Nordkanal

Der Bau des Nordkanals

Heute ist nur noch eine Abwasserkloake, was vor 180 Jahren mit gewaltigem
Aufwand begonnen worden war: das Projekt einer Wasserstraße zwischen dem
Rhein bei Neuss und der Maas bei Venlo. Trotzdem ist der “Grand Canal du
Nord” das einzig sichtbare Überbleibsel der zwanzig Jahre französischer Herrschaft
in der heutigen Stadt Kaarst und damit, trotz seines traurigen Zustandes,

den Gemeinden Büttgen und Kaarst und diente zugleich als Leitlinie für die
1877 eröffnete Bahnstrecke Neuss-Viersen und die neben ihm erbaute
Chaussee Neuss-Mönchengladbach (B 7). Noch heute ist seine die Stadtteile
von Kaarst trennende Wirkung nicht völlig verschwunden, wenn auch die
Autobahn A 52 seit 1969 den größten Teil des überörtlichen Verkehrs auf sich
gezogen hat.

Der Bau des Nordkanals wurde 1806 von Napoleon angeordnet. Er sollte den
Schiffsverkehr von den holländischen Rheinhäfen nach Antwerpen leiten. Der
Plan des Kanals entsprang politischen Erwägungen: Napoleon hatte über Eng-
land, das er durch kriegerische Mittel nicht bezwingen konnte, die Festland-
sperre verhängt; kein europäisches Land durfte Handel mit der Insel betreiben,
damit auf diese Weise die englische Wirtschaft zum Erliegen gebracht würde.
Doch Holland hielt sich nicht an das Gebot des Kaisers, da es andernfalls selbst
in seinem Handel schwer getroffen worden wäre. Der Bau des Nordkanals, mit
sehr viel Aufwand und Anstrengungen während dreier Jahre betrieben, war als
wirtschaftliche Sanktion gegenüber den Niederlanden gedacht, verlor also
seinen Sinn, als 1810 diese dem französischen Imperium einverleibt wurden.
Der Kanalbau, der bereits von Neuss über Kaarst und Schielbahn bis Neersen
gediehen war, wurde eingestellt, und die fertigen Teile verfielen.

Der Kanal war mit einer Wassertiefe von 2,60 Metern für Lastkähne von 200-
400 Tonnen Ladegewicht berechnet, die von Pferden gezogen (“getreidelt”)
wurden. Die Treidelpfade auf den 6 Meter breiten beiderseitigen Dämmen
lagen 1,40 Meter über dem Wasserspiegel; Zugbrücken sollten den Quer-
verkehr überführen. An den Außenseiten der Dämme waren Begleitgräben
vorgesehen, die zur Sicherung des Kanals und zur Entwässerung der
Umgebung dienen sollten. Dadurch erhielt die Gesamtanlage eine Breite von
60 Metern. Eisenbahn und Chaussee haben von diesem imposanten Bauwerk
nicht mehr viel übriggelassen.

Der 1810 bis Neersen fertiggestellte Nordkanal wurde unter preußischer Herrschaft
zwar nicht weitergebaut, aber doch genutzt. Dem Schifffahrtsunternehmer Georg
Stinnes erschien er geeignet, Steinkohlen von der Ruhr ins links-
rheinische Hinterland zu transportieren. Deshalb pachtete er ihn in den zwanziger
Jahren, und auf vier Schiffen wurden nun täglich einige hundert Zentner
Kohlen auf ihm verfrachtet. An mehreren Stellen, so auch in Kaarst, ließ Stinnes
Umladeplätze einrichten, von denen aus Pferdekarren die Kohlen weiter-
beförderten. Auf diese Weise wurden allmählich die knappen Brennstoffe Holz
und Torf durch preiswerte “schwarze Diamanten” ersetzt.

In den vierziger Jahren verkehrte auf dem Nordkanal eine “Eil-Yacht” mit
Personenbeförderung zweimal täglich zwischen Neuss und Neersen. Zu Beginn
unseres Jahrhunderts lebten in Kaarst noch Männer, die auf den Treidelpfaden
die Pferde geführt hatten. Das Aufkommen der Eisenbahnen um die Mitte des
19. Jahrhunderts bereitete der Kanalschifffahrt rasch ein Ende.

Der Nordkanal wirkte übrigens wie ein gewaltiger Entwässerungsgraben; er
legte das “Große Bruch” weitgehend trocken. Deshalb musste schon 1812 der
Kaarster Gemeinderat den Fischerei-Pachtvertrag von Balthasar Tillmann
auflösen, weil es nichts mehr zu fischen gab. Auch die doch ziemlich weit entfernten
Gräben um Haus Vogelsang fielen trocken.

Aus dem Buch “Geschichte der Stadt Kaarst”

Fritz Wüllfing — Der Nordkanal

Der Nordkanal und seine Geschichte“
Um das Jahr 1800 hatte der Franzosenkaiser Napoleon neben vielen anderen Ländern
auch das linke Rheinufer unter seine Herrschaft gebracht. Das Inselreich England hätte
er gerne erobert. Die Engländer hatten eine starke Kriegsflotte, so dass Napoleon mit
seinen Soldaten in England nicht landen konnte. Die Engländer waren damals ein
bedeutendes Handelsvolk. Die englische Handelsschiffe brachten Waren aller Art in alle
Länder. Da Napoleon die Engländer nicht mit den Waffen besiegen konnte, wollte er
ihnen wenigstens wirtschaftlichen Schaden zufügen. Allen Ländern, die zu seinem großen
Reiche gehörten, gab er den Befehl, keine Waren von den Engländern zu kaufen:
Kontinentalsperre -. Zum König von Holland hatte Napoleon seinen Bruder Josef
eingesetzt. Die Holländer störten sich nicht an dem Befehl Napoleons, weil sie von
England die Waren billiger kaufen konnten, durch die Missachtung seines Verbotes war
Napoleon erbost. Er fasste den Entschluss, Holland vom Handel auf dem Rhein
auszuschließen. An der holländischen Grenze sollte für die Rheinschifffahrt das Ende
sein. Da musste Napoleon unter Umgehung Hollands einen neuen Wasserweg für die
Schiffe bauen, die vom Rhein bis ans Meer fahren wollten. Napoleon besuchte selbst die
Rheingegend. Er bestimmte i. J. 1808, dass ein Kanal gebaut werden sollte. In Neuss-
Grimmlinghausen sollte er an der Erftmündung seinen Anfang nehmen, zwischen
Holzbüttgen und Kaarst, an Schiefbahn, Neersen, an der holländischen Grenze vorbei
durch Belgien bis zur Nordsee gebaut werden.

Im Jahre 1809 wurde mit den Arbeiten begonnen. Zum Ausschachten verpflichtete man
die Bewohner der an- und umliegenden Dörfer und Städte. Jeder männliche Einwohner
musste 3 Tage in der Woche unentgeltlich zur Arbeit antreten. Die Bauern mussten
Pferde und Karren stellen und den Aushub fortschaffen. Frauen und junge Mädchen
wurden ebenfalls zur Arbeit eingesetzt. Wehe dem Bauer und wehe dem Dorfe, wenn
es in seinen Pflichten nachlässig war! Murren gab es im Stillen genug. Eine
Widersetzlichkeit gegen den Befehl des Kaisers Napoleon hätte böse Folgen gehabt.
Schon im nächsten Jahre 1810 erließ Napoleon die Verfügung, die Kanalarbeiten
einzustellen. Er hatte Holland seinem Reiche einverleibt und seinen Bruder Josef als
König abgesetzt.
Nun hatte es keinen Zweck mehr, die Rheinschifffahrt von Holland
abzulenken. Viele Arbeiten waren umsonst getan und tausende Schweißtropfen
vergeblich geflossen.
Im Laufe der nächsten Jahre rutschten die Uferböschungen ab. Das gegrabenen
Kanalbett wurde immer flacher und versandete.

Napoleons Herrschaft war zu Ende. Unsere Heimat kam zu Preußen. Durch die vielen
Kriege war Armut im Lande. Für die Fertigstellung des Kanals hatte man kein Geld. Im
Jahre 1823 veranlasste der Provinzial-Landtag, das erste Stück vom Rhein bis ungefähr
Neersen schiffbar zu machen. Täglich wurde der Kanal von vier langen, flachen Kähnen
befahren. Der Industrielle Stinnes aus dem Ruhrgebiet hatte den Kanal eine Zeitlang
gepachtet, um das ganze Hinterland des Kanals mit Kohle zu versorgen. Die Kähne
brachten die ersten Kohlen in unser Gebiet. Bisher hatte man in unserer Heimat nur
Holz und Torf verheizt. Den Torf stach man in den Sumpfgebieten um Neersen,
Schiefbahn und dem Büttgener Bruch. Die Kähne auf dem Kanal wurden von einem
Pferd gezogen. Am Uferrand war ein schmaler Pfad für das Pferd, Treidelpfad genannt.
Von allen Seiten kamen jetzt die Fuhrwerke, um an bestimmten Kohlenlagern des
Nordkanals Kohlen abzuholen. Die leeren Kähne wurden für die Rückfahrt mit Torf
beladen, den man in den hiesigen Sumpfgebieten gestochen hatte. Man hoffte, den Torf
in den Städten des Niederrheins auf diese Weise abzusetzen. Um das Jahr 1850
verkehrte auch zweimal täglich zwischen Neersen und Neuss ein Personenschiff. Damit
die Fahrt schneller ging, wurde es von zwei Pferden gezogen. Dieses Schiff führte den
stolzen Namen “Eiljacht”.

Um das Jahr 1853 kamen die ersten Eisenbahnen in unser Gebiet (Düsseldorf-Neuss-
Mönchengladbach-Aachen) Die Eisenbahn beförderte Güter und Personen schneller und
bequemer. Der Nordkanal blieb unbenutzt liegen und versandete allmählich immer
mehr, von Wasserpflanzen, Schilf und Algen überwuchert.

Der Nordkanal dient heute der Entwässerung der Bruchlandschaften von Schiefbahn,
Kleinenbroich und Büttgen. Wassergräben durchziehen die Brüche, die das Wasser in den
Nordkanal leiten. Durch diese Trockenlegung des Bruches wurden Wiesen- und
Ackerland gewonnen. Im Büttgener Wald liegt das Klärwerk. Das geklärte Wasser wird
in den Nordkanal geleitet. Öfter muss der Nordkanal von Wasserpflanzen gereinigt und
in größeren Zeitabständen ausgebaggert werden. Der Nordkanal durchfließt Wohngebiete
der Stadt Neuss. Mit Recht wehren sich die Bewohner, wenn
Geruchsbelästigungen auftreten. Die anliegenden Gemeinden haben einen
Nordkanalverband gegründet, der für die Instand- und Sauberhaltung des Kanals sorgt.
Manche Holzbüttgener und Vorster werden sich erinnern, dass sie vor 30 — 50 Jahren als
Jungen im Nordkanal an bestimmten Stellen gebadet und dort das Schwimmen gelernt
haben.

Fritz Wüllfing

Ehrenmal

Geschichte des Holzbüttger Ehrenmals

 

Nach Beendigung des ersten Weltkrieges entstand der Wunsch, für die Gefallenen dieses Krieges ein Ehrenmal zu errichten. An der Ecke Kreuzstraße/Königstraße stand auf dem Grundstück des Landwirtes Engelbert Schroers das so genannte Dorfkreuz. Dieses Kreuz mit der dazugehörigen Grundfläche stellten die Eheleute Schroers bereit, um dort ein Ehrenmal für die gefallenen Holzbüttger zu errichten. Am Fuß des Kreuzes wurde eine Tafel angebracht, auf der die Namen der Gefallenen eingemeißelt waren. Die Gedenkstätte wurde mit einem kleinen Eisengitter eingefasst.
Zur damaligen Zeit gab es in Holzbüttgen keinen eigenen Friedhof, deshalb entstand auch eine besondere Beziehung zu dieser Ehrenstätte. Es kam häufig vor. dass dort von Privatpersonen Kränze niedergelegt wurden.

1956 rammte ein Pferdegespann beim Abbiegen unser Ehrenmal, bei dieser Kollision wurden Kreuz und Gitter stark beschädigt.
Die St. Sebastianus-Bruderschaft Holzbüttgen übernahm mit Unterstützung
der Holzbüttger Bevölkerung die Aufgabe. das. Ehrenmal neu zu gestalten und in Stand zu setzen Kurz nach der Fertigstellung der ersten Holzbüttger Kirche hatten
übereifrige Mitbürger die Ehrentafel am Ehrenkreuz abgenommen
und wollten sie an der Kirche anbringen, um dort eine neue Gedenkstätte zu errichten. Dies Jedoch stieß auf starken Widerstand der Holzbüttger Bevölkerung, insbesondere der Schützen.

 

 

Eingebunden ist die Ehrentafel für die Toten des Ersten Weltkrieges
Es waren Mitglieder der Bruderschaft, die die Ehrentafel wieder an ihren ursprünglichen Ort brachten und nach einer Überarbeitung links neben dem Kreuz montierten.
Bei der Instandsetzung 1956/57 machten sich der Jägerzug Mer dörve und der Zug Alt-Hubertus besonders verdient. Anlässlich ihres 25 jährigen Bestehens stiftete der Zug Alt-Hubertus im Jahre 1980 eine Ehrentafel für die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges.

 

 

Ganz besonders erwähnen möchte ich an dieser Stelle, dass sich Jakob Schmitz, Alt-Hubertus, in besonderer Weise um die Pflege des Ehrenmals verdient gemacht hat.
In den letzten Jahren zeigte sich immer deutlicher, dass eine Renovierung der Gedenkstätte notwendig wurde. Seit dem letzten Jahr erstrahlt die Gedenkstätte, die sich im Besitz der Stadt Kaarst befindet, dank der Eigeninitiative einiger Holzbüttger Schützen in neuem Glanz.
Die Arbeiten wurden ehrenamtlich von den Schützenbrüdern Christian Endler, Henning Endler, Heino Kemmerlmg. Georg Gaspers, Josef Rütten, Jürgen Kopp, Dieter Meiritz und Heinz Vogts durchgeführt.
Ihnen gebührt unser herzlicher Dank.

 

 

Jedes Jahr zum Schützenfest marschieren die
Schützen gemeinsam zum Ehrenmal, um dort
ihrer verstorbenen Kameraden zu gedenken und
Kränze niederzulegen.

 

Schützen renovieren Holzbüttgener Ehrenmal 2007

Nach Beendigung des ersten Weltkrieges entstand der Wunsch, für die Gefallenen dieses Krieges ein Ehrenmal zu errichten. An der Ecke Kreuzstraße/Königstraße stand auf dem Grundstück des Landwirtes Engelbert Schroers das so genannte Dorfkreuz. Dieses Kreuz mit der dazugehörigen Grundfläche stellten die Eheleute Schroers zur Verfügung, um dort ein Ehrenmal für die gefallenen Holzbüttgener zu errichten. Am Fuß des Kreuzes wurde eine Tafel mit den Namen der Gefallenen angebracht. Die Gedenkstätte wurde mit einem kleinen Eisengitter eingefasst. Da es zur damaligen Zeit in Holzbüttgen keinen eigenen Friedhof gab, entstand eine besondere Beziehung zu dieser Ehrenstätte. So kam es häufig vor, dass Privatpersonen dort Kränze niederlegten.

1956 rammte ein Pferdegespann beim Abbiegen das Ehrenmal. Bei dieser Kollision wurden das Kreuz und das Gitter stark beschädigt. Mit Unterstützung der Holzbüttgener Bevölkerung setzte die Sankt Sebastianus-Schützenbruderschaft Holzbüttgen das Ehrenmal wieder in Stand und gestaltete es neu. Anlässlich ihres 25 jährigen Bestehens stiftete der Hubertuszug „Alt-Hubertus“ 1980 eine Ehrentafel für die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges.

1996 wurde das Ehrenmal von Holzbüttgener Schützen erneut einer erforderlichen Renovierung unterzogen. Die laufende Pflege des Ehrenmals wird schon seit vielen Jahren von Georg Gaspers übernommen.

Mit Matthias Kluth und Heinz Vogts waren es wieder Schützen, die die Idee hatten, am Ehrenmal auch eine Tafel mit den Namen der im Zweiten Weltkrieg gefallenen Holzbüttgener Soldaten anzubringen. Mit erheblichem Aufwand ist es den beiden Schützenbrüdern gelungen, alle Namen zusammen zu bekommen. Es stellte sich die Frage: „Soll die Tafel nun am unrenovierten Ehrenmal aufgehängt werden?“ – „Selbstverständlich nicht!“ Folglich haben Matthias Kluth und Heinz Vogts zusammen mit Georg Gaspers, Christoph Gaspers, Jürgen Kopp und weiteren Helfern in vielen, vielen Stunden ehrenamtlicher Arbeit nach 1956/57 und 1996 eine erneute umfassende Renovierung des Ehrenmals vorgenommen. Vielen Dank an alle, die mitgewirkt haben! Danke auch allen Spendern, die durch ihre Spende zur Finanzierung der Maßnahme beigetragen haben oder noch beitragen werden.
Zum Schützenfest erstrahlt das Ehrenmal nun in neuem Glanz und wurde am Schützenfestsamstag um 17.00 Uhr feierlich eingeweiht . Hierzu wurde eigens der sonst übliche Programmablauf geändert und die in den anderen Jahren am Schützenfest-Sonntagmorgen traditionell stattfindende Totenehrung und Kranzniederlegung auf Schützenfestsamstag vorgezogen.

Holzbüttger Haus

- Aus dem Buch “Geschichte der Stadt Kaarst”

- Archiv der Stadt Kaarst

- Bernd Wiescholleck Das “Holzbüttger Haus ”

- Fritz Wülfing


Aus dem Buch “Geschichte der Stadt Kaarst”

 

Das Holzbüttger Haus

Als zu Anfang des Jahres 1985 der Bodenaushub für den neuen städtischen Bauhof in Holzbüttgen (zwischen Gymasium und Kläranlage) begann, stießen die Arbeiter auf alte Ziegelmauerreste, und H.-W. Gerresheim veranlasste eine archäologische Grabung. Das Gelände war historisch “verdächtig”, denn hier hatte das 1960 abgerissene Holzbüttger Haus gestanden, eine zwar aufwendig gestaltete, zuletzt jedoch arg heruntergekommene Hofanlage des 18. Jahrhunderts, die seinerzeit der Äbtissin des Neusser Quirinusstifts als Sommersitz gedient hatte.

Dass diese Anlage Vorgänger gehabt hatte, war urkundlich gesichert. Seit 1345 sind die Ritter von Holzbüttgen als kurkölnische Lehnsleute urkundlich nachweisbar, und der Besitz sicherte Sitz und Stimme auf dem kurkölnischen Landtag. Johann von Holzbüttgen (gestorben vor 1379) war erzbischöflicher Amtmann in Oedt und Kempen. Durch seine Tochter Adelheid kam das Holzbüttger Haus an die Vögte von Neersen, die es der Neusser Äbtissin 1419 verendeten und 1485 verkauften. Diese ließ das Haus, zu dem 1670 fast 200 Morgen Ackerland gehörten, in der Folge von Pächtern bewirtschaften.

 

 

Fundamente des Holzbüttger Hauses 1985

Im Truchsessischen Krieg wurde 1584 das mittelalterliche Burghaus zerstört — seine Fundamente kamen 400 Jahre später wieder zum Vorschein. Eine rasche Umplanung des Bauhofs ermöglichte eine Freihaltung des Areals und eine Grabung des Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege, bei der eine Anlage des 14. Jahrhunderts mit Haupt- und Vorburg, Graben und Zugbrücke ans Tageslicht trat. Für unsere Kenntnis des spätmittelalterlichen Burgenbaus wichtig war die Entdeckung, dass das Holzbüttger Haus auf Holzpfahlrosten gegründet war, auf denen die Fundamente in Ziegelbauweise errichtet wurden, ein frühes Zeugnis für diese Technik.

Einen vagen Eindruck vom Aussehen dieser Burg vermittelt ein Stich von Franz Hogenberg aus dem Jahre 1586:

 

Das Holzbüttger Haus (18. Jahrhundert), vor dem Abriss 1960

Grundriss des Holzbüttger Hauses (“Burg”, rechts) und Vorburg (Bildmitte oben, schraffiert) so wie des neuen Bauhofes der Stadt Kaarst.

Auszug aus einer alten Landkarte

zum vergrößern bitte anklicken  

 

Archiv der Stadt Kaarst

 

Die Errichtung des „Holzbüttger Hauses“ ist nicht eindeutig belegt, lässt sich aber zumindest auf die Anfänge des 14. Jahrhunderts zurückführen. Im Jahr 1334 erfährt die als „Holzbüttger Haus“ bezeichnete Burg erstmalig urkundlich Erwähnung unter seinem damaligen Besitzer Johann von Holzbüttgen.

Die Anlage wurde als eine Wasserburg erbaut, die sich in Vorburg und Hauptburg aufteilte. Ein Wassergraben in einer Breite von bis zu 15 m umschloss das Gesamtareal, während Vor- und Hauptburg durch einen inneren Graben getrennt wurden. Auch dieser zweite Wassergraben war von gleicher Breite und bot über eine Zugbrücke eine Verbindung zwischen den beiden Burgteilen.

Da als Standort der Burg ein Moorgelände ausgewählt wurde, war es notwendig, die Fundamente auf Holzpfahlrosten zu gründen. Bemerkenswert ist, dass die Wasserburg in einer Ziegelbauweise errichtet wurde, was für die damalige Zeit noch recht selten war.

In den weiteren Jahren herrschten die Ritter von Holzbüttgen von diesem sicheren Ort aus, der Schutz in kriegerischer Zeit bot. Sie ließen den umliegenden Wald roden, um ihre Verteidigungs¬position gegenüber Angreifern zu verbessern und um Ackerflächen zu gewinnen.

 

 

Durch Erbschaft und Heirat wechselte der Besitz zu derer von Neersen. Doch die wirtschaftliche Lage zwang zur wiederholten Verpfändung der Burganlage mit seinen ausgedehnten Ländereien, Waldungen sowie vier kleinen Höfen an das Quirinusstift zu Neuss.

Im Jahre 1464 ging dann das Eigentum endgültig in kirchliche Hand über. Die neuen Herrinnen, die Äbtissinnen des St. Quirinus Ordens, nutzten lediglich die Hauptburg einige Monate im Jahr, während der Rest von Pächtern bewirtschaftet wurde.
In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts nahmen die aufkeimenden konfessionellen Auseinandersetzungen kriegerische Züge an. Als der Kölner Erzbischof und Kurfürst Gebhardt von Truchsess von Waldburg zum Protestantismus konvertierte, wurde daraufhin Ernst von Bayern zu dessen Nachfolger auf dem Bischofsstuhl gewählt. Dieser Konflikt führte zu erbitterten Kampfhandlungen, die insbesondere im Neusser Umland ausgetragen wurden. Im Jahre 1584 griffen Truchsessische Truppen die Holzbüttger Burg an, in der sich die erzbischöflichen Truppen Ernst von Bayerns verschanzt hatten. Am Ende konnten die starken Mauern dem Kanonenbeschuss nicht standhalten, so dass die Angreifer die Burg einnehmen, plündern und bis auf die Grundmauern niederbrennen konnten. Ähnlich der Zerstörung des Holzbüttger Hauses erging es in der Folgezeit zahlreichen anderen Burgen im Umkreis.

Als 1588 der Truchsessische Krieg mit dem Sieg der katholischen Partei endete, waren die Holzbüttger Ländereien in starke Mitleidenschaft gezogen worden. Die Bewirtschaftung begann danach sehr zögerlich, bis 1618 der dreißigjährige Krieg ausbrach und nach und nach wieder alle Bemühungen zunichte machte.

Erst um das Jahr 1660 wurden die Ländereien durch das Quirinus-Stift erneut verpachtet.

Im Jahre 1790 kam es dann zum Abriss der verbliebenen Vorburg. Die letzte Äbtissin des Stiftes, Felicitas Auguste Baroness von Wallbott, ließ in einer Bauzeit von einem Jahr das Holzbüttger Haus als Rittergut neu errichten. Das Wappen der Äbtissin prangte über dem Haupteingang des Gutshauses (heute an gleicher Stätte, am Kaarster Bauhof zu sehen).

 

 

Vier Jahre später führte die Besetzung des Rheinlandes durch französische Revolutionstruppen zur Säkularisierung, d.h. zur Verstaatlichung der kirchlichen Besitztümer. Der damalige Pächter Johan Josephs musste von nun an seine Pacht an den französischen Staat abführen. In der Folgezeit wurde Josephs zum ersten Bürgermeister der Gemeinde Büttgen bestellt, die zu diesem Zeitpunkt 1240 Einwohner umfasst hatte. Schließlich, im Jahre 1802, verkauften die Franzosen an ihn das Rittergut Holzbüttger Haus.

Einige Jahre später endete die Besatzungszeit und die politischen Verhältnisse änderten sich. Neue Verwaltungsordnungen zogen ein, die sich auch auf die Bestellung der Abgeordneten des Kreistages niederschlugen. Von 1827 an waren die Vertreter der neun, im Kreis Neuss liegenden Rittergüter geborene Mitglieder der Kreisverwaltung. Dies unterstreicht einmal mehr den Stellenwert des Holzbüttger Hauses in der damaligen Zeit.

Doch nach wiederholter Vererbung stand der Besitz ein drittes Mal zum Verkauf an. Im Jahre 1895 wurde der Bauunternehmer Bernhard Hoeveler neuer Eigentümer des Holzbüttger Haus. Weder er noch seine Nachkommen bewirtschafteten das Gut in Eigenregie, sondern verpachteten es über fast sechs Jahrzehnte hinweg an ansässige Landwirte.

In der Mitte der 50ziger Jahre des letzten Jahrhunderts erfolgt der vierte Verkauf, an die Stadt Düsseldorf. Die Stadt erhoffte sich davon, auf den erworbenen Ländereien eine Wohnsiedlung für Düsseldorfer Bürger zu errichten. Doch dieses Ansinnen scheiterte an der kommunalen Politik, wodurch weiterhin landwirtschaftliche Pächter die Bewirtschaftung vornahmen.

 

 

Das Herrenhaus und einige Wirtschaftsgebäude waren im Laufe der Jahre so marode und baufällig geworden, dass man sich zum vollständigen Abriss im Jahre 1965 entschloss. Vorher baute die Stadt Düsseldorf an anderer Stelle einen neuen Hof für die Ländereien.

Das verbleibende Areal des Holzbüttger Hauses wurde im Jahr 1976 zum fünften mal verkauft, nun an die Stadt Kaarst. Die neuen Besitzer wollten auf dem Gelände ein
neues Schulzentrum und einen Bauhof errichten.
Und hier schließt sich der Kreis: Beim Bodenaushub für den neuen Bauhof stießen Arbeiter auf die Fundamente der längst verschollen geglaubten Burganlage. In den Jahren 1984 bis 1986 erfolgten daraufhin die Ausgrabungen durch das Rheinische Amt für Bodendenkmalpflege. Dabei wurden die Fundamente der mittelalterlichen Vor- und Hauptburg freigelegt und es wurde auch der die Anlage teilende Wassergraben mit den Resten der Zugbrücke gefunden. Um die historische Stätte vor der Witterung und Zerstörung zu schützen, wurden die Fundamente mit Sand verfüllt und die Grundmauer mit einer schützenden Pflasterung versehen.

Damit blieb die Burg der Nachwelt als Bodendenkmal erhalten. Heute ist noch deutlich die quadratische Hauptburg mit ihren Räumen zu erkennen. Die Vorburg allerdings bleibt den Blicken des Besuchers verschlossen, denn sie liegt heute unter dem bebautem Gelände des städtischen Bauhofes.

Vielen Dank dem Archiv der Stadt Kaarst für die Bereitstellung der Fotos sowie dem Schützenbruder Bernd Wiescholleck für die hervorragende Aufarbeitung der geschichtlichen Hintergründe zum Holzbüttger Haus in seiner Dokumentation „Holzbüttgen, ein Stück Heimat“.

 

Bernd Wiescholleck

 

Das “Holzbüttger Hans ” wird erstmals im Zusammenhang mit einem Johann von Holzbüttgen im Jahre 1324 erwähnt. In diesem Jahr machte der Herr der Holzbüttger Burg eine Kaarster Mühle die ihm gehörte, zu einem Jülicher Lehen. Um die Geschichte des Holzbüttger Hauses besser zu verstehen, sollte man sich die Zeit der Entstehung dieser Burganlage etwas vor Augen führen.

Holzbüttger Haus” — So könnte die Hauptburg ausgesehen haben

Planung und Bau der Holzbüttger Burg fallen in die gotische Zeit. Gotisch -wurde in späteren Zeiten der Stil genannt, der sich in den Bauten Nordfrankreichs um das Jahr 1100 zuerst zeigte und dessen Prinzipien und Formen in den kommenden Jahrhunderten von den Künstlern und Baumeistern der Nachbarländer — wie z. B. Deutschland, England und Norditalien aufgenommen -wurde. Die Formen und die Gestaltung dieser Zeit als Gotisch zu bezeichnen, ist im Prinzip irreführend, denn sie hat mit dem Volksstamm der Goten nichts zu tun.
Die Goten waren es , unter deren Ansturm einst das Römische Reich zusammenbrach, So empfand die Renaissance , die die Antike zu ihrem Vorbild nahm , die zu Ende gehende Epoche als Gotisch und Barbarisch und bezeichnete sie auch so . Die Geistesverfassung der Menschen allerdings , von der die Gotischen Kunstwerk künden , -war zutiefst gläubig und fromm , das eigene Seelenheil stand im Mittelpunkt des Handelns . Verlorengegangene Bautechniken, wie z.B. die Ziegelbauweise , die beim Aufbau der Holzbüttger Burganlage zur Anwendung kam , wurden owiederentdeckt und lösten zum Teil die Fachwerkbauweise ab. Das Handwerk , vor allem das Bau — , Schmiede und Schreinerhandwerk blühten in der Gotischen Zeit auf.
Einer der schönsten und größten sakralen Bauwerke der Hochgotik in Deutschland ist der Kölner Dom . Der Grundstein zu diesem Bauwerk wurde im Jahre 1248 gelegt. Einer der bekanntesten Profan- bauten dieser Zeit ist das Rathaus in Münster , in dem die senkrechte Architektur , mit Spitzbogen und Maßwerk ihren Prunkvollen Ausdruck finden.
In die Bauzeit des Chores des Kölner Domes , der im Jahre 1322 fertiggestellt wurde , fällt wohl auch der Baubeginn der Holzbüttger Burg. Bei den Ausgrabungen die im Jahre 1984 begannen , wurde man schließlich 1985 fündig . Dies geschah auf Anregung der Stadt Kaarst und unter der Leitung des Kaarster Künstlers und Heimatforschers H. W. Gerresheim, der sich im Zusammenhang mit dem “Holzbüttger Haus” überaus stark engagierte . Ein Gotisches Trinkgefäß und Fragmente eines Gotischen Schlüssels sowie Keramik aus dem elften Jahrhundert, so genannte blau — grau Ware traten bei den Grabungen ans Tageslicht.
Nun schaltete sich auch das rheinische Amt für Boden — und Denkmalpflege ein und beauftragte die Wissenschaftlerin Frau Andikopoulou — Srack mit den Grabungen . Als äußerst interessant erwiesen sich die Ausgrabungen des ganz mit Schutt verfüllten Wassergrabens , denn hier fanden sich im anstehenden Torfboden regelmäßig gesetzte Holzpfähle , die sich später als Brückenpfeiler einer Zugbrücke herausstellen sollten . Am Fuße des Ziegelfundamentes wurden Rammpalisaden sichtbar , die von Innen nach Außen gedrückt -waren . Sie gehörten zu einem Pfahlrost , auf die im moorigen Untergrund die Fundamente der Holzbüttger Burg gesetzt waren . In der gleichen Bauweise wurden die Fundamente der Burg Linn bei Krefeld und der Burg >Uda< bei Oed am Niederrhein gelegt , deren Entstehung auf die gleiche Zeit wie die Holzbüttger Burg zurückzufuhren ist. Das Holzbüttger Haus so stellte die Archäologin fest, kann zu einem der ersten Profanbauten am Niederrhein gezählt werden , die ohne Holzvorgänger direkt in Ziegelbauweise errichtet wurde . Die zweiphasige Kernburg war mit 22m X 19 m Größe fast quadratisch.
An der Westseite befand sich der Eingang zur Burg mit einem mächtigen Torturm . Davor lag ein breiter Wassergraben über den eine Zugbrücke führte . Um einen Eindruck über Baustil und Atmosphäre einer solchen Burg zu bekommen , kann man sicher einen Besuch der Burg Linn bei Krefeld empfehlen. In den Jahren 1349 bis 1379 war ein Ritter Johann von Holzbüttgen, der allem Anschein nach ein Sohn des ersten Johann von Holzbüttgen -war , im Besitz der Holzbüttger Burg . Von ihm wird berichtet das er ein Freund des Erzbischofs von Köln gewesen sei . Erzbischof Kuno von Köln ernannte den Ritter von Holzbüttgen 1363 zum Amtmann von Oed ( Uda ) und Kempen . Der Wald um seine Holzbüttger Burg war so weit gerodet , daß die so gewonnene Ackerfläche reichte , um die Ernährung der Bewohner zu sichern . Aber auch aus Gründen der Verteidigung owar die Burg wohl rundum gerodet, denn so konnte man herrannahende Feinde früher bemerken und sich in den Schutz der Burg zurückziehen. Die Beschaffenheit seines Besitzes brachte Ritter Johann von Holzbüttgen auch in seinem Wappenschild zum Ausdruck.
Es bestand aus dunkelen und hellen Feldern , einem Schachbrett ähnlich. In einer Urkunde seines Verwandten des Ritters Wilhelm von Boitger , die Ritter Johann von >Hoylzboedich< mit einem geschachtelten Schild siegelte, ist dieses Wappen überliefert. Als Vermittler trat Ritter Johann von Holzbüttgen in einem Streit zwischen der Liedbergischen honschaft Unterbroich ( Schiefbahn ) und dem Onkel des Raubritters Godhart von Krickenbeck auf.
Viele Ritter der damaligen Zeit waren verarmt und bestritten ihren Lebensunterhalt zum Teil, was zur damiligen Zeit durchaus üblich war und auf keinen Fall mit unserem heutigen Rechtsverständnis zu sehen ist, mit Raub , Plünderet und Geiselnahme . So auch Godhart von Krickenbeck. Godhart drang in die honschaft Unterbroich ein, in der Absicht , Beute zu machen. Die wachsamen Bürger allerdings waren schnell genug bei ihren Waffen und es kam zu einer Auseinandersetzung zwischen den Schiefoahner Bauern und Godhart von Krickenbeck mit seinen Männern . Im laufe dieser Auseinandersetzung , in der die Bauern , was selten geschah, überlegen waren , wurde der Ritter Godhart von Krickenbeck erschlagen . nach diesem Vorfall vermittelte also Johann von Holzbüttgen zwischen den Schiejbahnern und dem Onkel des Erschlagenen , Sybrecht von Krickenbeck. Die Schiefbahner erklärten sich bereit, aufRimigius (l. Oktober) zwölf alte Schilde an Sybrecht von Krickenbeck zu überreichen.
Johann von Holzbüttgen hatte eine Tochter mit Namen Adelheit. Sie vermählte sich mit Heinrich von der Neersen, der von 1374 bis 1422 Vogt zu Neersen war . Adelheit verstarb 1397 . Aus dieser Ehe ging ihr Sohn Heinrich von der Neersen hervor . Dieser ehelichte Johanna, Tochter des Wilhelm von Hochstaden — Noithausen ( im Jahre 1261 stirbt Konrad von Hochstaden, Erzbischqfzu Köln) . Die Erzbischöfe waren zu dieser Zeit nicht nur lärchliche Fürsten sondern auch als weltliche Herrscher mit militärischer Macht ausgestattet .1 Das gute Verhältnis des Holzbüttger Hauses und dessen Bewohner zu den Bischöfen von Köln zeigt sich auch in der Tatsache , das die Holzbüttger Burg das erste Mal um 1387 zum Offenhaus für den Erzbischof von Köln erklärt wurde .
Wurde eine Burg zum Offenhaus erklärt , so stand sie dem Erzbischofoder dem Fürsten , für den es erklärt wurde , jederzeit zu zivilen und militärischen Zwecken offen . Damit wurde die Verbundenheit zu einer bestimmten Obrigkeit zum Ausdruck gebracht und man erhielt als Gegenleistung in kriegerischen Zeiten einen gewissen Schutz
Am 26. Februar 1402 erklärten die Ehegatten Heinrich von der Neersen und seine Frau Johanna von Hochstaden ihre Holzbüttger Burg erneut zum Offenhaus des Erzbischofs Friedrich III von Cöln . Die in mittelhochdeutscher Sprache verfaßte Urkunde , die Heinrich von der Neersen und seine Frau bei der Erklärung des Holzbüttger Hauses als Offenhaus verfaßten, unterschrieben und mit ihrem Siegel versehen , wurde in mehreren Exemplarren geschrieben . Außer dem Erzbischof von Köln erhielt je eine Ausfertigung Herr Scheifart von Merode, Herr von Hemmersberg der Alte , Herr Rutgers von Alpen , Johann Herr von Rheydt und Wilhelm von Hochstaden .
In einer Auseinandersetzung des Erzbischofs von Köln mit den Grafen von Kleve um die Burg Linn bei Krefeld überschritt Graf Engelbert von der Mark, ein Enkel des vorletzten Grafen von Kleve , Ende August 1391 bei Orsoy den Rhein . Bei ihrem Marsch nach Lechenich und Zülpich brandschatzten und verwüsteten seine Truppen viele Orte auch in unserer Heimat . Ein von diesen Brandschatzungen am meisten betroffene Gemeinde war Büttgen . Das Holzbüttger Haus blieb von der Zerstörung nur deshalb verschont, weil die Truppen des Erzbischofs von Köln es besetzt hielten . In Existensnöte geraten , verpfänden Heinrich von der Neersen und seine Frau Johanna von Hochstaden am 7, Januar 1419 das Holzbüttger Haus sowie den in ihrem Besitz befindlichen Zimmermannshof und den Boschhof (auch Belozgut genannt) und die seiner Frau als Wittum übertragene Höfe ” Hoefsteden ” und “op der Hoe ” an die Äbtissin des St-Quirinus-Stiftes Neuss , Klara von Mors , für 2500 Gulden . Es steht nicht fest, zu welchem Zeitpunkt die Güter owieder ausgelöst -wurden , sicher ist nur , das die 2500 Gulden zurückgezahlt wurden.
Zehn Tage nach der Verpfändung der Güter des Heinrich von der Neersen und seiner Frau an die Kirche , am 17. Januar 1419 , erklärte sein Schwiegervater Wilhelm von Hochstaden sei Gut Noithausen zum Ojfenhaus der Erzbischöfe von Kurköln.

Das Wirttum.
Heinrich von der Neersen übertug am 25. Februar 1398 seiner Frau Johanna von Hochstaden die Güter Hoefsteden , Upperhoe , und to Grensholt,
alle im Kirchspiel Büttgen gelegen als Wittum . Ein Wittum diente der Frau des Übertragendem als Witwenvorsorge.
39 Jahre später , im Jahre 1458 , verpfändet Heinrich von der Neersen und seine Frau Johanna die gleichen Güter wieder an das Quirinusstift in Neuss für 2500 Gulden . Dieses Mahl befristet auf 6 Jahre . Eine Rückzahlung der Summe findet nicht statt, so das unter anderem auch die Burganlage “Holzbüttger Haus ” mit ausgedenten Ländereien und Waldungen , sowie vier kleine Höfe in den Besitz des St.-Quirinus-Stifts übergehen und die Äbtissin des Klosters die Herrin des Holzbüttger Hauses wurde und sich auch so nannte. Die Äbtissin Klara von Mors und auch ihre Nachfolgerinnen verpachteten das Holzbüttger Haus an Haifwinner . Das Herrenhaus (Hauptburg) allerdings stand nur ihnen zur Verfügung , sie bewohnten es mehrere Monate im Jahr mit ihren Stiftsdamen. Eine im Volksmund überlieferte Geschichte erzählt von der Herrin des Holzbüttger Hauses , der Äbtissin des St.-Quirinus Ordens , die während ihres Aufenthaltes in der Burg eine kleine Kapelle im Büttger Wald regelmäßig zur Andacht aufsuchte. Der Eremit der die Hl. Messe las und auch die Gläubigen der Umgebung warteten voller Ungeduld auf das Erscheinen der Äbtissin und ihrer Damen die es mit der Pünklichkeit nicht so genau nahmen. Oft mußten die Gläubigen über längere Zeit warten und waren darüber auch sehr unwillig . Wegen der Abhängigkeit von der Herrin des Holzbüttger Hauses durften sie dieses nur nicht zeigen. Ein Aufatmen ging jeweils durch den Kapellenraum , wenn das Pferdegetrappel und das Knirschen der Wagenräder hörbar wurde. Kurz darauf rauschte die Äbtissin und die Stifts damen an den Gläubigen vorbei zu ihren Ehrenplätzen und die Hl. Messe konnte endlich beginnen.

Der Haifwinner.
Im 15. Jahrhundert war die übliche Pachtform der Halbbau . Der Halfmann war anfangs ziemlich mittellos . Der Gudsherr, in diesem Fall die Äbtissin, stellte den Hof, Inventar sowie das ganze oder das halbe Saatgut und die Hälfte der Arbeitskräfte zu Verfügung . Den Ertrag teilten sich dann beide je zur Hälfte . Bei guter Bewirtschaftung kam der Pächter mit der Zeit zu einem gewissen Wohlstand und die Lage zum Grundherrn, gestaltete sich freier . Der Halbbau wurde durch einen Pachtvertrag ersätzt. Der Pächter hatte nun dem Grundherrn gewisse Abgaben zu entrichten. So gewann der Pächter immer größeren Einfluß und mehr Ansehen in der Gemeinde . Oft stellten sie die Kirchenmeister, die Schöffen , Brudermeister in den Bruderschaften und waren in anderen Ehrenämtern tätig . Viele blieben mit ihren Familien über Generationen auf dem gleichen Gut ansässig . Bei der Säkularisation wurden die meisten von ihnen Eigentümer der vorher meist geistlichen Güter. Mehr als hudert Jahre dauerte die relativ friedliche Zeit um die Holzbüttger Burg . Viel war geschehen:
1471 : Francesco della Rovere wird Papst Sixfus IV.
1484 : Mit der Bulle >Summis desiderantes affectibus< legitemiert
Papst Innozenz VIII. die Hexenverfolgung .
1492 : Kolumbus entdeckt Amerika.
1501 : Michelangelo beginnt mit der Arbeit an seiner Statur “David“
1504 : Reichsritter “Götz von Berlichingen verliert im Landshuter
Erbfolgekrieg seine rechte Hand und laßt sich eine eiserne Prothese
schmieden.
1517 : In Wittenberg veröffendlicht Martin Luther seine 95 Thesen
gegen das Ablaßwesen.
1559 : Die Kirche verbietet mißliebige Bücher .
Dann im Jahre 1567 , brach der Aufland der Niederländer gegen die Spanier aus . Der damalige Erzbischof von Köln, Salentin von Isenburg trat 1572 an die Seite der Spanier . Bei unserem Nachbarort Grefrath lagerten die Truppen. Soldaten überfielen die Bauernhöfe und drangen in die Dörfer ein, stahlen das Vieh und nahmen Familienangehörige als Geisel, die sie dann gegen ein entsprechend hohes Lösegeld wieder frei ließen. Auf eigene Faust umherziehende Söltnerbanden beider Kriegsparteien waren es, die meist infolge ausbleibender Soldzahlungen zu dieser Form der Selbsthilfe griffen. Die Not der Menschen in unseren Gemeinden wurde immer größer. Niemand wollte mehr Pachtverträge abschließen und wenn, dann nur für die Hälfte der üblichen Pacht oder das Land wurde nur auf Risiko des Grundherren bearbeitet.
Die Raubzüge steigerten sich ab 1580 und mündeten in den Truchses-
sischen Krig ( 1582 bis 1589).
Der Erzbischof und Kurfürst von Köln , Gebhard von Truchseß non Waldburg , war zur lutherischen Konfession übergetreten und hätte deshalb, dem geltenden Recht nach, auf sein Amt verzichten müssen. Er tat dieses auf Anraten seiner Freunde nicht und nahm den Kampf gegen seinen Nachfolger Ernst von Bayern auf. Der Krieg der mit größter Erbittertheit geführt -wurde , spielte sich zum größten Teil im Gebiet des Kreises Neuss ab . Er bestand im Kampf um feste Plätze — Burgen und Städte — und in der Plünderung und Verwüstung der -wehrlosen Dörfer . Das Elend unserer Bevölkerung war unbeschreiblich. Nur durch Flucht in feste Burgen und Städte konnten sich die Menschen retten . So hatten auch die Menschen unseres Ortes , zum Teil Zuflucht im Holzbüttger Haus gefunden. Doch am Morgen des 3.September 1593 griffen die Truchsessischen Truppen unter der Führung der Gebrüder Impel das von den Truppen des Kölner Erzbischofs Ernst von Bayern besetzte Holzbüttger Haus an . Ein erbitterter Kampf tobte , in dessen Verlauf die Truchsessischen Truppen die Oberhand gewannen . Die starken Mauern der Holzbüttger Burg hielten den Ansturm der Truchsessischen Kanonen nicht stand.

Die Besatzungstruppen des Erzbischofs von Köln unterlagen der Übermacht. Das Holzbüttger Haus wurde geplündert und bis auf die Grundmauern niedergebrannt. 1589 endet der Krieg mit dem Sieg der katholischen Truppen.
Es ist mit Sicherheit anzunehmen , dass nach der Verwüstung des Holzbüttger Hauses auch seine Ländereien lange brach lagen und nicht genutzt wurden . Erst 1604 wird wieder ein Haljwinner im Zusammenhang mit dem Holzbüttger Haus genannt. Doch lange währte der Frieden nicht. 1618 brach wieder ein Krieg um Konfessionen aus , der sogenannte dreißigjährige Krieg . Das erste Jahrzehnt lief für unsere Gegend glimpßich ab . Erst ab dem Jahre 1640 zog der brutale Krieg unsere Heimat in Mitleidenschaft. 1648 endet der dreißigjährige Krieg mit dem Westfälischen Frieden. Unsere Heimat war zum zweiten Mal in so kurzer Zeit zerstört. Erst aus dem Jahre 1660 liegt wieder ein Pachtvertrag vor , den die damalige Äbtissin Elisabeth Margarethe von Bernsau abgeschlossen hat. Danach Verpachtete sie das adlige Haus mit allem was dazu gehörte . Ausgenommen waren die Holzgewalten auf den Büttger Wald, deren Holzertrag wurde gesondert abgerechnet. Der Haljwinner fer war zwar schon Pächter , wurde aber immer noch so bezeichnete hatte an Pacht folgendes zu entrichten : 55 Malter Roggen , 6 Malter Weizen , 14 Malter Gerste , 21 Malter Hafer , l Malter Rübsamen und l Malter Erbsen. Der Pachtvertrag wurde am 30. November des Jahres 1660 abgeschlossen und hatte eine Laufzeit von 12 Jahren . Die Abgaben an Pacht blieben bis ins 18. Jahrhundert gleich . Dann erhöhte sich die Pacht.

Es kamen hinzu : 2 Malter Buchweizen , 2 Sack Rüben , 2 fette Schweine , (die zusammen 500 Pfund wiegen mußten) l fetter Hammel, l Osterlamm , l fettes Kalb , 4 Hühner , 100 Eier , 100 Busch Stroh . Dann waren noch 60 Reichstaler für Gewürze an die Stiftsküche zu entrichten.
Schließlich mußte der Pächter den Weiher der vor dem Hof lag reimgen und den Schlamm abfahren . Darüber hinaus mußte er jedes Jahr noch 4 Diensfuhren sechs Stunden weit leiste . Wenn der Jäger im Büttger Wald war , mußten ihm Unterkunft, Speis und Trank im Holzbüttger Haus gegeben werden.
Um das Jahr 1650 kommt eine neue Stilrichtung auf “der Barock“
1666 : Ein Großfeuer verwüstet London.
1683 : Wien wird von den Türken erfolglos belagert.
1684 : Zum letzten Mal wird in England eine Frau als Hexe hingerichtet.
1698 : Die Preußen führen die Steuern auf Perücken und Karossen ein.
1717 : In Preußen wird die Schulpflicht eingeführt.
1741 : In der Nacht des 6. Febuar brennt das Neusser Münster nieder , der helle Schein des Feuers ist auch bei uns zu sehen.
1750 : In Deutschland werden die Hexenprozesse abgeschafft.
1755 : Die Erde bebt bei uns und in ganz Europa . Am 18. und 20. Februar waren die Erschütterungen am stärksten . Die aufgeschreckten und ängstlichen Bewohner unserer Gegend übernachteten zum teil vor ihren Häusern . Sie kamen zum größten Teil mit dem Schrecken davon , während in Lissabon 30.000 Menschen dem Erdbeben zum Opfer fallen.
1768 : Die letzte Äbtissin am St-Quirinus-Stift war Felicitas Auguste geb. Freiin von Wallbitt und B assenheim . Sie war seit dem l. Dezember Äbtissin und wurde vom Domdechant Graf zu Königseck — Rotenfels unter anderem mit dem Holzbüttger Haus belehnt.
Auf Veranlassung dieser Äbtissin wurde das Holzbüttger Haus im Jahre 1790 abgerissen und von Grund auf neu aufgebaut, sowie wir es bis zu seinem Abriß im Jahre 1965 noch kennen.
Von der Zerstörung im Truchsessischen Krieg hätte eigentlich ein riesiger Berg an Ziegelsteinen übrig bleiben müssen und ich habe mich gefragt wo sind sie ? Ich nehme an das die Ziegel der Hauptburg zum Wiederaufbau der Vorburg dienten . Mit der Zeit wurde auf dem Gelände der Vorburg das von der Grundfläche größer als das der Hauptburg war , Wohngebäude und Stallungen neu errichtet. Mit dem Abriß des alten Holzbüttger Hauses im Jahre 1790 sind sicherlich die Gebäude der Vorburg gemeint. Die Hauptburg war wohl , zu dieser Zeit nur noch als Fundament erhalten.
Von Interesse sind sicher nicht nur die Kosten , die ein solches Bauwerk erforderte. Interessant ist auch , welche Firmen und Handwerker zu der Entstehung beigetragen haben.
Die Erbauerin trat schon im Jahre 1789 mit dem Neusser Architekten Daniel Schniadt in Verbindung , um mit ihm folgende Vereinbarung zu treffen : Vorgesehen waren 300.000 Steine , das Tausend zu l Rt. (Reichstaler) und 2 St. (Stübern ). Für Kohle und Stroh und was sonst noch außer den Schiebkarren beschafft werden mußte, kam das Stift auf. Im einzelnen erhielten die Ziegelbäcker für das Grundstechen 24 Rt. und 54 St. zu Beginn der Arbeiten wurde ihm nach altem Brauch ein Trinkgeld von l Rt. und 55 St. zuerkannt.
Der Gehilfe erhilt ein solches von 57 1/2 St. Der Mann der des Nachts bei Abwesenheit des Ziegelbäckers die Kohlen herbeischaffte, erhielt den gleichen Lohn , dem Arbeiter , der die Kohlen beim Bau herbeitrug , zahlte man 7 Rt. Da zur Zeit des Ziegelbrennens das schlechte Wetter anhielt, zahlte man ihm aus besonderer Gnade 7 Rt. und 40 St. Tatsächlich benötigte man 382 000 Steine 382 Rt. Für die Beköstigung des Ziegelbäckers erhielt der Pächter des Holzbüttger Hauses 14Rt.
Zimmermeister Klören aus Neuss Führte die Zimmermannsarbeiten aus . Seine Aufgabe war es , das Holz im Büttger Wald abzuholzen, zu beschlagen , zu schneiden und fertig zu zimmern . Er erhielt für jede 100 fuß , (ausgemessen nach Düsseldorfer Maßen ) l Rt. und 55 St. Für Nebenarbeiten , wie das tägliche Liefern eines Streicheis , das Kürtzen einiger Stückhölzer usw ., erhielt er l 1/2 Malter Roggen extra . Insgesamt erhielt er , einschließlich des Abbruchs des alten
Gebäudes , im Jahre 1790, 303 Rt. und 21 St.
Meister Giesen aus unserem Nachbarort Grefrath oblag die Ausführung der Schreinerarbeiten. Er lieferte eine eichene Haustüre und eine sogenannte Gattertür , beide mit einem Kreuz bekleidet, für l Rt. und 55 St. , die Fensterrahmen mit Blindrahmen und Hölzern , die aushändigen Fensterrahmen , die Haustreppe und 100 Bord zum >Bünnen < . Seme Rechnung lautete auf 187 Rt. und 33 St. Maurermeister Danners erhielt für Maurerarbeiten, für das Löschen des Kalkes , das spätere Plistern und Weißen und die Anlage von Brunnen und Brücke 474 Rt. und 39 St. Ein gewisser Scholl aus Mülheim an der Ruhr lieferte die Holzkohle und berechnete dafür 395 Rt. Tannen und Dacliziegel kosteten 523 Rt. und 50 St. Der benötigte Kalk und Mörtel kam aus Vorwinkel und Holthausen , dafür wurden 91 Rt. bezahlt.
Der Steinhauer Spindler erhielt für Lieferung und Arbeit 51 Rt. Das Eisenwerk für das Gebäude lieferte die Fabrik der Gebrüder Redden aus Velbertfür 75 Rt. Pannendecker und Leiendecker erhielten für ihre Arbeit 91 Rt. und 55 St. Die Schmiedemeister Broix und Witthoffaus Holzbüttgen bekamen für Nägel und sonstige Schmiedearbeiten 152 Rt. Das Glas kam aus Köln und kostete je Kiste 31 Rt. Die Fracht von Köln nach Holzbüttgen kam auf 45 Rt. , die Glas erarbeiten auf 56 Rt. An Nebenkosten entstanden : Den Baum im Büttger Wald ausmachen und den Stock davon auseinander zu schlagen l Rt. 15 St. , drei graue Körbe für die Maurer 21 St. , für die Aufsicht am Ziegelofen und Hilfsleistungen beim ausstechen des Gartens und des Weiers wurden 3Rt. und 40 St. bezahlt.
Beim Aufschlagen des Daches wurde nach alter Sitte eine Hl. Messe gelesen für 50 St. Für die Pliesterarbeiten wurden 3000 Gerten geschnitten , je 1000 zu IRt. und 22 1/2 St. Die Verzehrkosten bei der Abnahme dreier Kalktransporte owaren mit 22 Rt. und 55 St. sehr hoch.
Köchin und Musikanten bekamen beim Richtfest l Rt. und 22 St. Beim Richtfest wurde allein für 7 Rt. Wein getrunken. Für das ausroden der Gartenfläche und das Anlegen des Gartens wurden 238 Rt. ausgegeben . Ein Weiher wurde trockengelegt und danach wieder aufgefüllt . Den Fuhrleuten die den Weiher wieder Auffüllten gab man eine Zeche zu Holzbüttgen und zahlte dafür 6 Rt. und 38 St.
Der Neubau des Holzbüttger Hauses im Jahre 1790 kostete insgesamt 2.965 Reichstaler und 48 Stuber . Umgerechnet würde diese Gutsanlage ca 5Millionen DM kosten.
Nach einem Jahr Bauzeit erstrahlte das Holzbüttger Haus im neuen Glanz . In einer Art Landreform fand ein Austausch der Ländereiern zwischen den Gemeinden Schiefoahn , Kleinenbroich , Büttgen und Kaarst und dem Ritteergut Holzbüttger Haus statt . Durch diesen Austausch waren die Wege zu den Äckern des Gutes kürzer , so das auch damals schon Zeit und damit Geld gespart wurde. Die Äbtissin vom St.-Quirinus-Stißs , Felicitas Auguste geb. Freiin von Wallbott und Bassenheim, konnte sich allerdings nur kurze Zeit ihres Neubaus erfreuen.

Schon 4 Jahre später , im Jahre 1795 , marschierten Französische Revolutionstruppen auch in unsere Heimat ein . Wir wurden dem Französischen Staat einverleibt . Es kam zur Säkularisation , das heißt, alle Kirchlichen Güter wurden enteignet und vielen dem Staat zu.
Das Wappen der Äbtissin Felicitas Auguste Freiin von Wallbott und Bassenheim

Dieses Wappen ließ die Äbtissin über den Haupteingang des Gutshauses anbringen . Heute ist das in Stein gearbeitete Wappen alles , was von dem einstigen Rittergut Holzbüttger Haus übrig geblieben ist. Zu besichtigen ist es über der Eingagstüre des Kaarster Bauhofes , der heute an der Stelle des Gutes steht

Der damalige Pächter des Ritterguts -war der am 28. September des Jahres 1748 geborene Johann Josephs . Er konnte das Holzbüttger Haus weiter bewirtschaften , aber mußte die Pacht nun an den Französischen Staat abfuhren. Nach der Besatzung unserer Heimat durch die Franzosen , wurde zum ersten male für dieMairie (Gemeinde ) Büttgen ein Bürgermeister bestellt und dieses war der Pächter des Holzbüttger Hauses Johann Josephs.
Er bekleidete das Amt bis zum Jahre 1808 . Die Gemeinde Büttgen , zu der auch Holzbüttgen gehörte , zählte im Jahre 1804 insgesamt 1240 Einwohner.

Der Franzosenkaiser Napoleon benötigte für seine Eroberungskriege immer neue finanzielle Mittel . Aus diesem Grund bot man die Enteigneten kirchlichen Güter , zum Kaufan. Im Jahre 1802 kaufte Johann Josephs vom Französischen Staat das Rittergut Holzbüttger Haus und zum ersten Mal seit dem Ritter Johann von Holzbüttgen bewirtschaftete -wieder ein Eigentümer das Gut. 1808 plante Napoleon den Bau des Nordkanals , mit dessen Arbeiten im Jahre 1809 begonnen wurde . Die Landwirte und Anwohner der Umliegenden Gemeinden wurden zu Arbeiten am Kanalbau verpflichtet, auch Johann Josephs mußte Pferde und Fuhrwerke so wie Knechte für die Arbeiten zur Verfügung stellen. Nachdem unsere Heimat in den Kriegen von 1812 bis 1814 von den Französischen Besatzungstruppen befreit war , wurde das Rheinland und Westfalen , auf dem Wiener Kongreß 1815 , dem Preußischen Königreich zugeschlagen. Unsere Heimat war nun preußisch. Nach der Kreisortnung von 1827 bestand die Kreisverwaltung aus zwei Abgeordneten der Stadt Neuss , je einem Abgeordneten der Landbürgermeistereien, und als Beisitzer die im Kreis Neuss liegenden Rittergüter . Dies waren, Haus Selikum , Haus Meer , Schacum, Vogelsang , Birkhof , Hohbüttger Haus , Vellbruggen , Hackenbroich, und Voickrath.
Johann Josephs und auch nach ihm sein Sohn Matthias , waren so Mitglieder der Kreisverwaltung Neuss . Im Jahre 1828 stirbt Johann Josephs und sein Sohn Matthias Josephs übernimmt das Rittergut Holzbüttger Haus . Neben seiner Position im Kreistag war Matthias Josephs jahrelang Mitglied im Buttger Gemeinderat so wie Präsident, Kirchenvorstandes an St.-Aldigundis-Büttgen. Da Matthias nicht verheiratet war , führte seine Schwester Elisabeth den Haushalt für ihn . Am 21 Oktober 1859 verstirbt der sozial sehr stark engagierte Matthias Josephs an den Folgen eines Schlaganfalls. Das Gut mit allen Ländereien erbt seine Schwester Elisabeth Josephs. Elisabeth auch Lisett genannt, lebte sehr zurückgezogen, sie -war der Rektoraiskirche m Büttgen-Vorst sehr zugetan . Am 18. März 1871 stirbt auch sie . Mit ihr stirbt auch der letzte Besitzer , der das Holzbüttger Haus selber bewirtschaftet. Kurz vor ihrem Tod vermacht sie das Holzbüttger Haus mit allen Ländereien ihrem Verwandten Joseph Rey aus Vettweis . Ihre Mutter Petronella -war eine geborene Rey . Der Vorster Rektoratskirche vermacht sie 11 Morgen Ackerland.
Joseph Rey vererbt den Besitz an seine Töchter Elise und Maria . Nach deren Vermählung erhielten , ihre Ehemänner die Vollmacht die Ländereien des Holzbüttger Hauses zu veräußern und so wurde mit Zustimmung der Ehefrauen das Holzbüttger Haus und dessen Ländereien zum Kaufangeboten.
Das Holzbüttger Haus und Teile seiner Ländereien ging 1895 in den Besitz des Bauunternehmers Bernhard Hoeveler aus Holzbüttgen über . Dieser beerbte damit seinen Sohn Peter und dessen Geschwister . Sie bewirtschafteten das Gut nicht selbst, sonder verpachteten esAls Pächter sind seit 1895 die Landwirte Roberts , Schwitz , Götzen, Hoevels und als letzter Berrisch bekannt. Gegen Mitte der 50ziger Jahre boten die Geschwister Hoeveler der Gemeinde Büttgen das Holzbüttger Haus mit allen dazugehörigen Ländereien zum Kaufan.
Da jedoch dringendere Aufgaben anstanden mußte der Gemeinderat aus finanziellen Gründen auf einen Erwerb des Gutes verzichten . Daraufhin kaufte die Stadt Düsseldorf das ganze Anwesen mit allen Ländereien in der Absicht, darauf eine Wohnsiedlungfür Düsseldorfer Bürger zu errichten . Jedoch -war weder die Gemeinde Büttgen bereit , das Areal als Wohngebiet in ihren Flächennutzungsplan aufzunehmen , noch gab die Lanwirtschqftskammer Rheinland dazu ihre Genemigung.
Die Stadt Düsseldorf verpachtete das Holzbüttger Haus mit den dazugehörigen 60 Morgen Land im Jahre 1956 an den Landwirt Hans Berrisch.
Anfang der 60ziger Jahre erwies sich, daß vor allem das Herrenhaus aber auch einige Wirtschaftsgebäude baufällig zu -werden drohten Die Stadt Düsseldorf begann 1961 mit dem Bau eines neuen Hofes , er wurde etwas südlich des alten Gehöftes errichtet. Am 23 Dezember 1964 konnte die Familie Berrisch endlich den neuen Bauernhof beziehen.
1965 wird das geschichtsträchtige Gebäude abgerissen und dem Erdboden gleich gemacht. Im Jahre 1976 kauft die Stadt Kaarst das verbleibende Areal des Holzbüttger Hauses der Stadt Düsseldorf ab, um dort ein neuse Schulzentrum und später den Bauhof zu errichten Jlls im Jahre 1985 mit den Aushubarbeiten des neuen Bauhofes der Stadt Kaarst begonnen wurde , stieß man auf die Fundamente der mittelalterlichen Burganlage des Holzbüttger Hauses . Die nun folgenden , von den Archäologen professionell durchgeführten Grabungen wurden auch von der überregionalen Presse mit Interesse verfolgt.

Von der Stadt Kaarst wurde ein Konzept in Zusammenarbeit mit der Firma Hopmann erarbeitet, um die Reste der Holzbüttger Burganlage zu konservieren und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. In einer etwas abgespeckten Version wurde die Arbeiten ausgeführt und die Bürger konnten die freigelegten Fundamente der Burg besichtigen. Eine Bank sowie eine Hinweistafel wurden installiert.
Nach einigen Jahren der vorgesehenen Benutzung durch die Bürger und Besucher der historischen Stätte , stellte sich heraus , daß Versiegelung der Mauerreste unserer Burg sehr stark in Mitleidenschaft gezogen waren . Man stand vor der Frage , wie das Bodendenkmal geschützt werden könne.
Der Rat der Stadt Kaarst entschloß sich, die Fundamente, wie schon zuvor im direkten Bereich des Bauhofes geschehen , mit Sand aufzufüllen und die Grundmauern mit einer gesonderten Pflasterung zu versehen .So sollen die Reste der Holzbüttger Burganlage auch zukünftigen Generationen erhalten bleiben.

von Bernd Wiescholleck

 

Fritz Wülfing

Das Holzbüttger Haus war eine Wasserburg

Von Holzbüttgen hatte ein Rittergeschlecht seinen Namen. Im Jahre 1363 wurde Jahann von Holzbüttgen durch Erzbischof Kuno von Köln zum Amtmann von Kempen uns Ude(Oedt) ernannt. Die Tochter Johanns von Holzbüttgen heiratete den Herrn von Neersen. Das Holzbüttgerhaus war eine Wasserburg. Die Burg war von einem Wassergraben umgeben. Dahinter lag die dicke Burgmauer. Über den Wassergraben führte eine Zugbrücke. Rechts vom Tor lag der Garten und daran anschließend war ein Fischteich. Später gab der Erzbischof von Köln, dem das Holzbüttgerhaus und die dazu gehörenden Ländereien gehörte, dem Quirinusstift in Neuss zu Lehen. Zum Holzbüttgerhaus gehörte viel Land, teils Ackerland, teils Wiesen und Wald. Die Ländereien hatte die Äbtissin des Quirinusstiftes zu Neuss verpachtet. Die Pächter mussten allerlei Abgaben entrichten, zum Teil in Geld, zum Teil in Feldfrüchten, Vieh, holz und Heu. Zeitweise wohnte auch die Äbtissin, von mehreren Schwestern, im Holzbüttgerhaus. Noch heute im Büttgen-Vorster Bezirk lebende alte Leute erzählen, was ihnen von ihren Vorfahren überliefert wurde. An der Stelle der heutigen Kapelle stand früher ein altes Kapellchen. Unweit davon stand ein kleines Häuschen, in dem ein Klostermann(Mönch) ein zurückgezogenes Leben führte. Dieser Mönch las täglich in dem Kapellchen die hl. Messe. Wenn die Äbtissin vorübergehend im Holzbüttgerhaus wohnte, bescuhte die auch die hl. Messe. Da sie oft nicht pünktlich zur Messe erschien, musste der Pater mit dem Begin warten, bis die Äbtissin sich einfand. Es soll vorgekommen sein, dass sie den Mönch und die anwesenden Gläubigen beträchtliche Zeit warten ließ. Plötzlich vernahm man draußen Pferdegetrappel und Rädergerassel. Die Äbtissin kam in ihrer Kutsche vorgefahren. In seidene Gewänder rauschte sie mit ihren Begleiterinnen in die Kapelle und begab sich auf ihren Ehrenplatz. Nun konnte die hl. Handlung beginnen. Das lange Warten machte die Leute unwillig, doch sie mussten gute Miene zum bösen Spiel machen, da sie durchweg Pächter der Ländereien des Holzbüttgerhauses waren. Im Jahre1790 ließ die Äbtissin Felicitas Augusta geborene Walbolt- Bassenheim das Holzbüttgerhaus von Grund aus neu bauen. Das Wappen dieser Äbtissin ist heute noch über der Haustür. So erstand das Holzbüttgerhaus in seiner heutigen Gestalt. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 2965 Taler. Nur einige Jahre noch blieb das Holzbüttgerhaus im Besitz des Erzbischofs von Köln und des Quirinusstifts zu Neuss. Die Franzosen eroberten das linke Rheinufer und verleibten es Frankreich ein. Dir geistlichen Güter wurden dem erzbischof von Köln genommen und als Eigentum des französischen Staates erklärt. Säkularisation. Der Eigentümer des Holzbüttgerhauses in der nachfolgenden Zeit war Matthias Josephs. Später war Josephs Maire- Bürgermeister von Büttgen. Er war ledig seine Schwester Lisette führte ihm den Haushalt. Als Matthias Josephs 1859 einen Schlaganfall erlag, ging das Besitztum in die Hände seiner Schwester Lisette über. Sie vermachte vor ihrem Tod ihrem Verwandten, dem Herrn Josef Rey zu Vettweis, testamentarisch das Holzbüttgerhaus und die dazugehörigen Ländereien. Von dem Herrn Rey erbeten seine Töchter Elise und Maria den Besitz. Nach deren Verheiratung besaßen die Ehemänner die Vollmacht mit Zustimmung ihrer Mitunterschriebenen Ehefrauen, die zum Rittergut Holzbüttgerhaus gehörigen Gemeinden Büttgen und Kleinenbroich gelegene Grundstücke in beliebigen Abteilungen unter gutscheinenden Preisen öffentlich oder unter der Hand zu verpachten oder zu verkaufen. Die in manchen Häusern noch befindlcihen Kaufakte geben Zeugnis davon, daß damals viele zum holzbüttgerhaus gehörige Ländereien verkauft wurden. Das Haus und einen Teil der Ländereien kaufte 1895 Bernhard Hoeveler, Baumeister in holzbüttgen. Seine Kinder, darunter sein Sohn, der Bauunternehmer Peter Hoeveler, waren die nachfolgenden Besitzer. Die Familie verkaufte 1955 das Holzbüttgerhaus und die dazugehörigen Ländereien an die Stadt Düsseldorf. Diese erhoffte duch den Kauf Siedlungsgelände zu gewinnen. Dieses Vorhaben scheitere jedoch am wieder spruch der Landwirtschaftskammer. Die Ländereien mußten der landwirtschaftlichen Nutzung erhalten bleiben. Die Gemeinde Büttgen hätte das Haus und die Lädereien acuh kaufen können, doch die ‚Gemeindegelder mußte man damals für dringlichere Aufgaben verwenden. Nun kaufte die Gemeinde Kaarst 1976 das Haus nebst Ländereien von der Stadt Düsseldorf. Die Verwaltung wird in diesem Gebäude den Bauhof einrichten. Die Pächter des Holzbüttgerhauses waren von 1895 bis heute Landwirte Robertz, schmitz, Hoevels und Berrisch.

Fritz Wülfing

Holzbüttgen

Holzbüttgen

ist einer von fünf Stadtteilen der Stadt Kaarst und hat z.Z. etwa 6.500 Einwohner. Weitere Stadtteile der Stadt Kaarst, von denen jeder ein eigenes Schützenfest feiert, sind Büttgen, Vorst, Driesch und Kaarst. Die Stadt Kaarst hat insgesamt mehr als 42.000 Einwohner und liegt in der neiderrheinischen Tiefebene als Zentrum zwischen den Vororten Düsseldorf, Neuss, Krefeld, Mönchengladbach und Grevenbroich.

Die Geschichte

Schon weit vor der Steinzeit siedelten sich die ersten germanischen Stämme am Nordkanal, der um 1800 von Napoleon gebaut wird, an. Die Umgebung um den Kaarster See wurde schnell zur Basis für weitere Expeditionen ins nahe In- und Umland. Die wohl bekannteste Besiedlung, die von den ersten Hobbysteinzeitholzbüttgern ausging, war ein Tal in der Gegend des kleinen, stinkenden Abwasserbaches Düssel. Die Ureinwohner schämten sich ihrer Herkunft so sehr, dass sie auf die Frage, ob sie in dem Dorf nahe der Düssel leben, antworteten: “Ne, ander Tal!” So entstand allgemein der Eindruck, diese wilde Horde von Dumpfbacken ist total panne und verdient den Namen “Düsseldoof”. Da sie aber auch des Schreiben und Lesens nicht mächtig waren, veränderte sich der Name im Laufe der Jahre bis hin zum heutigen “Düsseldorf”. Doch zurück ins weihnachtlich verschneite, steinzeitige Holzbüttgen, kurz vor der Sportschau. Nachdem sämtliche Saurier von den immer hungrigen Urholzbüttgern aus dem nahen Hamarithwaldes verputzt waren (darum sind die Saurier ausgestorben), versuchte man es mit Pferdefleisch — und siehe da — es schmeckte. So wurde aus dem Saurierbraten der Sauerbraten, der bis heute als rheinisches Nationalgericht in unseren Gaststätten auf der Karte steht (außer bei McMampf).
Die erste schriftliche Erwähnung datiert auf das Jahr 793 n. Chr., als der erste Bischof von Münster während einer Mittagspause hier so rumspazierte und an einem Büdchen (früher Budica — daher auch die “Budicaoase”) eine Erfrischung zu sich nahm. Aus Büdchen wurde Büttgen und weil’s aus Holz war — Holzbüttgen. Im Jahr 1218 reiste Karl der Große zum Skifahren in die Schneeverhangenen Hänge des Hartmannsberg, der höchsten Erhebung Holzbüttgens und ein Highlight im damaligen Neckermannwinterreisekatalog. Bei einer seiner wilden Skihasenjagden dürstete es ihn nach einer Cola und so verschlug es ihn zu unserem Büdchen. Dieses hatte zwischenzeitlich ein Holländer namens Rudi Carell gepachtet und der verkaufte nur Käse. Das schmeckte Karl gar nicht, packte den Holländer an seinen Bolletje und warf ihn mitsamt seiner Klompen und Tulpenzwiebeln aus dem Land direkt in den Fernsehkanal. Zurück blieb der Käse, auf holländisch Kaas — und so entstand Kaarst. Das kleine Dorf Holzbüttgen wuchs im Laufe der Zeit zu einer riesengroßen Stadt heran bis eines Tages aus dem Süden die Termiten über den Ort herfielen, alles Holz fraßen und ein kümmerliches bisschen Büttgen übrig ließen.
Die nächsten Jahrhunderte dümpelt Holzbüttgen, Kaarst und Büttgen so vor sich hin, bis zum 30jährigen Krieg (1474 bis 1586). In der am 31.06.1586 stattfindenden entscheidenden Schlacht bei Brockers, sagt der 1591 auf einem Hof in Büttgen geborene Reitergeneral Jan von Werth, den berühmten Ausspruch: “Es ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein riesen Ding in meinem Schritt!”, oder so ähnlich. Von diesem Satz angespornt lässt Napoleon um 1800 den Nordärmelkanal erbauen, der eine große wirtschaftliche Bedeutung als Wasserstraße zwischen Maas und Rhein bekommen sollte. Leider scheiterte das Vorhaben im kleinen Örtchen Neersen (man war nicht Willich), trotz Hochkrempeln der Ärmel, und zurück blieb der Nordkanal, heute ein Paradies für Touristen und Hochseeangler.
1877 kam die Bahnlinie Neuss-Viersen und damit auch die Wirtschaft in unser Städtchen, wobei es in Holzbüttgen mittlerweile nur noch eine richtige Kneipe gibt. Im Jahre 1950 gründete sich der wohl wichtigste Verein Holzbüttgens, die Scheibenschützen — doch dazu nachher mehr. Heute ist Holzbüttgen die Mitte der Stadt Kaarst und somit Zentrum des Niederrheins. Millionen von Menschen besuchen uns jährlich — jedenfalls unseren Luftraum — und 1999 wurde ein neues Tor zur Welt geöffnet: Wir bekamen Regio-Bahn-Anschluss.

Also, besuchen Sie uns bald.

gez. Uwe Schmitz von den Scheibenschützen Holzbüttgen

Unsere Heimat

Vom Werden unserer Heimat-Landschaft

Das Gebiet von Kaarst- Büttgen liegt in der niederrheinischen Tiefebene.
Diese ist wieder ein Teil der großen Norddeutschen Tiefebene. Wenn man einmal Rückschau hält, so ist die Forschung über die Entstehung unseres Heimatgebietes zu folgendem Ergebnis gekommen: In der Zeit, vor vielen Jahrtausenden, senkte sich der Boden des Norddeutschen Tieflandes und das Meer ergoss seine Fluten über unser Gebiet. In großen Zeitabständen folgte dann später mehrmals ein Heben und Senken der Erdrinde im norddeutschen Gebiet. Beim Heben der Erdrinde floss das Meerwasser zurück. Ein heißes Klima erzeugte in unserer Gegend ausgedehnte Sumpfwälder mit mächtigem Baumbestand. Bei einer erneuten Bodensenkung ergoss sich das Meer wieder über unser Gebiet. Das einströmende Meerwasser brachte Meeressand mit, der die Urwälder bedeckte. Unter dem Luftdichten Abschluss des Meerwassers verkohlten die Urwälder. Im Laufe des Jahrtausende bildete sich aus dem Holz der Bäume die Braunkohle, die in unserem Heimatgebiet immer wieder angebohrt und bei Neurath, Frimmersdorf im Tagebeu gefördert wird.

Der Rhein floss ehemals über das Rheinische Schiefergebirge(Eifel, Westerwald, Hunsrück, Taunus). Bei Bonn stürzte sein Wasser in die Niederrheinische Tiefebene. Keine Dämme wieder damals in ein bestimmtes Bett.

Rechts und links durchflossen Rheinarme die etwas tiefer gelegenen Gegenden. Als unsere Heimat noch nicht besiedelt war, führte ein Rheinarm von Neuss über Neusserfurth, Kaarst, Holzbüttgen, Schiefbahn, Neersen. In Holzbüttgen ist das damakige Rheinufer noch zu erkennen. Wo Bismarck-, Königsts- und Hasselstraße ihren Anfang nehmen, zwischen den Höfen Hausmann und Hartmann steigt die Landstraße Holzbüttgen nach Büttgen sanft an. Im Volksmund heißt diese Steigung „Hartmannsberg“. Hier und entlang der Bismarckstraße, Hasselstraße und weiter zur Hüngert war das Ufer des Rheinarms. Es war in der damaligen Zeit steiler und tiefer. Diesen Rheinarm müssen wir uns als ein recht breites, nicht nimmer tiefes Wasser vorstellen. Er durchfloss die Gegend von Büderich, Kaarst und Holzbüttgen. Besonders bei Hochwasser lagerte der Rheinarm die mit geführten Sandmassen ab. Später hatte sich der Hauptrhein ein tieferes Bett gegraben und der Nebenarm versiegte, eine Sandmasse zurücklassend. Im Laufe der Jahre bedeckten Wälder unser heimatliches Gebiet. Auf den Waldbestand in alten Zeiten deuten die Namen unserer Ortteile hin: Kaarst-Karlsforst, Holzbüttgen, Vorst, Vorst-Wald, Rottes von Wald roden, oder die Buscherhöfe. Die Menschen haben den an für sich kargen Boden im Laufe der Zeit durch rege Kulturarbeit nutzbar gemacht. Die Gemarkung Hüngert in Holzbüttgen leitet ihren Namen von „Hunger“ ab, hungriger Boden. In Büderich entwickelte sich in der Neuzeit auf sandigem Boden eine Spargelkultur.

In Kaarst und Schiefbahn bildete der lockere Sandboden die Grundlage für Frühkartoffelanbau. Büdericher Spargel und Kaarster Kartoffeln genießen wegen ihrer Herkunft aus leichtem Boden einen guten Ruf. Vor Jahrzehnten gründeten die Kaarster Bauern eine Genossenschaft der Frühkartoffelerzeuger. Sie ließen am Kaarster Bahnhof eine Versteigerungshalle errichten. Zur Frühkartoffelzeit kamen die Bauern aus Kaarst und Umgebung mit hochgeladenen Fuhren zur Versteigerungshalle. Hier hatten sich die Kartoffelhändler der umliegenden Großstädte und des Ruhrgebiets eingefunden. Sie prüften die von den Bauern angebotenen Kartoffeln auf Sorte, Größe und Verschmutzung. In der Halle wurden dann die Kartoffeln versteigert. Die Großhändler mit dem Höchstgebot erhielt den Zuschlag. In Eisenbahnwaggons oder mit Lastwagen wurden die Kartoffeln an ihre Bestimmungsorte befördert. Die jeweiligen Tagespreise der Kaarster Versteigerung wurden täglich im Wirtschaftsteil der Zeitungen veröffentlicht. Sie galten als Richtpreise im rheinischen Lande.

Das Land südlich des alten Rheinarms, also auf Büttgen, Glehn und Grefrath zu, weist einen viel fruchtbareren Boden auf. In der Vorzeit lagerten gewaltige Staubstürme vom Westen her kalkhaltigen, sandigen Lehm (Mergel oder Löß) in einer dicken Schicht auf dem boiden ab. Wie drei Riesen, so haben Meer, Fluss und Wind an unserer heimatlichen Landschaft gewirkt und ihre Bodenbeschaffenheit gestaltet.

Wenn tiefe Löcher in unser heimatliches Erdreich gegraben werden, so stößt man in unterschiedlichen Tiefen auf Sand- und Kiesschichten. Diese sind Ablagerungen des Meeres und des Rheinarms. An Steinen enthielten die Ablagerungen Quarzkiesel, helle und dunkelrote Eisenkiesel, Kieselschiefer, rote Buntsandsteine. Alle haben eine lange Reise hinter sich. Quarzkiesel und graugrünen Schiefer brachte der Rhein aus dem Rheinischen Schiefergebirge mit und schwarzen Kieselschiefer aus der Lahngegend, rote Buntsandsteine stammen aus der Main- und Neckargegend.

Fitz Wülfing

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