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Karl Dammer (Ehrenbrudermeister)
"Holzbüttgen - mein Heimatdorf"
Es wird wohl kaum jemandem bekannt sein, dass unser Heimatdorf Holzbüttgen
ursprünglich ein altes Rheinbett gewesen sein soll. Folgende Aufzeichnungen
hierüber
entstammen einem Sohne unseres Heimatortes, dem Justizrat Peter Dammer,
der 1867
auf dem Junkerhof geboren wurde und im Mai des Jahres 1940 in Geldern
verstarb.
Seinem Wunsch entsprechend wurde er in seiner Heimatgemeinde Büttgen
zur letzten
Ruhe gebettet. Ich habe selten einen Menschen gekannt, der sich so heimatgebunden
fühlte und der die Geschichte und Entstehung seines Heimatdorfes
so intensiv erforscht
hat wie er.
Wenn man unser Heimatdorf einer genaueren Betrachtung unterzieht, so muss
man
feststellen, dass es tatsächlich in einer Mulde liegt, die beiderseits
nach Kaarst und
Büttgen hin ansteigt. Diese Mulde kommt von Neuss und ist über
Holzbüttgen, Vorst,
Holzbüttgerhaus, Büttgerwald, Schiefbahn, Neersen und darüber
hinaus zu verfolgen.
Erst als der Rhein sich ein neues Bett schaffte, dass dem augenblicklichen
wohl gleich
kam, trocknete dieser Nebenarm aus und es bildeten sich Waldbestände,
die bei späteren
Besiedlungen unserem Heimatorte sehr wahrscheinlich den Namen Holzbüttgen
gegeben
haben. Reste dieser Bewaldung waren noch bis ins heutige Jahrhundert festzustellen.
Die
ältere Generation wird sich heute noch erinnern an die "Kieshött",
Waldstück zwischen
Gümgesbrücke und Stadtgrenze Neuss, den "Sandberg"
zwischen Gümgesbrücke, der
Bahnstrecke entlang Richtung Kaarst, dem "Schroersbusch" zwischen
Hüngert und
Stadtgrenze Neuss, dem "Schifferbusch", jetzt Autohaus Müller
bis Messebau, den
"Pannenbeckerbusch" beiderseits und hinter der alten Schule,
dem "Riedbusch" zwischen
Hassel und Königstraße sowie dem Holzbütterhaus mit seiner
Umgebung. Die damaligen
Klöster und Kirchen hatten einen Spürsinn für die Aufschließung
derartiger Gebiete und
so kam es, dass nach erfolgter Rodung und Urbarmachung Höfe entstanden,
die im
Besitz von Klöster und Kirchen waren. Diese Höfe wurden nicht
von Ihnen selbst
bewirtschaftet, sondern an Bauern verpachtet. Die Errichtung eines derartigen
Klostergutes ist heute noch festzustellen auf dem Junkerhofe, wo auf einem
Balken
neben dem Eingang zum Wohnhaus folgendes eingemeißelt steht: "Hat
errichten lassen Anna Maria
Henrix Äbtissin von St. Apern Lehnfrau von
Alstaden". Es soll das Jahr 1721 gewesen sein. Die Pächter dieser
Güter hatten den
Pachtzins je nach Anweisung der Verpächter in Natura bzw. in Geld
zu zahlen. Der
Gesamterlös ging auf Veranlassung des Dechanten der Apostelkirche
in Köln zum
größten Teil nach Düsseldorf an die "Stiftskirche
Unserer lieben Frau". Folgende
Kirchen und Klostergüter sind heute noch erhalten: Holzbüttgerhaus,
Der Risgeshof, Der
Hasseishof, Der Junkerhof und der Commerhof. Diese Kirchen- und Klostergüter
wurden später enteignet und gingen in Privatbesitz über. Es
wurde nämlich urkundlich
festgestellt, dass im Jahre 1964 der Junkerhof von einem Heinrich Dammer
aus Hinsbeck
Amt Krickenbeck erworben wurde. Kirchlich gehörte Holzbüttgen
zur Gemeinde
Büttgen. Die gesamte Bevölkerung bestand damals ausschließlich
aus Katholiken. Eine
Fahrgelegenheit bestand noch nicht und so marschierte Sonn- und Feiertags
ganz
Holzbüttgen zum Gottesdienst nach Büttgen und zwar bis zum Jahre
1935, wo wir
seitens der Barbarapfarre in Neuss eine Baracke erwarben, die durch Eigenleistung
errichtet und in der jeden Sonntag die hl. Messe gelesen wurde.
Die St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Büttgen zählte
damals auch eine anschliche
Zahl Holzbüttgener Mitglieder, die wie heute in Zügen zusammengeschlossen
waren und
an allen Schützenfestlichkeiten der Bruderschaft teilnahmen. Durch
das ständige Hin-
und Hermarschieren wurde die Beteiligung der Holzbüttgener immer
geringer, aber der
Drang nach Selbstständigkeit immer größer. So kam es,
dass Holzbüttgen sich in den
dreißiger Jahren von Büttgen lossagte und einen eigenen Verein,
den Deutschen
Schützenverein ins Leben riefen. Dieser Verein, der in wenigen Jahren
bereits eine
eigene Fahne besaß, existierte über den zweiten Weltkrieg hinaus
bis zum Jahre 1950.
Anfang dieses Jahres kam der damalige Pastor Müller zu mir zwecks
Rücksprache über
die Bildung einer St.-Seb.-Schützenbruderschaft für unsere Pfarrgemeinde
Holzbüttgen.
Dieser Wunsch sei von einem großen Teil der Pfarrgemeinde an ihn
herangetragen
worden. Ich gab ihm zu verstehen, dass der Deutschen Schützenverein
noch bestehe und
man vorher eine Klarstellung über eine evtl. Verschmelzung mit der
neu zu gründenden
St.-Seb.-Schützenbruderschaft erreichen könne. Nach einer Aussprache
mit dem Vorstand dieses
Vereins erklärte man sich bereit, falls die Gründung der St.-Seb.-
Schützenbruderschaft zustande käme, den Deutschen Schützenverein
aufzulösen, um
geschlossen der Schützenbruderschaft beizutreten. Die Gründung
und Zusammenführung
erfolgte im Frühjahr 1950 in einer von Herrn Pastor Müller einberufenen
Pfarrversammlung. In dieser Gründungsversammlung wurde dann auch
gleich der l.
Brudermeister und dessen Stellvertreter gewählt, die Herren Karl
Dammer und Karl
Frommen. Es war von Anfang an unser Bestreben, das Schützenfest neben
der Pflege
der Kameradschaft, zu einem Volks- und Heimatfest zu machen, was uns in
wenigen
Jahren schon gelungen ist. Mein Nachfolger und erster Schützenkönig
Hubert Maassen
sowie der augenblickliche Brudermeister Peter Hellendahl haben es verstanden,
das
Volks- und Heimatfest den Gegebenheiten der Holzbüttgener bevölkerung
entsprechend
weiter auszubauen, so daß heute unser Heimatdorf Holzbüttgen
stolz sein kann auf ein
Zusammengehörigkeitsgefühl nicht nur der Urholzbüttener,
sondern auch auf alle
Neubürger, die nach dem zweiten Weltkrieg zu uns gekommen sind. Wir
alle gemeinsam
sind Holzbüttgener und lieben unser Heimatdorf und allen soll der
Wahlspruch des
Verbandes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften Richtung
gebend
bleiben, der da lautet
Für Glaube, Sitte und Heimat.
Karl Dammer 60er Jahre
Ehrenbrudermeister
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