Das Schützenwesen gehört für die Menschen
im Rheinland schon seit Jahrhunderten
zum gelebten Brauchtum. Die
Bürger der Ortschaft Holzbüttgen bilden
da keine Ausnahme. Aufgrund des 75-
jährigen Jubiläums der Holzbüttger St.
Sebastianus Schützenbruderschaft ist
es an der Zeit, ein wenig in die Vergangenheit
zu schauen.
Bis zum Jahr 1948 gehörte die Ortschaft
Holzbüttgen zur Pfarrei St. Aldegundis
im damals noch vom Nordkanal sichtbaren
Büttgen. Wie schon damals besteht
auch heute noch eine enge Verbindung
zwischen der Kirche und dem
Schützenwesen. Deshalb ist es nicht
verwunderlich, dass die Schützenbrüder
aus Holzbüttgen zu dieser Zeit der
Schützenbruderschaft in Büttgen angehörten.
Der Ablauf des Schützenfestes
war auch früher schon klar festgelegt.
Am Sonntagmorgen marschierten die Holzbüttger Schützen in geschlossener
Formation nach Büttgen, um am dortigen
Umzug und der Vormittagsparade
teilzunehmen. Montags führte der
Marschweg die Schützenbrüder durch
Büttgen und Driesch, wohingegen der
das Schützenfest abschließende Umzug
am Dienstag durch Holzbüttgen führte.
Mitte der dreißiger Jahre bekam Holzbüttgen eine eigene Notkirche, um Gottesdienste
abzuhalten. Im Zuge dieses
Neubaus kam es, unterstützt durch den
immer stärker werdenden Selbstständigkeitsdrang
der Holzbüttger, 1936 zur
Gründung des „Deutschen Schützenvereins
Holzbüttgen“. Unter diesem Dachverband
mit seinem ersten Vorsitzenden
Karl Frommen führten die Schützenzüge
bis zum Kriegsausbruch einen ortseigenen
Umzug durch die Ortschaft Holzbüttgen.
Der erste Holzbüttger Schützenkönig
war Heinrich I. (Krings) mit
seiner Königin Katharina im Jahr 1936.
Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die
durch Bomben stark beschädigte Notkirche
unter großen Anstrengungen durch
eine feste Kirche ersetzt. Dies führte
letztendlich zur Umwandlung in eine
eigenständige Pfarrei unter dem Vorsitz
von Pastor Müller. Um das nach dem |

1936: Vorreiter im Gründungsjahr |

1952: Pastor Ferdinand Müller
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Aus den 50er Jahren: Holzbüttgen von oben |
| Krieg stark zurückgegangene Vereinsleben wieder zu beleben, gab der Pastor den Anstoß zur Neugründung einer eigenständigen Bruderschaft in Holzbüttgen. Daraufhin wurde 1950 der „Deutsche Schützenverein Holzbüttgen“ aufgelöst, und die einzelnen Züge traten der noch heute bestehenden St. Sebastianus Bruderschaft Holzbüttgen bei. Als Folge der gewonnenen Selbständigkeit und der sich nach dem Krieg rasant ändernden demographischen Verhältnisse wuchs die Mitgliederzahl der St. Sebastianus Schützenbruderschaft quer durch alle Altersgruppen kontinuierlich an. |
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1965: Gaststätte Hannen (Holzbüttger Krug) |

1951: Blick ins Schützenzelt |
Beeinflusst durch unterschiedlichste
Faktoren haben sich Festabfolge und
Marschweg ab 1950 immer wieder geändert.
So wurde früher beispielsweise
der König an Fronleichnam ausgeschossen
und nicht wie momentan üblich an
Kirmesdienstag. Beginn der Schützenumzüge
war nicht wie heute traditionell
der Festplatz, sondern es wurden Fahnenaufmärsche
bei den lokalen Gaststätten
Hannen (Holzbüttger Krug) und
Bienefeld durchgeführt, um von dort
den Zug durch Holzbüttgen zu starten.
Darüber hinaus fand die Königsparade
zunächst auf der Königstraße statt. Erst
ab Mitte der sechziger Jahre wurde die
Königsparade auf der Kaarster Straße
durchgeführt.
Seit der Gründung haben sieben Schützenbrüder
das Amt des 1. Brudermeisters
in Holzbüttgen ausgeübt, gar acht verschiedene Oberste haben das Regiment
mit ihren Adjutanten über Holzbüttgens
Straßen geführt. Auch der
Fackelzug zu Königs- und Oberstehrenabend
kam, genau wie die Einrichtung
des heute sehr beliebten Bürgerfrühschoppens,
erst später in Mode. |
Schützenfest als Kulturereignis
Gerade zu einer Zeit, als Mobilität noch
nicht wie heute selbstverständlich war,
stellte das Schützenfest für die Bürger
einen Höhepunkt im Terminkalender
dar. Es wurde oftmals gleich die ganze
Verwandtschaft eingeladen, um aktiv
oder als Zuschauer den Reiz des Heimatfestes
und das schon traditionell hervorragende
Wetter zu genießen.
Schon vor 1936 stand in Holzbüttgen
ein eigenes Festzelt. Dort fanden schon
damals legendäre Tanzveranstaltungen |

1957: Ehrenmal |

1994: Edelknaben auf der Kaarster Straße |
statt, bei denen nachweislich immer
wieder entscheidende zwischenmenschliche
Kontakte geknüpft wurden.
Der Festplatz befand sich jedoch nicht
immer an seinem heutigen Standort. Gefeiert
wurde früher auf dem Gelände der
heutigen katholischen Kirche “Sieben
Schmerzen Mariens“. Dort befand sich
ein Reitplatz, der als Platz für Zelt und
Schausteller diente.
Nicht nur durch die Ausrichtung des
Schützenfestes, sondern auch durch viele
andere Aktivitäten haben die Schützen
großen Anteil an der immer weiter
voranschreitenden Umgestaltung von
Holzbüttgen. Beispielhaft kann hier die
Pflege des Holzbüttger Ehrenmales genannt
werden, welches 1957 und 2007
jeweils grundrenoviert wurde und noch
heute durch Schützen betreut wird.
Nicht nur am Schützenfest, sondern
während des gesamten Jahres werden
in langer Tradition Kinderbelustigungen,
Seifenkistenrennen oder Seniorennachmittage
als Beitrag zum gesellschaftlichen
Leben in Holzbüttgen durch die
Schützen veranstaltet.
Wie die St. Sebastianus Schützenbruderschaft
hat sich auch der Ort Holzbüttgen
in den vergangenen 75 Jahren
stark verändert. Dies ist aufwendig recherchiert
und mit viel Liebe zum Detail
dargestellt im Jubiläumsbuch “Ortschaft
Holzbüttgen“ der St. Sebastianus Schützenbruderschaft
1936 e.V.
Abschließend kann gesagt werden, dass
Brauchtumspflege aufgrund der Tradition
und aufgrund der Identifikation der
Bürger auch weiterhin einen großen Anteil
an der zukünftigen Entwicklung von
Holzbüttgen haben wird. |