Geschichte - Unsere Bruderschaft - Vom Werden unserer Heimat-Landschaft
Vom Werden unserer Heimat-Landschaft Das Gebiet von Kaarst- Büttgen liegt in der niederrheinischen Tiefebene. Der Rhein floss ehemals über das Rheinische Schiefergebirge(Eifel, Westerwald, Hunsrück, Taunus). Bei Bonn stürzte sein Wasser in die Niederrheinische Tiefebene. Keine Dämme wieder damals in ein bestimmtes Bett. Rechts und links durchflossen Rheinarme die etwas tiefer gelegenen Gegenden. Als unsere Heimat noch nicht besiedelt war, führte ein Rheinarm von Neuss über Neusserfurth, Kaarst, Holzbüttgen, Schiefbahn, Neersen. In Holzbüttgen ist das damakige Rheinufer noch zu erkennen. Wo Bismarck-, Königsts- und Hasselstraße ihren Anfang nehmen, zwischen den Höfen Hausmann und Hartmann steigt die Landstraße Holzbüttgen nach Büttgen sanft an. Im Volksmund heißt diese Steigung „Hartmannsberg“. Hier und entlang der Bismarckstraße, Hasselstraße und weiter zur Hüngert war das Ufer des Rheinarms. Es war in der damaligen Zeit steiler und tiefer. Diesen Rheinarm müssen wir uns als ein recht breites, nicht nimmer tiefes Wasser vorstellen. Er durchfloss die Gegend von Büderich, Kaarst und Holzbüttgen. Besonders bei Hochwasser lagerte der Rheinarm die mit geführten Sandmassen ab. Später hatte sich der Hauptrhein ein tieferes Bett gegraben und der Nebenarm versiegte, eine Sandmasse zurücklassend. Im Laufe der Jahre bedeckten Wälder unser heimatliches Gebiet. Auf den Waldbestand in alten Zeiten deuten die Namen unserer Ortteile hin: Kaarst-Karlsforst, Holzbüttgen, Vorst, Vorst-Wald, Rottes von Wald roden, oder die Buscherhöfe. Die Menschen haben den an für sich kargen Boden im Laufe der Zeit durch rege Kulturarbeit nutzbar gemacht. Die Gemarkung Hüngert in Holzbüttgen leitet ihren Namen von „Hunger“ ab, hungriger Boden. In Büderich entwickelte sich in der Neuzeit auf sandigem Boden eine Spargelkultur. In Kaarst und Schiefbahn bildete der lockere Sandboden die Grundlage für Frühkartoffelanbau. Büdericher Spargel und Kaarster Kartoffeln genießen wegen ihrer Herkunft aus leichtem Boden einen guten Ruf. Vor Jahrzehnten gründeten die Kaarster Bauern eine Genossenschaft der Frühkartoffelerzeuger. Sie ließen am Kaarster Bahnhof eine Versteigerungshalle errichten. Zur Frühkartoffelzeit kamen die Bauern aus Kaarst und Umgebung mit hochgeladenen Fuhren zur Versteigerungshalle. Hier hatten sich die Kartoffelhändler der umliegenden Großstädte und des Ruhrgebiets eingefunden. Sie prüften die von den Bauern angebotenen Kartoffeln auf Sorte, Größe und Verschmutzung. In der Halle wurden dann die Kartoffeln versteigert. Die Großhändler mit dem Höchstgebot erhielt den Zuschlag. In Eisenbahnwaggons oder mit Lastwagen wurden die Kartoffeln an ihre Bestimmungsorte befördert. Die jeweiligen Tagespreise der Kaarster Versteigerung wurden täglich im Wirtschaftsteil der Zeitungen veröffentlicht. Sie galten als Richtpreise im rheinischen Lande. Das Land südlich des alten Rheinarms, also auf Büttgen, Glehn und Grefrath zu, weist einen viel fruchtbareren Boden auf. In der Vorzeit lagerten gewaltige Staubstürme vom Westen her kalkhaltigen, sandigen Lehm (Mergel oder Löß) in einer dicken Schicht auf dem boiden ab. Wie drei Riesen, so haben Meer, Fluss und Wind an unserer heimatlichen Landschaft gewirkt und ihre Bodenbeschaffenheit gestaltet. Wenn tiefe Löcher in unser heimatliches Erdreich gegraben werden, so stößt man in unterschiedlichen Tiefen auf Sand- und Kiesschichten. Diese sind Ablagerungen des Meeres und des Rheinarms. An Steinen enthielten die Ablagerungen Quarzkiesel, helle und dunkelrote Eisenkiesel, Kieselschiefer, rote Buntsandsteine. Alle haben eine lange Reise hinter sich. Quarzkiesel und graugrünen Schiefer brachte der Rhein aus dem Rheinischen Schiefergebirge mit und schwarzen Kieselschiefer aus der Lahngegend, rote Buntsandsteine stammen aus der Main- und Neckargegend. Fitz Wülfing
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