feier seines zwanzigsten Regierungsjubiläums Rom tatsächlich ein Mal von Mitte November bis Mitte Dezember 303 und traf sich hier mit seinem Kaiserkollegen Maximianus. In ihrer ausufernd fantasievollen Darstellung spiegelt die Passio allgemein das Bemühen ihres unbekannten Autors wider, die dem Christentum anhängenden Personen in der Reichshauptstadt Rom nicht nur namentlich greifbar zu machen, sondern auch ihr Wirken ausführlich zu beschreiben. Der Name Sebastianus ist die griechische Übersetzung von Augustianus, also “dem Kaiser zugehörig”, was hier den Angehörigen der Leibgarde, der Prätorianer, meinen soll; eine Benennung von Staatsbeamten und Soldaten mit vergleichbaren Bezeichnungen war in der Spätantike üblich, um ihre besonders enge Beziehung zum Herrscher zusammenfassend auszudrücken. Es handelt sich also nicht notwendigerweise um einen Individualnamen und damit um eine historische Person, sondern eher um die Bezeichnung eines Zuordnungsverhältnisses im politischen Sinne: Dieses deutet darauf hin, daß der Name erfunden wurde, um einen Christen unter den engsten Vertrauten der Kaiser persönlich namhaft zu machen und damit nachzuweisen, daß die neue Religion sogar unter den hohen Offizieren Anhänger gefunden habe (zum Vergleich ist einerseits auf die sogenannte Thebaische Legion zu verweisen, die es nie gegeben hat, und andererseits nennt Lactantius, De mort. pers. 15, 1, Diokletians Gemahlin Prisca als prominenteste Christin, doch ist ihre Existenz weder durch Münzen noch Inschriften wirklich gesichert). Die tatsächliche Anhängerschaft des Christentums unter den führenden Personen des öffentlichen Lebens ist daher kaum zu greifen. In ihrem Kern geht die Passio auf eine knappe Notiz des Ambrosius von Mailand (Comm. ad Ps. 118) zurück, S. sei aus dieser Stadt gebürtig gewesen, habe sich nach Rom begeben und hier den Märtyrertod erlitten: Wichtig ist, daß in dieser Mitteilung kein Beruf genannt ist. Eine zweite Quelle ist die Depositio martyrum des Chronographen von 354, die S. kurz als Heiligen mit dem Fest am 20. Januar nennt und ihm die genannte Grabstätte außerhalb Roms zuweist. Über ihr wurde in der Mitte des 4. Jahrh. eine Kirche erbaut, die aber bezeichnenderweise anfänglich Basilica Apostolorum genannt wurde: Daß das Patrozinium erst im 9. Jahrh. auf S. umgeändert wurde, weist ebenfalls auf den sekundären Charakter des Kultes eines Märtyrers mit diesem Namen hin. In der heutigen Kirche S. Sebastiano befindet sich eine Confessio für S. auf dem Platz seiner angeblichen Bestattung. Der Kult eines Heiligen mit diesem Namen verbreitete sich weitläufig in der gesamten lateinischen Kirche erst nach der Kompilation der Passio in dem bei der Kirche von Papst Sixtus III. (432–440) erbauten Kloster. In diesen Zusammenhang gehören auch die verschiedenen Translationsgeschichten der angeblichen Gebeine des S. bzw. ihrer Teile. In der katholischen Kirche wird der früher sehr populäre S. als einer der Schutzheiligen gegen Seuchen (eine Epidemie in Rom soll im Jahre 680 nach einer Prozession mit seinen Reliquien abgeflaut sein) und als Patron der Schützen sowie anderer Berufe am genannten Tage verehrt. Darüberhinaus wird er als dritter Patron der Stadt Rom gefeiert. Die Beliebtheit seines Kultes äußert sich vor allem in den vielen bildlichen Darstellungen: Sie zeigen ihn seit frühchristlicher Zeit meist als bärtigen Mann mit Gewand (in einem aus dem 7. Jahrh. stammenden Mosaik aus Konstantinopel in der römischen Kirche S. Pietro in Vincoli sogar in spätrömischer Offizierstracht). Seit dem Mittelalter aber wurde S. als nackter Jüngling meist bei seinem ersten Martyrium oder mit seinem typischen Attribut eines oder mehrerer Pfeile, vielfach im Bildtyp der “Sacra Conversazione” mit der Madonna mit Kind und anderen Heiligen zusammen, dargestellt.

Hubertus

1.Beschreibung

Hubert (Althochdeutsch: »Gedanke« und »glänzend«), geboren um 655,. wirkte als Glaubensbote in Südbrabant und in den Ardennen. Nach der Ermordung des Bischofs Lambert um 705 wurde Hubert Bischof von Maastricht. Um 715 übertrug Hubert die Gebeine Lamberts von Maastricht nach Lüttich, wohin er den Bischofssitz verlegt hatte. Hubert starb am 30. Mai 727 zu Tervueren bei Brüssel. Seine Gebeine wurden am 3. November 743 erhoben und 825 in das Ardennen-Kloster Andagium übertragen, das fortan nach ihm St.-Hubert genannt wurde. Seit den Hugenotteneinfällen 1568 ist der Verbleib der Reliquien in Dunkel gehüllt.
Hubert wird dargestellt in Jägerkleidung oder bischöflichen Gewändern mit Hirsch, zwischen dessen Gewih ein Kreuz ist, mit Hund, Schlüssel, Jagdhorn, Buch.

Hubert ist Patron des Bistums Lüttich, der Ardennen; der Jäger, Schützen, Gießer, Metallarbeiter, Drechsler, Metzger, Optiker, Fabrikanten mathematischer Geräte, Mathematiker, Schellenmacher
Hubert wird angerufen für Jagdhunde (Hubertus-Schlüssel); gegen Tollwut der Hunde (mal de St.-Hubert), Hundebiß (Hubertus-Brot), Schlangenbiss, Wasserscheu

Verehrung nach dem deutschen Regionalkalender
Besonders verehrt in: Aachen, Lüttich, Luxemburg

Quelle: Dr. Hans-Joachim Kracht

2.Beschreibung

Hubert(us) (althochdeutsch: „der durch Verstand Glänzende“)

Hubertus wurde um 655 geboren, wirkte als christlicher Glaubensbote in Südbrabant und in den Ardennen. Dort lebte er zunächst als Einsiedler und ernährte sich von der Jagd. Er ließ sich zum Priester weihen und wurde um 705 Bischof von Maastricht. Um 715 übertrug Hubert die Gebeine seines Vorgängers Lambert von Maastricht nach Lüttich, wohin er auch den Bischofssitz verlegt hatte. Hubertus starb am 30. Mai 727 zu Tervueren bei Brüssel. Seine Gebeine wurden am 3. November 743 gehoben und 825 in das Ardennen-Kloster Andagium übertragen, das fortan nach ihm St.-Hubertus genannt wurde. Seit den Hugenotteneinfällen 1568 ist der Verbleib der Reliquien in Dunkel gehüllt.
In die Vita des Heiligen Hubertus ist die Legende von der Vision des Heiligen Eustachius eingeflossen. Er wird dargestellt in Jägerkleidung oder bischöflichen Gewändern mit (weißem) Hirsch, zwischen dessen Geweih ein leuchtendes Kreuz erscheint, mit Hund, Schlüssel, Jagdhorn, Buch. Er ist Patron des Bistums Lüttich, der Ardennen; der Jäger, Schützen, Gießer, Metallarbeiter, Drechsler, Metzger, Optiker, Fabrikanten mathematischer Geräte, Mathematiker, Schellenmacher.

In der Zeit um den Gedenktag finden traditionell die nach Hubertus benannten Jagden und Messen statt. In manchen Gegenden wird er zu den 14 Nothelfern gezählt.

Quelle: Deutscher Schützenbund

Euchtachius

 

 

 

1.Bericht

Eustachius (Griechisch: »Der Ährenreiche«), war nach der romanhaften Legende ein römischer Heerführer, dem auf der Jagd ein Hirsch mit einem Kreuz zwischen dem Geweih erschien. Er bekehrte sich darauf mit seiner ganzen Familie, mit der er such unter Kaiser Hadrian den Martertod erlitt. — Eustachius ist vielleicht personengleich mit Eustathius, Patriarch von Antiochien, der um 340 gestorben ist. — Die Hirschlegende ist eine Wandererzählung, die aus Indien über Mesopotamien in das Abendland kam und im Leben mehrerer Heiliger berichtet wird. — Eustachius wird zu den Vierzehn Nothelfer gezählt.
Eustachius wird dargestellt in Jägerkleidung mit einem Hirsch, zwischen dessen Geweih ein Kruzifix erscheint, mit glühendem Ofen, mit wilden Tieren.

Eustachius ist Patron der Förster, Jäger, Tuchhändler, Krämer, Klempner; bei traurigen Familienschicksalen. 
Eustachius wird angerufen gegen schädliche Insekten.

Quelle: Dr. Hans-Joachim Kracht

 
 

 

 

2.Bericht

Eustachius (griechisch „der Standfeste“)
Die Legende berichtet von Eustachius, der vor seiner Bekehrung Placidus hieß, dass er unter Kaiser Trajan als römischer Offizier Jäger und Heermeister einer Legion in Kleinasien war. Eines Tages erschien ihm bei der Jagd ein Hirsch, der zwischen seinen Geweihstangen ein Kreuz trug. Placidus stürzte vom Pferd und hörte die Worte: „Warum jagst du mich? Glaube an mich, ich bin Christus, ich habe lange nach dir gejagt, gehe zum Bischof der Christen und laß dich taufen.” Er ließ sich mit seiner Frau und seinen Söhnen taufen und erhielt den Namen Eustachius. Er verarmte später und wanderte nach Ägypten. Dort wurde er von seiner Familie gewaltsam getrennt, fand sie aber später unerwartet wieder. Er weigerte sich während der Christenverfolgungen durch Kaiser Hadrian heidnischen Göttern zu opfern und starb den Märtyrertod. Nachdem man ihn in Rom im Amphitheater vergebens den Löwen vorgeworfen hatte, wurde er im Inneren eines bronzenen Stiers bei lebendigem Leibe verbrannt.

Auf Darstellungen findet man Eustachius als Jäger mit Spieß und Jagdhorn und einem Hirsch mit einem leuchtenden Kruzifixus im Geweih. Auf seinen Märtyrertod verweist ein glühender Ofen, der ihm manchmal beigegeben ist. Auch wilde Tiere können sein Kennzeichen sein. Eustachius, dessen Verehrung sich bei uns oft mit dem des heiligen Hubertus vermengte, ist der Schutzheilige der Jäger und der Schutzpatron von Paris und Madrid. Als einer der vierzehn Nothelfer wird er in allen schwierigen Lebenslagen angerufen.

Quelle: Deutscher Schützenbund

Schützenvogel

Wenn man über Sinn und Zweck eines zum Teil sechseckigen Stückes Holz nachdenken will, das ausgestattet ist mit stilisierten Flügeln, Schweif und Kopf, auf einer Schießstange (Schießrute i befestigt und dann auch noch mit Hilfe eines Gewehrs regelrecht zerkleinert wird, sind Kenntnisse über die Geschichte der Schützenbruderschaften und des Vogelschießens erforderlich.
Die frühen christlichen Bruderschaften sahen es als ihre Verpflichtung an, Schutz zu gewähren, daher auch der Name Schützenbruderschaft. Es galt, Schwache und Kranke zu schützen, sowie Gemeinden und Städten Schutz vor Angriffen von außen zu geben. In den Statuten der frühen Bruderschaften ist die Bindung an die katholische Kirche und deren Schutz eine der vorrangigen Aufgaben. Heute ist der konfessionsübergreifende christliche Gedanke Stützpfeiler der Bruderschaften. Die Bereitschaft, für ihren Glauben einzustehen, demonstrieren die Schützenbrüder noch heute in der Fronleichnamsprozession, bei der sie symbolisch das Allerheiligste begleiten und beschützen.
Der Englische Langbogen, dessen Pfeile eine Rüstung noch auf 400 Schritt durchschlugen und die Armbrust, deren Gebrauch wesentlich einfacher war, versetzten die Bürger der Gemeinden und Städte in die Lage, ausgebildeten Rittern und Soldaten entgegenzutreten und ihr Heim vor Raub und Plünderung zu schützen.



Der Gebrauch von Bogen und Armbrust erforderte allerdings immer noch viel Übung. Als Motivation, regelmäßig zu üben, wurde einmal im Jahr der beste Schütze ermittelt. Es wurde auf einen hölzernen Vogel, den “Königsvogel” geschossen. Die Tradition, auf einen Vogel zu schießen, der auf einer Stange befestigt wird, lässt sich bis zur Griechischen Antike zurückverfolgen. Die Schützenbruderschaften und Schützengilden Können ihren Königsschuss, belegt durch alte Statuten und Schützenregeln, bis ins frühe Mittelalter zurückverfolgen. Ein Papagei war es, der mit gekonnter Hand aus Holz getrieben war und zum Abschuss auf einer Stange (Schießrute) befestigt wurde. Die Vogelbauer der damaligen Zeit nahmen sich diesen Vogel als Vorlage, weil er ein wahrhaft königlicher Vogel war, denn der exotische Papagei war so wertvoll, dass ihn sich nur sehr wohlhabende Oberhäupter leisten konnten.



Im Laufe des 18. Jahrhunderts löste die Taube den Papagei als Schützenvogel langsam ab. Da aber die Taube in den Augen der Kirche ein Bote des Friedens ist, auf den nicht geschossen werden konnte, setzte sich nach und nach der Adler als Königsvogel durch.
Im Laufe der Jahrhunderte, die die Schützenbruderschaften in unserer Region bestehen, haben sie sicher auch die verschiedensten Traditionen entwickelt, um ihren König zu ermitteln. Bis in die heutige Zeit ist das Schießen auf den Königsvogel die Regel. Es gibt allerdings keinerlei Vorgaben in alten Statuten oder Schießregeln, die festlegen, wie ein Schützenvogel aus- zusehen hat. In unserer Zeit wird häufig, wie anfangs erwähnt, ein Stück Holz mit stilisierten Flügeln, Schweif und Kopf verwendet.
Da jeder Schützenzug, jede Gilde und jedes Corps seinen König ermittelt, ist es sicher sinnvoll, den Königsvogel einfach zu gestalten.
Die Tradition, den Schützenkönig durch das Schießen auf eine kunstvoll bemalte Schießscheibe zu ermitteln, ist vor allem bei den Schützenbrüdern aus dem Süden beheimatet.

 

Seine Königsvögel sind wahre Prachtexemplare

Es gibt keine bessere Werbung als eine gute Arbeit”, lautet das Motto des selbständigen Raumausstatter-Meisters Bernd Wiescholleck. Dieser Wahlspruch gilt offenbar auch für sein ehrenamtliches Engagement: Der 49-Jährige ist Schützenvogel-Bauer. Seine kunstvoll geschnitzten “Flattermänner” sollen den Königsschuss aufwerten. Rund 50 dieser Handarbeiten — vornehmlich aus Lindenholz — sind in den vergangenen zehn Jahren entstanden. 
Vor ein paar Jahren hat Bernd Wiescholleck sogar einmal probiert, den von ihm in 40-stündiger Arbeit kreierten Vogel selbst von der Stange zu holen. Was den kreativen Holzbüttgener stört: “Normalerweise ist der Königsvogel ein viereckiger Klotz mit stilisierten Flügeln, Schweif und Kopf.” Lediglich in Westfalen, so weiß der begeisterte Schütze zu berichten, werden die Vögel noch schön ausgeschnitzt. Bernd Wiescholleck greift diese Tradition gern auf — seine Königsvögel sind wahre Prachtexemplare. Die beiden Elemente Schießscheibe und Schützenvogel bringt er gekonnt zusammen: Zu aufwändigen Malereien auf der Scheibe mit rund einem Meter Durchmesser, die meistens charakteristische Merkmale des betreffenden Ortes widerspiegeln, kommt ein kunstvoll geschnitzter Adler, der stolz seine Flügel ausbreitet.

Der “Vater” so mancher Königsvögel trifft mit seiner Arbeit den Geschmack der Auftraggeber: Die Holzbüttgener Schützen schossen bereits zum zehnten Mal auf einen Königsvogel Marke Wiescholleck, ebenso die Schützen des Bezirksverbandes. Und der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Furth hat der Holzbüttgener immerhin schon zum dritten Mal ein Prachtexemplar beschert — ein Ende ist nicht abzusehen. Einmal, als Hans-Heinrich Gilges von den Kaarster St. Sebastianern Schützenkönig war, überquerte Bernd Wiescholleck auf entsprechende Bitte hin den Nordkanal, um ausnahmsweise auch für diese Bruderschaft einen stolzen, eines Königsschusses würdigen Adler, zu schnitzen. 
In jedem Vogel steckt Material für rund 150 Mark, hinzu kommen etwa 40 Arbeitsstunden. Wer jetzt meint, Bernd Wiescholleck sei mit diesem Ehrenamt voll und ganz ausgelastet, der irrt gewaltig: Von den rund 70 Orden, die in einer Vitrine einen würdigen Platz gefunden haben, sind etliche von ihm selber entworfen worden. Ein Wiescholleck-Werk ist unter anderem der Orden des Bezirksverbandes Neuss aus Anlass des 50-jährigen Bestehens. Der Hauptmann des Jäger-Fahnenzuges “Heimattreu”, der gerade den Vogel, den der letztjährige Holzbüttgener Schützenkönig Bernd Peters abgeschossen hatte, wieder zusammengeflickt hat, arbeitet mit der Firma Herrmann in Kerpen zusammen, wenn es um Orden geht. Und er fragt selbstverständlich vorab seine Auftraggeber, was auf dem dekorativen Stück alles zu sehen sein soll. 
Bernd Wiescholleck, der 1978 als 16-Jähriger in die Bruderschaft eintrat, ist auch ein Zeichen-Talent — eines, das eigentlich ein Fleißkärtchen verdient hätte: “Ich habe schon meinen ganzen Ort gezeichnet”, gibt er nicht ohne Stolz zu verstehen. Seine Heimatliebe und ‑verbundenheit wird die entscheidende Triebfeder für sein vielseitiges ehrenamtliches Engagement sein. Hin und wieder greift Bernd Wiescholleck auch zur Schreibmaschine — so ließ er sich im Jubiläumsbuch des Bezirksverbandes Neuss vor einem Jahr zum Thema “Der Schützenvogel” aus, machte deutlich, dass es sich hierbei um einen Brauch handelt, der bis ins frühe Mittelalter zurück zu verfolgen sei: Zunächst — so ist da zu lesen — wurde auf einen Papagei, dann auf eine Taube und schließlich auf einen Adler geschossen. 
Im vorigen Jahr hat der rührige Heimatfreund außerdem ein 42 Seiten starkes Heft zum Thema “Holzbüttger Haus” herausgegeben. Ehrenurkunden auf Leder, die Gestaltung der Schützenzelt-Rückwand mit Kirche und Bischofshof als die prägenden Motive sowie das alljährliche Schützenfestplakat gehen ebenfalls auf sein Konto. Darüber hinaus hat sich Bernd Wiescholleck eine kleine Fotosammlung zugelegt: Hier stellt er das Holzbüttgen von einst dem Ort gegenüber, wie er sich heute präsentiert. Nein, das Schützenvögel-Bauen wird trotz all dieser Aktivitäten garantiert nicht vernachlässigt. Dieses Jahr gibt es allerdings nicht mehr viel zu tun — lediglich der zugeigene Vogel muss noch kreiert werden, ein vergleichsweise kleines Tier ohne Schnitzereien.

barni Neuß Grevenbroicher Zeitung

Entstehung

Im Rahmen von in jüngerer Zeit durchgeführter Ausstellungen über Schützenwesen und Schützensilber haben Helene Blum1 und Ellen
Schwinzer in prägnanter Form über die Entstehung der Schützenbruderschaften berichtet. Zur Einleitung und Einstimmung zu dem mit
dieser Schrift gewählten Thema sind diese Ausführungen ausschnittweise dargestellt.

Die Entstehungsgeschichte der Schützenbruderschaften hängt eng mit der Entwicklung des Zunft- und Gildewesens und dem gleichzeitigen Aufblühen geistlicher Lebensgemeinschaften von Laienbrüdern (Bru derschaften, Fraternitäten) im Mittelalter zusammen, die im 14. und 15. Jahrhundert einen Höhepunkt ihrer Entwicklung erreichten. Häu fig werden in der Literatur die Begriffe Schützengilden, Schützengesellschaften und Schützenbruderschaften synonym verwendet, eine nicht ganz saubere Gleichsetzung, die die unterschiedlichen Motive verwischt, die einst zur Bildung solcher Vereinigungen führten. Heute werden die weltlichen Schützengesellschaften von den an die katholi che Kirche gebundenen Schützenbruderschaften, wie sie vor allem im Rheinland verbreitet sind, deutlich unterschieden, eine Trennung, die im Mittelalter noch nicht so ausgeprägt war. Die Forschungen von
Theo Reintges über den Ursprung der spätmittelalterlichen Schützengilden haben ergeben, dass die Schützengesellschaften sich von
Flandern aus Ende des 13. Jahrhunderts in die nördlichen Niederlande und von dort aus in die Rheinlande verbreiteten. Als freiwillige Ver einigungen der Bürger, die mit Billigung, oft auch auf Anordnung der Obrigkeit, Schießübungen und Schießspiele mit der Armbrust und dem Bogen durchführten, kämpften sie im Kriegsfalle an der Seite ihrer Mitbürger. Der Begriff Schütze umschreibt also nach mittelalterlichem Sprachgebrauch das Schießen; allerdings umfasst er auch den Schutzgedanken im Sinne von Behüten und Beschützen.
Die Anfänge des rheinischen Schützenwesens sind nur in zwei Orten, Aachen und Hemmerden, mit sicheren Zeugnissen bis in die erste
Hälfte des 14. Jahrhunderts zurückzuverfolgen. Die Städte Heinsberg und Neuss besitzen die ältesten Statuten aus den Jahren 1400 und 1415. Durch bruchstückhafte Nachrichten sind für das Ende des 14. und den Anfang des 15. Jahrhunderts Siegburg (Ende 14. Jahrhundert), Münstereifel (um 1400), Andernach (vor 1426) und Ratingen (Anfang 15. Jahrhundert) zu belegen. Als weitere Gründungen aus dem Anfang des 15. Jahrhunderts sind die Gilden und Bruderschaften in Viersen, Xanten, Ahrweiler, Issum, Büttgen, Euskirchen und Zülpich anzuschließen. Vielfach waren rein politische Interessen der Landesherren für die Gründung von Schützenvereinigungen ausschlaggebend, nämlich die Verteidigung von Land und Bürgern in Gefahrenzeiten. Vom Erzbi-
schof Ruprecht in Köln ist bekannt, dass er im Jahre 1475 zur Gründung von Schützenbruderschaften aufrufen ließ, damit ihm Truppen
zur Verfügung gestellt werden konnten. Herzog Wilhelm von Jülich ordnete 1597 an, dass überall im Lande Schützenvereinigungen aus
Rotten zu je 15 Mann zu bilden seien zur Verteidigung von Land und Städten. Auf solche Bürgerwehren führen zahlreiche Schützengesellschaften ihre Anfänge zurück.Die Bezeichnung „Schützenbruderschaft” dagegen weist auf eine enge
Beziehung dieser Gruppe zur Kirche hin. Sie leiten ihre Anfänge von geistlichen Gebetsbruderschaften des Mittelalters her. Diese Gebetsbruderschaften (Fraternitäten) sind von ihrem Ursprung her tief religiöse Vereinigungen von Laien, Männern sowie Frauen, die sich zum Zwecke einer besonders frommen und mildtätigen Lebensführung verbanden. Sie waren im allgemeinen an eine Kirche angegliedert (eingebrüdert). Regelmäßige Andachten, Prozessionen, feierliches Geleit verstorbener Schwestern und Brüder, Almosenverteilung an Arme und Kranke, gesellige Zusammenkünfte prägten das religiöse und soziale Leben der Gebetsbrüder. Zu diesen Gebetsverbrüderungen gehörten auch die sog. Pestbruderschaften, die in Pestzeiten entstanden, oft an Spitäler angeschlossen waren und sich besonders der Krankenpflege widmeten, ferner die sog. Todesangst- oder Elendenbruderschaften, in denen sich die Menschen aus Sündenangst und Sorge um ihr Seelenheil zusammenfanden.
Für das Rheinland hat Ewald bereits festgestellt und Reintges noch einmal bestätigt, dass viele Statuten sowohl Bestimmungen und Vor schriften über die weltlichen Zwecke der Gilden, die Übungsschießen, Schießspiele und damit verbundene Feste enthalten, als auch eine zweite Gruppe, die das kirchliche Leben betrifft. Der Ursprung der Schützenvereinigungen aus rein kirchlich ausgerichteten Bruderschaften ist daraus nicht herzuleiten, sondern hier ist vielmehr der Zusammenschluß von weltlicher Gilde und kirchlicher Bruderschaft zu erschließen, wie sie in der Bezeichnung St. Sebastianus-Bruderschaft und Schützengilde Andernach noch ablesbar ist.
Der Hauptheilige der Schützenbrüder war der Hl. Sebastianus, der unter dem römischen Kaiser Diokletian den Märtyrertod erlitt. Der
Kaiser versuchte vergeblich, Sebastian vom Glauben abzubringen undübergab ihn seinen numidischen Bogenschützen, die so lange mit
Pfeilen auf ihn schössen, bis er wie tot liegen blieb. Die hl. Witwe Irene fand ihn aber, als sie ihn begraben wollte, noch lebend und
pflegte ihn gesund. Sebastian stellte sich erneut freiwillig dem Kaiser und warf ihm seine Ungerechtigkeit und Grausamkeit gegen die
Christen vor, die nicht seine Feinde seien, sondern täglich für das Wohl von Kaiser und Reich beteten. Um ihm dies zu sagen habe ihn
sein Herr, Jesus Christus, wieder aufleben lassen. Sogleich ließ der Kaiser ihn ergreifen und im Circus durch Keulenschläge töten und
seinen Leichnam in die angrenzende Kloake werfen.
Der Ort der Begräbnisstätte befindet sich in Rom an der Via Appia in einem unterirdischen Gang (Coemeterium „in catacumbas”, auch
Sebastian-Katakombe genannt) in der Nähe der Memorien der Apostel Petrus und Paulus, dort, wo heute die Basilika San Sebastiane
steht.
Der Sebastianustag, der 20. Januar, wurde mit besonderen Messen und Feiern begangen. Die Sebastianusbruderschaften sind nachweislich die ältesten Schützenbruderschaften. Daher können die meisten von ihnen auf ein recht hohes Alter zurückblicken. Im Laufe der Zeit gesellten sich auch zahlreiche andere Heilige als Schutzpatrone hinzu, so z.B. die Heiligen Hubertus, Josef, Antonius, Johannes, Rochus und die Gottesmutter Maria. Die Bevorzugung des Hl. Sebastian als Schutzpatron, die ebenso für die Pestbruderschaften gilt, ist kein sicheres Anzeichen für die Entstehung aus einer Pestbruderschaft.
Die in fast allen Statuten aufgeführten Bestimmungen über die Teil nahmepflicht an den Fronleichnamsprozessionen, Patronatstagen,
Kirchgang und dem feierlichen Geleit verstorbener Brüder galt nicht nur für Schützenvereinigungen, sondern auch für andere Gilden.
Für den mittelalterlichen Menschen waren der weltliche und kirchliche Bereich, anders als heute, eine Einheit. Die mittelalterlichen
Vereinigungen umfassten den ganzen Menschen mit seinen religiösen, sozialen und wirtschaftlichen Bedürfnissen. Die Zugehörigkeit eines Bürgers zur Zunft, zu einer Gilde oder zu einer Bruderschaft regelte sein berufliches Leben, seine Beziehung zu Gott und den Mitmenschen und begründete so seinen Platz innerhalb der Gesellschaft.
Dies führte dazu, dass bei allen Vereinigungen der Bürger, den Bauhütten, den Kaufmannsgilden, den Zünften und auch bei den Schüt-
zenbruderschaften neben weltlichen Aufgaben auch religiöse Vorschriften das gesamte Leben bestimmten.
Der Schutz des Allerheiligsten bei den Prozessionen ist erst in der Reformationszeit notwendig und nachweisbar, also keinesfalls das
auslösende Moment für die Gründung von Schützenvereinigungen. 
Sichtbares Zeichen der kirchlichen Bindung aller Gilden und Bruderschaften sind die Darstellungen der Schutzpatrone, sei es in den
Schützenhäusern, sei es an den Altären, die reiche Gilden in den Pfarrkirchen besaßen, oder auf Hutabzeichen, Fahnen oder sogar Mu-
sikinstrumenten. Die Teilnahme an Prozessionen und Patronatsfesten wird sichtbar an den Brudermeisterstäben und Vortragekreuzen, die noch vereinzelt erhalten geblieben sind.
Voraussetzung für die Mitgliedschaft waren persönliche Ehrenhaftigkeit und oft Tüchtigkeit im Umgang mit Schusswaffen. Besitz des
Stadtrechts (Bürgerrechtes) oder Hausbesitz, was dem Stadtrecht gleichkam, wurden in einigen Städten ebenfalls gefordert. Hinsicht-
lich der Standeszugehörigkeit wurden keine Bedingungen gestellt. Der Hochadel und Adel, führend die Landesherren, waren ebenso Mitglie der wie Kaufleute und Handwerker. In Städten, in denen aber mehr als eine Schützenvereinigung bestand, sind der Adel und die Kaufmannschaft überwiegend in der einen, die Handwerker in der anderen anzutreffen. Außer den Mitgliedsverzeichnissen sind die Königsschilde beredte Zeugnisse über die Zusammensetzung der Gilden und Bruderschaften und in sozial- und wirtschaftsgeschichtlicher Hinsicht für die rheinischen Städte gleichermaßen interessant.
Es soll und darf nicht verschwiegen werden, daß für die Entstehung der Bruderschaften zum Teil auch andere Thesen vertreten werden.
Der Bonner Landeshistoriker Franz Steinbach widersprach 1954 der Auffassung, die Entstehung der Schützenbruderschaften auf die Verteidigungs- und Schutzbedürfnisse des späten Mittelalters zurückzuführen. Er leitet den Ursprung der Schützenbruderschaften von anderen Ursachen ab:
Das Mittelalter war bei aller Frömmigkeit und Askese efne Zeit glanzvoller Feste und Kampfspiele. Deren Veranstaltung lag jedoch
bis zum Beginn des 14. Jahrhunderts ausschließlich in den Händen der Kirche und der Herrenstände, der Fürsten und Ritter. Ihre inter-
nationalen Hochfeste und Turniere waren die gesellschaftlichen Ereignisse des hohen Mittelalters. Das Volk hatte daneben seine nach-
barschaftlicben Kirmessen und seine berufsständischen Feste. Seit dem 14. Jahrhundert aber stellte das selbstbewusste Bürgertum den
ritterlichen Turnieren seine eigenen überberuflichen Kampfspiele, die Schützenfeste, an die Seite. Das war, so scheint mir, die Aufgabe,
für die sich neben den alten Berufsverbänden die bürgerlichen Schützengilden bildeten. Sie übernahmen sämtliche repräsentativen Ver-
pflichtungen des Bürgertums sowohl im kirchlichen wie im weltlichen Raum. Bei kirchlichen Prozessionen wie bei weltlichen Aufzügen traten sie als festliches Ehrengeleit von nun an in Erscheinung. So begegnen uns auch in der Ostkolonisation seit dem ‑14. Jahrhundert
neben den Turnieren der Ordensritter die Schützenfeste als Kampfspiele des städtischen Bürgertums und als ihre Träger und Organisa-
tionen die Schützengilden. Die bürgerlichen Schützenfeste werden allenthalben Entsprechungen der ritterlichen Turniere. Ihre fröhliche,
aber zugleich feierliche Aufmachung hatte ebenso wie die repräsentative Teilnahme an allen kirchlichen und weltlichen Veranstaltun-
gen, Aufzügen und Empfängen den ernsten Sinn, die Selbständigkeit,
Mitverantwortung und das Mitbestimmungsrecht der Bürger im öffentlichen Leben zur Geltung zu bringen.
Kirchhof f5 fügt den Feststellungen Steinbachs hinzu, dass es sich bei der Übernahme der städtischen Schützenfeste durch die bäuerliche Dorfbevölkerung um eine allgemein kulturgeschichtliche Erscheinung handelt, die auf vielen Lebensgebieten bis zum heutigen Tag zu beobachten ist. Dass allerdings bei Gelegenheit die dörflichen Schützen von den Landesherren zu Verteidigungs- und Polizeizwecken herangezogen wurden, lag nahe. Ihr Kampfwert war aber natürlich gering.
Aufgaben, Wesen und Zweck der Schützenbruderschaften.
Die Schützenbruderschaften haben seit ihrer Entstehung die brüderliche Nächstenliebe in den Vordergrund ihrer Aufgaben gestellt.
Die St. Sebastianus-Schützenbruderschaft Büttgen setzt als Gründungsdatum das Jahr 1415 an. Dies geschieht nicht auf Grund einer
nach den Maßstäben der historischen Wissenschaft erwiesenen Feststellung, dass die Bruderschaft im Jahre 1415 gegründet worden sei, sondern auf Grund der durch viele geschichtliche Anhaltspunkte erhärteten alten Überlieferung, nach der sie jedenfalls in diesem Zeitpunkt bereits bestanden hat .
Statuten von Bruderschaften aus dieser Zeit geben auch nähere Anhaltspunkte über Zweck und Aufgaben der Bruderschaften. In der
sogenannten Neusser Urkunde von 1415 heißt es in Ziffer 3: “Wird jemand von den Brüdern so arm, dass er von Almosen leben und die Bruderschaft um Hilfe angehen müsste, sollen die Meister dem Bruder alle Tage vier Möhrchen (Bezeichnung für eine frühere Geldeinheit) vom Bruderschaftsgeld geben, solange er der Almosen bedarf und begehrt”. Auch bei Todesfällen gab die Bruderschaft ihre Hilfe.
“Wäre ein Bruder wann er stürbe, so arm, dass er von seinem eigenen Gut keine Totenkiste haben könnte, so soll die Bruderschaft die Totenkiste bezahlen”. So steht es in der genannten Neusser Urkunde7.
Helfen und Beschützen waren die Hauptgesichtspunkte des brüderlichen Tuns. “Jeder Bruder soll eine löbliche Armbrust haben, die zu-
mindest einen rheinischen Gulden wert sei, und dazu alle Gerätschaft zum Schießen, wie sich das gebührt wegen seiner Bruderschaft, zur Wehr und zum Dienste der Stadt Neuss, wann die Not es erfordert”.
Mit dieser Ziffer 7 der Neusser Urkunde wurden die Schützenbrüder verpflichtet. Über die Büttger Schützen hatte der Amtmann von
Liedberg Befehlsgewalt. In Kriegzeiten wurden sie zur Bewachung der Landwehren und Burgen sowie zur Ergreifung umherstreifender
Söldner eingesetzt. In Friedenszeiten hatten sie ordnungspolizeiliche Funktionen etwa auf den großen Märkten oder zur Festnahme von
Räuberbanden. 
Die Brüder durften aber von der Bruderschaft auch finanzielle Hilfe als Unterstützung ihrer Anliegen erwarten. Sie konnten von der Bruderschaft Geld leihen. In dem alten Bruderschaftsbuch der Büttger Bruderschaft von 1742 sind Verzeichnisse über sog. Jahresrenten aufgeführt. Die Bruderschaften waren also Vorläufer der heutigen Sparkassen.
Die Gestaltung des gesellschaftlichen und geselligen Lebens erfolgte auch in Büttgen in hohem Maße ebenfalls durch die Sebastianusbruderschaft. Hierzu geben die “Regulen oder Statuten der uhralten undt löblichen Bruderschaft S. Sebastian! zu Büttgen und Kleinenbroich”, die in den alten Bruderschaftsbüchern von 1742 und 1843 jeweils am Anfang des Buches niedergeschrieben sind, reichlich Aufschluß. Der volle Wortlaut dieser Satzung ist als Anlage zu diesem Heft abgedruckt.
Der Zweck der St. Sebastianus-Bruderschaft Büttgen ist in der Satzung von 1905, der zweiten bekannten Satzung, mit “der Hebung des kirchlichen bzw. religiösen Sinnes unter den Mitgliedern und der Förderung des geistigen und geselligen Lebens sowie der Schießkunst” beschrieben. Der weit über die Grenzen von Büttgen bekannte damalige Bürgermeister Robert Grootens hat diese Satzung stark bestimmt.
Im Jahre 1949 beschäftigte sich der Vorstand der Bruderschaft Büttgen mit der Aufstellung einer neuen Satzung. Pastor Wilhelm Plog
hatte hierzu einen Entwurf erarbeitet. Aus heute nicht mehr zu ermittelnden Gründen kam es aber nicht zur förmlichen Annahme.
Dennoch sei kurz der im Entwurf genannte Zweck der Bruderschaft aufgeführt:

- Pflege des religiösen Lebens, insbesondere die Verehrung des allerheiligsten Altarsakraments, die Heilighaltung des Sonntags und der Schutz und die Reinhaltung der Familie;
- die Übung der Werke christlicher Nächstenliebe;
- Bildung und Erhaltung eines gesunden Volkstums auf der Grundlage christlicher Sitte;
- staatsbürgerliche Erziehung nach den Grundsätzen christlicher Weltanschauung.
Obwohl die Neugründung der Bruderschaft nach dem Zweiten Weltkriege bereits 1946 stattfand, kam es erst 1964 zur förmlichen Verabschiedung einer neuen Satzung, die 1970 weiter ausgeprägt wurde.
Die heute gültige Satzung der Bruderschaft Büttgen lässt in ihren Aussagen über Wesen, Zweck und Aufgaben der Bruderschaft den Anschluß an die alten Traditionen deutlich erkennen.
Die Bruderschaft stellt ihr Tun unter den Leitsatz “FÜR GLAUBE, SITTE UND HEIMAT”. Sie bietet ihre Gemeinschaft allen Christen
an, den katholischen und den nichtkatholischen. Die katholischen Mitglieder verpflichten sich im Sinne der katholischen Weltanschauung

- zum Bekenntnis des Glaubens durch aktive religiöse Lebensführung, Ausgleich sozialer Spannungen im Geiste echter Brüderlichkeit, Werke christlicher Nächstenliebe;
- zum Schutz der Sitte durch Eintreten für christliche Sitte und Kultur im privaten und öffentlichen Leben, Gestaltung echter brüderlicher Geselligkeit, Erziehung zu körperlicher und charakterlicher Selbstbeherrschung durch den Schießsport;
- zur Liebe der Heimat durch Dienst für das Gemeinwohl aus verantwortungsbewußtem Bürgersinn, tätige Nachbarschaftshilfe, Pflege der geschichtlichen Überlieferung und des althergebrachten Brauchtums, vor allem des
dem Schützenwesen eigentümlichen Schießspiels und Fahnenschwenkens.
-
Die nichtkatholischen Mitglieder verpflichten sich auf die christlichen Grundlagen der Bruderschaft und des Bundes der Historischen
Deutschen Schützenbruderschaften. Für die innerkirchliche Ehrenarbeit ihrer Kirche sollen sie sich zur Verfügung stellen.
Als besondere Aufgabe nennt die Satzung die Erhaltung des Heimat‑, Volks- und Schützenfestes.
Königsvogelschießen, Königstum, Bruderschafts- und Schützenkönigssilber sind tragende Bestandteile des Schützenwesens. 
Sie sind eingebettet in die Pflege des Brauchtums und der Liebe zur Heimat. Die nachfolgenden Abschnitte schildern hierzu die Einzelheiten.

 

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