Zapfenstreich

Der große Zapfenstreich



Wer denkt hier nicht sogleich an das erhebende Ereignis unseres großen Schützenfestes, wenn zu seinem Ende abends der Große Zapfenstreich geboten wird? Wer denkt aber nicht auch an die militärische Herkunft dieses Zapfenstreichs und sperrt sich deshalb gegen ihn wie gegen alles Militärische? Mancher, der den letzten Krieg mitgemacht hat, und viele, die als junge Menschen gegen alles Militärische in kritischer Distanz stehen, mögen sowas nicht.
Ein klärendes Wort unseres Staatsoberhauptes, das von denen begrüßt worden ist, die sich ihrer staatsbürgerlichen Verantwortung bewusst geblieben sind und für die der fast schon untergegangene Vaterlandsbegriff nichts Fremdes geworden ist.
Der große Zapfenstreich ist allerdings jünger als man gemeinhin annimmt. Während der Freiheitskriege nahm der Zapfenstreich in Preußen zeremonielle Bedeutung an. Nach der Schlacht von Groß-Görschen (2. Mai 1813), in der Napoleon die vereinigte preußisch-russische Armee schlug, ritt König Friedrich Wilhelm III. mit dem Zaren Alexander I. über das Schlachtfeld. Am Flügel der Armee, wo das russische Heer stand, erklang gerade der russische Zapfenstreich. Anschließend sangen die Soldaten, wie es im russischen Heer üblich war, den Choral “Ich bete an die Macht der Liebe” des russischen Kirchenkomponisten Bortnjanski.
Der fromme preußische König war davon so tief beeindruckt, vor allem, weil der Zapfenstreich mit einem Gebet schloß, dass er später eine Kabinettsordre erließ, nach der dem Zapfenstreich ein Gebet angefügt werden musste. Dieser Abschluss sollte den einzelnen zur Besinnung auf sich selbst führen. Aus dieser frommen Neuordnung des Soldatenlebens entwickelte sich der Große Zapfenstreich. Diese Form — Locken, Zapfenstreich, Gebet — ist unverändert in den heutigen Zapfenstreich übernommen worden.
Man kann sich heute getrost an der musikalischen Schönheit einer Militärmusik, wie dem Großen Zapfenstreich oder Märschen, erfreuen; denn es sollte immer bedacht werden, dass sich auch die Großen der Musik wie Beethoven und Schubert der musikalischen Form des Marsches bedient haben. Rousseau schrieb 1786 in seinem Musiklexikon:
“Es gibt wunderbare Märsche bei den deutschen Truppen”.
Sehr wenig weiß man vom Großen Zapfenstreich, der eine besondere Stellung innerhalb der Militärmusik einnimmt.
Im Großen Zapfenstreich ist nichts vom heißen Atem des Krieges zu spüren, er stellt vielmehr eine feierliche Abendmusik mit einer Spielfolge von Trommel- und Pfeifenstücken, Reitersignalen und dem Gebet dar. Freilich enthält er
als tragende Klangkörper Trommeln und Pfeifen, also das “spil” der Landsknechte und die Trompeten und Pauken aus der Zeit der Reiterheere. Die Bezeichnung “Großer Zapfenstreich” geht auf den “Zapfenschlag” zurück, der in
der Landknechtszeit, also spätestens im 30 jährigen Krieg entstand.
Die Landsknechte verbrachten ihre Abende in den Schenken oder in den Marketenderzelten. Zu einer festgesetzten Stunde musste jedoch die Ordnung des Lagers für die Nacht hergestellt werden. Deshalb ging der Wachoffizier oder Profos, begleitet von einem “spil”, also den Spielleuten, 2 bis 4 Pfeifern und Trommlern, durch die Schenken usw.
und schlug mit seinem Stock auf den Zapfen des Weinfasses. Nach dieser Amtshandlung durfte der Wirt nichts mehr einschenken. Die Landsknechte mussten die Schenken verlassen. Wer sich diesem musikalischen Befehl, der von den Landsknechten “Zapfenschlag” genannt wurde, widersetzte, wurde hart bestraft.
Der Große Kurfürst dehnte diesen Brauch am 12. August 1662 — also vor mehr als 300 Jahren — auch auf seine Bürger aus. Auch sie mussten beim militärischen Zapfenstreich den Alkoholverbrauch einstellen. Später wurde aus dem Trommel- ein Trompetensignal.
Die Signale, im besonderen die Zapfenstreichsignale, waren bei allen Truppenteilen und Regimentern verschieden. Eine Vereinheitlichung erfolgte erst später.
Berühmte Musiker schufen die heutige Form Der Große Zapfenstreich in seiner heutigen Form geht auf den Direktor sämtlicher Musikkorps des preußischen Gardekorps Wilhelm Wieprecht zurück, der den harmonischen Zapfenstreich der berittenen Truppe gestaltete und in den Großen Zapfenstreich einarbeitete. Das Locken, von den Trommlern und Pfeifern ausgeführt, diente dabei dem Rufen zur Versammlung der Truppe um das Musikkorps, dem die Fackelträger den Marschweg und anschliessend die Notenblätter beleuchteten. Im großen Rahmen wurde der Große Zapfenstreich in Wieprechts Fassung erstmalig im Jahre 1838 in Berlin aufgeführt. Als Zar Nikolaus I. den König von Preußen in der Landeshauptstadt besuchte, vereinte zu Ehren des Gastes der Direktor sämtlicher Musikkorps des Gardekorps insgesamt 1197 Musiker (16 Kavallerie- und 16 Infanteriekorps sowie 20 Tambours) der Garde auf dem von Fackeln beleuchteten Berliner Schlossplatz zum Großen Zapfenstreich.
Der von 1890 bis 1908 amtierende Armee-Musikinspizient Prof. Gustav Roßberg überarbeitete den Großen Zapfenstreich noch einmal. Die Endgestaltung der heutigen klaren Form wurde durch den früheren 2. Armee-Musikinspizienten Prof. Oskar Hackenberger, der von 1924 bis 1930 die Militärmusik in der Reichswehr nach Prof. Grawert leitete, durchgeführt.
In der heutigen Form enthält die Spielfolge des Großen Zapfenstreichs nacheinander das Locken zum Zapfenstreich, den langen Wirbel mit 8 Schlägen und den Zapfenstreich-Marsch, die Retraite (harmonischer Zapfenstreich der ehemaligen berittenen Truppen, l., 2. und 3. Post), das Zeichen zum Gebet, das Gebet, das Abschlagen nach dem Gebet
und den Ruf nach dem Gebet.
Die oft vertretene Ansicht, die Herkunft des Großen Zapfenstreichs sei in Russland zu suchen, ist also nicht richtig.
Lediglich die feierliche Form, nach dem immer üblichen Zapfenstreichmarsch im Feldlager geschlossen anzutreten und nunmehr gemeinsam einen Choral zu singen, ist von den Russen übernommen worden.

Der (Große) Zapfenstreich



Die Briten nennen ihn “tatoo”, die Franzosen “Retraite” und für die Deutschen ist es der “Zapfenstreich”. In seiner ursprünglichen Bedeutung war der Zapfenstreich das Abendsignal, das die Soldaten auffordert, die Nachtruhe zu beginnen. Der Ursprung des Wortes führt in das Lagerleben des Mittelalters zurück. Die Marketender, die Händler bei der Feldgruppe, mussten jeden Abend bei einem bestimmten Trommelzeichen den Zapfen oder den Spund des Schankfasses streichen, d. h. hineinschlagen, um das Fass zu verschließen. Das war das unmissverständliche Signal, das Feuer zu löschen und sich auf den Weg in die Zelte zu machen. Die Nachtruhe begann, es durfte nichts mehr “verzapft” werden. Nach einer Verordnung von 1662 galt diese Bestimmung auch für Bürger. Sie durften ebenfalls nach dem Trommelschlag kein Bier mehr ausschenken.
Der Ursprung des “Zapfenstreichs” liegt in der Zeit des 30-jährigen Krieges (1618–1648). In den Lagergassen wurde zur Sperrstunde durch den Profos — seines Zeichens Quartiermeister und Strafgewaltiger bei den Landsknechthaufen — mit einem Stab über die Zapfhähne der Weinfässer gestrichen. Danach war es den Marketendern verboten, den Hahn an diesem Abend noch einmal aufzudrehen. Die Landsknechte mussten sich nun umgehend in ihre Quartiere begeben. Noch heute ist der Ausdruck “Zapfenstreich” im militärischen Bereich als Gebot der Heimkehr ins Quartier ein Begriff.
Im Laufe der Zeit wurde es üblich, das Zeichen zur Nachtruhe auch in musikalischer Form zu geben. Der eigentliche “Zapfenstreich” wurde durch das “Locken zum Zapfenstreich” eine Viertelstunde vorher angekündigt. Bei der Kavallerie geschah dies durch Trompetensignale (die “Retraite”), bei der Infanterie durch besondere Spielstücke für Flöte und Trommel.
Das heute übliche Zeremoniell des (Großen) Zapfenstreichs geht auf die Befreiungskriege (1813 — 1815) zurück. Aus dieser Zeit stammt der Brauch, dem Zapfenstreich ein kurzes Abendlied folgen zu lassen. König Friedrich Wilhelm III befahl unter dem Eindruck eines Brauches in der Russischen Armee im August 1813 auch bei seinen Truppen nach dem Zapfenstreich ein Gebet. Auf dieser Grundlinie (Locken — Zapfenstreich — Gebet) stellte Friedrich Wilhelm Wieprecht (1802 — 1872), der legendäre Wegbereiter deutscher Blas- und Militärmusik, die noch heute gültige Form des (Großen) Zapfenstreiches zusammen. Er erklang auf diese Weise mit 1200 Mitwirkenden erstmalig am 12. Mai 1838 in Berlin als Abschluss eines Großkonzertes zu Ehren des russischen Zaren. Die damals erklungene Spielfolge umriss bereits ein Konzept, das bis zum Jahre 1918 zwar vielerorts variiert wurde, sich aber wie ein roter Faden bis zum heute verbindlichen Ablauf durchzieht.
Der (Große) Zapfenstreich wird immer von einem Spielmannszug und einem Musikkorps gemeinsam ausgeführt. Diese marschieren grundsätzlich unter den Klängen des “Yorckschen Marsches” auf. Nach dem Einnehmen und Ausrichten der Formation erfolgt die Meldung. Musikalisch beginnt der (Große) Zapfenstreich mit dem “Locken zum Zapfenstreich” (Spielmannszug). Es folgt der “Zapfenstreichmarsch” (Spielmannszug und Musikkorps), die “3 Posten des traditionellen Zapfenstreiches der berittenen Truppe” — die “Retraite” — (Musikkorps), das “Zeichen zum Gebet” (Spielmannszug), das “Gebet” (Spielmannszug und Musikkorps), schließlich das “Abschlagen nach dem Gebet” (Spielmannszug) und der “Ruf nach dem Gebet” (Musikkorps). Seit 1922 endet der (Große) Zapfenstreich mit der Nationalhymne. Nach der Nationalhymne erfolgt dann die Abmeldung des (Großen) Zapfenstreiches und der Abmarsch in der Regel unter den Klängen des “Zapfenstreichmarsches”.
Von den Schützenfesten im Rheinland ist der (Große) Zapfenstreich nicht mehr wegzudenken. Beim Schützenfest in Holzbüttgen wird er sogar zweimal zelebriert, das erste Mal zur Eröffnung nach der Festmesse am Samstagabend auf dem Kirchplatz. Darüber hinaus wird mit dem (Großen) Zapfenstreich die Krönung des Schützenkönigs am Montagabend im Festzelt eingeleitet. Der (Große) Zapfenstreich trägt wesentlich mit dazu bei, dass der Krönungsabend immer eine ganz besondere Atmosphäre bekommt. Beiden Anlässen ist — im Gegensatz zur ursprünglichen Bedeutung des Zapfenstreiches — zu eigen, dass der Abend und die Feierlichkeiten mit dem Zapfenstreich nicht enden, sondern gerade erst anfangen.

Sebastianus

Sebastian

Vita:
Er ist ritterlicher Anführer der Leibwache Diokletians, geboren in Narbonne. Seine Stellung ermöglicht ihm, christlichen Glaubensgenossen in Roms Gefängnissen beizustehen und immer neue Römer zu bekehren. Deshalb Anklage vor Diokletian, dann wird er an einen Baum gebunden und von Pfeilen durchbohrt. Fast tot, wird er von der Witwe des Märtyrers Kastulus gepflegt. Wiederhergestellt, tritt er dem erstaunten Diokletian entgegen. Daraufhin wird er mit Knütteln zu Tode geschlagen und seine Leiche in die “cloaca maxima” geworfen. Der Christin Lucina erscheint Sebastian im Traum und weist sie an, seine Leiche zu bergen. Sie bestattet ihn zu Füßen des Apostels.

Darstellung:
als Märtyrer in jugendlicher Gestalt, manchmal als Ritter oder unbekleidet an einen Baumstamm gebunden und pfeildurchbohrt

Attribute:
selten Knüttel

Besonderheiten:
Patron der Schützenbruderschaft und Nothelfer bei Pestzeiten

Heiligentag:
20. Januar

Literatur:
Reclams Lexikon der Heiligen S.507 f.
Lexikon der christlichen Ikonographie, hrg. v. E. Kischbaum, Freiburg i. Br. 1968, Bd. 8, Sp. 318–324.
Die Legenda aurea des Jacobus de Voragine. Aus dem Lateinischen übersetzt von Richard Benz, Gerlingen 1993 (11. Auflage), S. 127–132.


SEBASTIANUS, nach der Passio S. Sebastiani ein Märtyrer in der Zeit der Tetrarchie unter den Kaisern Diokletian und Maximian (284 bzw. 286–305 n. Chr.), der während der Christenverfolgung in den Jahren 303–305 in Rom den Tod gefunden haben soll. Er sei Offizier in der kaiserlichen Leibgarde gewesen, habe dem Opfergebot für die traditionellen Staatsgötter keine Folge geleistet und außerdem viele Glaubensgenossen unterstützt. Daraufhin sei er zum Tode verurteilt und von Bogenschützen mit zahlreichen Pfeilen angeschossen worden (diese Szene wurde in der christlichen Kunst seit dem Hochmittelalter vielfach dargestellt). Dennoch dem Tode entronnen und von einer christlichen Witwe namens Irene gesundgepflegt, habe er den Kaisern in der Öffentlichkeit Vorwürfe wegen ihrer Religionspolitik gemacht und sei deshalb zu Tode geknüppelt worden. Sein Grab habe er in einem coemeterium in catacumbas an der Via Appia gefunden. Diese Geschichte ist mit vielen fiktiven Einzelheiten, die besonders die Namen der von S. unterstützten und bestatteten Märtyrer sowie der als Richter angegebenen römischen Staatsbeamten betreffen, angereichert und insgesamt historisch verdächtig: Allerdings besuchte Diokletian aus Anlaß der Feier seines zwanzigsten Regierungsjubiläums Rom tatsächlich ein Mal von Mitte November bis Mitte Dezember 303 und traf sich hier mit seinem Kaiserkollegen Maximianus. In ihrer ausufernd fantasievollen Darstellung spiegelt die Passio allgemein das Bemühen ihres unbekannten Autors wider, die dem Christentum anhängenden Personen in der Reichshauptstadt Rom nicht nur namentlich greifbar zu machen, sondern auch ihr Wirken ausführlich zu beschreiben. Der Name Sebastianus ist die griechische Übersetzung von Augustianus, also “dem Kaiser zugehörig”, was hier den Angehörigen der Leibgarde, der Prätorianer, meinen soll; eine Benennung von Staatsbeamten und Soldaten mit vergleichbaren Bezeichnungen war in der Spätantike üblich, um ihre besonders enge Beziehung zum Herrscher zusammenfassend auszudrücken. Es handelt sich also nicht notwendigerweise um einen Individualnamen und damit um eine historische Person, sondern eher um die Bezeichnung eines Zuordnungsverhältnisses im politischen Sinne: Dieses deutet darauf hin, daß der Name erfunden wurde, um einen Christen unter den engsten Vertrauten der Kaiser persönlich namhaft zu machen und damit nachzuweisen, daß die neue Religion sogar unter den hohen Offizieren Anhänger gefunden habe (zum Vergleich ist einerseits auf die sogenannte Thebaische Legion zu verweisen, die es nie gegeben hat, und andererseits nennt Lactantius, De mort. pers. 15, 1, Diokletians Gemahlin Prisca als prominenteste Christin, doch ist ihre Existenz weder durch Münzen noch Inschriften wirklich gesichert). Die tatsächliche Anhängerschaft des Christentums unter den führenden Personen des öffentlichen Lebens ist daher kaum zu greifen. In ihrem Kern geht die Passio auf eine knappe Notiz des Ambrosius von Mailand (Comm. ad Ps. 118) zurück, S. sei aus dieser Stadt gebürtig gewesen, habe sich nach Rom begeben und hier den Märtyrertod erlitten: Wichtig ist, daß in dieser Mitteilung kein Beruf genannt ist. Eine zweite Quelle ist die Depositio martyrum des Chronographen von 354, die S. kurz als Heiligen mit dem Fest am 20. Januar nennt und ihm die genannte Grabstätte außerhalb Roms zuweist. Über ihr wurde in der Mitte des 4. Jahrh. eine Kirche erbaut, die aber bezeichnenderweise anfänglich Basilica Apostolorum genannt wurde: Daß das Patrozinium erst im 9. Jahrh. auf S. umgeändert wurde, weist ebenfalls auf den sekundären Charakter des Kultes eines Märtyrers mit diesem Namen hin. In der heutigen Kirche S. Sebastiano befindet sich eine Confessio für S. auf dem Platz seiner angeblichen Bestattung. Der Kult eines Heiligen mit diesem Namen verbreitete sich weitläufig in der gesamten lateinischen Kirche erst nach der Kompilation der Passio in dem bei der Kirche von Papst Sixtus III. (432–440) erbauten Kloster. In diesen Zusammenhang gehören auch die verschiedenen Translationsgeschichten der angeblichen Gebeine des S. bzw. ihrer Teile. In der katholischen Kirche wird der früher sehr populäre S. als einer der Schutzheiligen gegen Seuchen (eine Epidemie in Rom soll im Jahre 680 nach einer Prozession mit seinen Reliquien abgeflaut sein) und als Patron der Schützen sowie anderer Berufe am genannten Tage verehrt. Darüberhinaus wird er als dritter Patron der Stadt Rom gefeiert. Die Beliebtheit seines Kultes äußert sich vor allem in den vielen bildlichen Darstellungen: Sie zeigen ihn seit frühchristlicher Zeit meist als bärtigen Mann mit Gewand (in einem aus dem 7. Jahrh. stammenden Mosaik aus Konstantinopel in der römischen Kirche S. Pietro in Vincoli sogar in spätrömischer Offizierstracht). Seit dem Mittelalter aber wurde S. als nackter Jüngling meist bei seinem ersten Martyrium oder mit seinem typischen Attribut eines oder mehrerer Pfeile, vielfach im Bildtyp der “Sacra Conversazione” mit der Madonna mit Kind und anderen Heiligen zusammen, dargestellt.

Hubertus

1.Beschreibung

Hubert (Althochdeutsch: »Gedanke« und »glänzend«), geboren um 655,. wirkte als Glaubensbote in Südbrabant und in den Ardennen. Nach der Ermordung des Bischofs Lambert um 705 wurde Hubert Bischof von Maastricht. Um 715 übertrug Hubert die Gebeine Lamberts von Maastricht nach Lüttich, wohin er den Bischofssitz verlegt hatte. Hubert starb am 30. Mai 727 zu Tervueren bei Brüssel. Seine Gebeine wurden am 3. November 743 erhoben und 825 in das Ardennen-Kloster Andagium übertragen, das fortan nach ihm St.-Hubert genannt wurde. Seit den Hugenotteneinfällen 1568 ist der Verbleib der Reliquien in Dunkel gehüllt.
Hubert wird dargestellt in Jägerkleidung oder bischöflichen Gewändern mit Hirsch, zwischen dessen Gewih ein Kreuz ist, mit Hund, Schlüssel, Jagdhorn, Buch.

Hubert ist Patron des Bistums Lüttich, der Ardennen; der Jäger, Schützen, Gießer, Metallarbeiter, Drechsler, Metzger, Optiker, Fabrikanten mathematischer Geräte, Mathematiker, Schellenmacher
Hubert wird angerufen für Jagdhunde (Hubertus-Schlüssel); gegen Tollwut der Hunde (mal de St.-Hubert), Hundebiß (Hubertus-Brot), Schlangenbiss, Wasserscheu

Verehrung nach dem deutschen Regionalkalender
Besonders verehrt in: Aachen, Lüttich, Luxemburg

Quelle: Dr. Hans-Joachim Kracht

2.Beschreibung

Hubert(us) (althochdeutsch: „der durch Verstand Glänzende“)

Hubertus wurde um 655 geboren, wirkte als christlicher Glaubensbote in Südbrabant und in den Ardennen. Dort lebte er zunächst als Einsiedler und ernährte sich von der Jagd. Er ließ sich zum Priester weihen und wurde um 705 Bischof von Maastricht. Um 715 übertrug Hubert die Gebeine seines Vorgängers Lambert von Maastricht nach Lüttich, wohin er auch den Bischofssitz verlegt hatte. Hubertus starb am 30. Mai 727 zu Tervueren bei Brüssel. Seine Gebeine wurden am 3. November 743 gehoben und 825 in das Ardennen-Kloster Andagium übertragen, das fortan nach ihm St.-Hubertus genannt wurde. Seit den Hugenotteneinfällen 1568 ist der Verbleib der Reliquien in Dunkel gehüllt.
In die Vita des Heiligen Hubertus ist die Legende von der Vision des Heiligen Eustachius eingeflossen. Er wird dargestellt in Jägerkleidung oder bischöflichen Gewändern mit (weißem) Hirsch, zwischen dessen Geweih ein leuchtendes Kreuz erscheint, mit Hund, Schlüssel, Jagdhorn, Buch. Er ist Patron des Bistums Lüttich, der Ardennen; der Jäger, Schützen, Gießer, Metallarbeiter, Drechsler, Metzger, Optiker, Fabrikanten mathematischer Geräte, Mathematiker, Schellenmacher.

In der Zeit um den Gedenktag finden traditionell die nach Hubertus benannten Jagden und Messen statt. In manchen Gegenden wird er zu den 14 Nothelfern gezählt.

Quelle: Deutscher Schützenbund

Euchtachius

 

 

 

1.Bericht

Eustachius (Griechisch: »Der Ährenreiche«), war nach der romanhaften Legende ein römischer Heerführer, dem auf der Jagd ein Hirsch mit einem Kreuz zwischen dem Geweih erschien. Er bekehrte sich darauf mit seiner ganzen Familie, mit der er such unter Kaiser Hadrian den Martertod erlitt. — Eustachius ist vielleicht personengleich mit Eustathius, Patriarch von Antiochien, der um 340 gestorben ist. — Die Hirschlegende ist eine Wandererzählung, die aus Indien über Mesopotamien in das Abendland kam und im Leben mehrerer Heiliger berichtet wird. — Eustachius wird zu den Vierzehn Nothelfer gezählt.
Eustachius wird dargestellt in Jägerkleidung mit einem Hirsch, zwischen dessen Geweih ein Kruzifix erscheint, mit glühendem Ofen, mit wilden Tieren.

Eustachius ist Patron der Förster, Jäger, Tuchhändler, Krämer, Klempner; bei traurigen Familienschicksalen. 
Eustachius wird angerufen gegen schädliche Insekten.

Quelle: Dr. Hans-Joachim Kracht

 
 

 

 

2.Bericht

Eustachius (griechisch „der Standfeste“)
Die Legende berichtet von Eustachius, der vor seiner Bekehrung Placidus hieß, dass er unter Kaiser Trajan als römischer Offizier Jäger und Heermeister einer Legion in Kleinasien war. Eines Tages erschien ihm bei der Jagd ein Hirsch, der zwischen seinen Geweihstangen ein Kreuz trug. Placidus stürzte vom Pferd und hörte die Worte: „Warum jagst du mich? Glaube an mich, ich bin Christus, ich habe lange nach dir gejagt, gehe zum Bischof der Christen und laß dich taufen.” Er ließ sich mit seiner Frau und seinen Söhnen taufen und erhielt den Namen Eustachius. Er verarmte später und wanderte nach Ägypten. Dort wurde er von seiner Familie gewaltsam getrennt, fand sie aber später unerwartet wieder. Er weigerte sich während der Christenverfolgungen durch Kaiser Hadrian heidnischen Göttern zu opfern und starb den Märtyrertod. Nachdem man ihn in Rom im Amphitheater vergebens den Löwen vorgeworfen hatte, wurde er im Inneren eines bronzenen Stiers bei lebendigem Leibe verbrannt.

Auf Darstellungen findet man Eustachius als Jäger mit Spieß und Jagdhorn und einem Hirsch mit einem leuchtenden Kruzifixus im Geweih. Auf seinen Märtyrertod verweist ein glühender Ofen, der ihm manchmal beigegeben ist. Auch wilde Tiere können sein Kennzeichen sein. Eustachius, dessen Verehrung sich bei uns oft mit dem des heiligen Hubertus vermengte, ist der Schutzheilige der Jäger und der Schutzpatron von Paris und Madrid. Als einer der vierzehn Nothelfer wird er in allen schwierigen Lebenslagen angerufen.

Quelle: Deutscher Schützenbund

Schützenvogel

Wenn man über Sinn und Zweck eines zum Teil sechseckigen Stückes Holz nachdenken will, das ausgestattet ist mit stilisierten Flügeln, Schweif und Kopf, auf einer Schießstange (Schießrute i befestigt und dann auch noch mit Hilfe eines Gewehrs regelrecht zerkleinert wird, sind Kenntnisse über die Geschichte der Schützenbruderschaften und des Vogelschießens erforderlich.
Die frühen christlichen Bruderschaften sahen es als ihre Verpflichtung an, Schutz zu gewähren, daher auch der Name Schützenbruderschaft. Es galt, Schwache und Kranke zu schützen, sowie Gemeinden und Städten Schutz vor Angriffen von außen zu geben. In den Statuten der frühen Bruderschaften ist die Bindung an die katholische Kirche und deren Schutz eine der vorrangigen Aufgaben. Heute ist der konfessionsübergreifende christliche Gedanke Stützpfeiler der Bruderschaften. Die Bereitschaft, für ihren Glauben einzustehen, demonstrieren die Schützenbrüder noch heute in der Fronleichnamsprozession, bei der sie symbolisch das Allerheiligste begleiten und beschützen.
Der Englische Langbogen, dessen Pfeile eine Rüstung noch auf 400 Schritt durchschlugen und die Armbrust, deren Gebrauch wesentlich einfacher war, versetzten die Bürger der Gemeinden und Städte in die Lage, ausgebildeten Rittern und Soldaten entgegenzutreten und ihr Heim vor Raub und Plünderung zu schützen.



Der Gebrauch von Bogen und Armbrust erforderte allerdings immer noch viel Übung. Als Motivation, regelmäßig zu üben, wurde einmal im Jahr der beste Schütze ermittelt. Es wurde auf einen hölzernen Vogel, den “Königsvogel” geschossen. Die Tradition, auf einen Vogel zu schießen, der auf einer Stange befestigt wird, lässt sich bis zur Griechischen Antike zurückverfolgen. Die Schützenbruderschaften und Schützengilden Können ihren Königsschuss, belegt durch alte Statuten und Schützenregeln, bis ins frühe Mittelalter zurückverfolgen. Ein Papagei war es, der mit gekonnter Hand aus Holz getrieben war und zum Abschuss auf einer Stange (Schießrute) befestigt wurde. Die Vogelbauer der damaligen Zeit nahmen sich diesen Vogel als Vorlage, weil er ein wahrhaft königlicher Vogel war, denn der exotische Papagei war so wertvoll, dass ihn sich nur sehr wohlhabende Oberhäupter leisten konnten.



Im Laufe des 18. Jahrhunderts löste die Taube den Papagei als Schützenvogel langsam ab. Da aber die Taube in den Augen der Kirche ein Bote des Friedens ist, auf den nicht geschossen werden konnte, setzte sich nach und nach der Adler als Königsvogel durch.
Im Laufe der Jahrhunderte, die die Schützenbruderschaften in unserer Region bestehen, haben sie sicher auch die verschiedensten Traditionen entwickelt, um ihren König zu ermitteln. Bis in die heutige Zeit ist das Schießen auf den Königsvogel die Regel. Es gibt allerdings keinerlei Vorgaben in alten Statuten oder Schießregeln, die festlegen, wie ein Schützenvogel aus- zusehen hat. In unserer Zeit wird häufig, wie anfangs erwähnt, ein Stück Holz mit stilisierten Flügeln, Schweif und Kopf verwendet.
Da jeder Schützenzug, jede Gilde und jedes Corps seinen König ermittelt, ist es sicher sinnvoll, den Königsvogel einfach zu gestalten.
Die Tradition, den Schützenkönig durch das Schießen auf eine kunstvoll bemalte Schießscheibe zu ermitteln, ist vor allem bei den Schützenbrüdern aus dem Süden beheimatet.

 

Seine Königsvögel sind wahre Prachtexemplare

Es gibt keine bessere Werbung als eine gute Arbeit”, lautet das Motto des selbständigen Raumausstatter-Meisters Bernd Wiescholleck. Dieser Wahlspruch gilt offenbar auch für sein ehrenamtliches Engagement: Der 49-Jährige ist Schützenvogel-Bauer. Seine kunstvoll geschnitzten “Flattermänner” sollen den Königsschuss aufwerten. Rund 50 dieser Handarbeiten — vornehmlich aus Lindenholz — sind in den vergangenen zehn Jahren entstanden. 
Vor ein paar Jahren hat Bernd Wiescholleck sogar einmal probiert, den von ihm in 40-stündiger Arbeit kreierten Vogel selbst von der Stange zu holen. Was den kreativen Holzbüttgener stört: “Normalerweise ist der Königsvogel ein viereckiger Klotz mit stilisierten Flügeln, Schweif und Kopf.” Lediglich in Westfalen, so weiß der begeisterte Schütze zu berichten, werden die Vögel noch schön ausgeschnitzt. Bernd Wiescholleck greift diese Tradition gern auf — seine Königsvögel sind wahre Prachtexemplare. Die beiden Elemente Schießscheibe und Schützenvogel bringt er gekonnt zusammen: Zu aufwändigen Malereien auf der Scheibe mit rund einem Meter Durchmesser, die meistens charakteristische Merkmale des betreffenden Ortes widerspiegeln, kommt ein kunstvoll geschnitzter Adler, der stolz seine Flügel ausbreitet.

Der “Vater” so mancher Königsvögel trifft mit seiner Arbeit den Geschmack der Auftraggeber: Die Holzbüttgener Schützen schossen bereits zum zehnten Mal auf einen Königsvogel Marke Wiescholleck, ebenso die Schützen des Bezirksverbandes. Und der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Furth hat der Holzbüttgener immerhin schon zum dritten Mal ein Prachtexemplar beschert — ein Ende ist nicht abzusehen. Einmal, als Hans-Heinrich Gilges von den Kaarster St. Sebastianern Schützenkönig war, überquerte Bernd Wiescholleck auf entsprechende Bitte hin den Nordkanal, um ausnahmsweise auch für diese Bruderschaft einen stolzen, eines Königsschusses würdigen Adler, zu schnitzen. 
In jedem Vogel steckt Material für rund 150 Mark, hinzu kommen etwa 40 Arbeitsstunden. Wer jetzt meint, Bernd Wiescholleck sei mit diesem Ehrenamt voll und ganz ausgelastet, der irrt gewaltig: Von den rund 70 Orden, die in einer Vitrine einen würdigen Platz gefunden haben, sind etliche von ihm selber entworfen worden. Ein Wiescholleck-Werk ist unter anderem der Orden des Bezirksverbandes Neuss aus Anlass des 50-jährigen Bestehens. Der Hauptmann des Jäger-Fahnenzuges “Heimattreu”, der gerade den Vogel, den der letztjährige Holzbüttgener Schützenkönig Bernd Peters abgeschossen hatte, wieder zusammengeflickt hat, arbeitet mit der Firma Herrmann in Kerpen zusammen, wenn es um Orden geht. Und er fragt selbstverständlich vorab seine Auftraggeber, was auf dem dekorativen Stück alles zu sehen sein soll. 
Bernd Wiescholleck, der 1978 als 16-Jähriger in die Bruderschaft eintrat, ist auch ein Zeichen-Talent — eines, das eigentlich ein Fleißkärtchen verdient hätte: “Ich habe schon meinen ganzen Ort gezeichnet”, gibt er nicht ohne Stolz zu verstehen. Seine Heimatliebe und -verbundenheit wird die entscheidende Triebfeder für sein vielseitiges ehrenamtliches Engagement sein. Hin und wieder greift Bernd Wiescholleck auch zur Schreibmaschine — so ließ er sich im Jubiläumsbuch des Bezirksverbandes Neuss vor einem Jahr zum Thema “Der Schützenvogel” aus, machte deutlich, dass es sich hierbei um einen Brauch handelt, der bis ins frühe Mittelalter zurück zu verfolgen sei: Zunächst — so ist da zu lesen — wurde auf einen Papagei, dann auf eine Taube und schließlich auf einen Adler geschossen. 
Im vorigen Jahr hat der rührige Heimatfreund außerdem ein 42 Seiten starkes Heft zum Thema “Holzbüttger Haus” herausgegeben. Ehrenurkunden auf Leder, die Gestaltung der Schützenzelt-Rückwand mit Kirche und Bischofshof als die prägenden Motive sowie das alljährliche Schützenfestplakat gehen ebenfalls auf sein Konto. Darüber hinaus hat sich Bernd Wiescholleck eine kleine Fotosammlung zugelegt: Hier stellt er das Holzbüttgen von einst dem Ort gegenüber, wie er sich heute präsentiert. Nein, das Schützenvögel-Bauen wird trotz all dieser Aktivitäten garantiert nicht vernachlässigt. Dieses Jahr gibt es allerdings nicht mehr viel zu tun — lediglich der zugeigene Vogel muss noch kreiert werden, ein vergleichsweise kleines Tier ohne Schnitzereien.

barni Neuß Grevenbroicher Zeitung

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