| Schützenfest - 2010 - Das „Holzbüttger Haus“, die Wurzel unseres Heimatortes
Das „Holzbüttger Haus“, die Wurzel unseres Heimatortes |
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Die Errichtung des „Holzbüttger Hauses“ ist nicht eindeutig belegt, lässt sich aber zumindest auf die Anfänge des 14. Jahrhunderts zurückführen. Im Jahr 1334 erfährt die als „Holzbüttger Haus“ bezeichnete Burg erstmalig urkundlich Erwähnung unter seinem damaligen Besitzer Johann von Holzbüttgen.
Die Anlage wurde als eine Wasserburg erbaut, die sich in Vorburg und Hauptburg aufteilte. Ein Wassergraben in einer Breite von bis zu 15 m umschloss das Gesamtareal, während Vor- und Hauptburg durch einen inneren Graben getrennt wurden. Auch dieser zweite Wassergraben war von gleicher Breite und bot über eine Zugbrücke eine Verbindung zwischen den beiden Burgteilen.
Da als Standort der Burg ein Moorgelände ausgewählt wurde, war es notwendig, die Fundamente auf Holzpfahlrosten zu gründen. Bemerkenswert ist, dass die Wasserburg in einer
Ziegelbauweise errichtet wurde, was für die damalige Zeit noch recht selten war.
In den weiteren Jahren herrschten die Ritter von Holzbüttgen von diesem sicheren Ort aus, der Schutz in kriegerischer Zeit bot. Sie ließen den umliegenden Wald roden, um ihre Verteidigungs¬position gegenüber Angreifern zu verbessern und um Ackerflächen zu gewinnen.
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Durch Erbschaft und Heirat wechselte der Besitz zu derer von Neersen. Doch die wirtschaftliche Lage zwang zur wiederholten Verpfändung der Burganlage mit seinen ausgedehnten Ländereien, Waldungen sowie vier kleinen Höfen an das Quirinusstift zu Neuss.
Im Jahre 1464 ging dann das Eigentum endgültig in kirchliche Hand über. Die neuen Herrinnen, die Äbtissinnen des St. Quirinus Ordens, nutzten lediglich die Hauptburg einige Monate im Jahr, während der Rest von Pächtern bewirtschaftet wurde.
In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts nahmen die aufkeimenden konfessionellen Auseinandersetzungen kriegerische Züge an. Als der Kölner Erzbischof und Kurfürst Gebhardt von Truchsess von Waldburg zum Protestantismus konvertierte, wurde daraufhin Ernst von Bayern zu dessen Nachfolger auf dem Bischofsstuhl gewählt. Dieser Konflikt führte zu erbitterten Kampfhandlungen, die insbesondere im Neusser Umland ausgetragen wurden. Im Jahre 1584 griffen Truchsessische Truppen die Holzbüttger Burg an, in der sich die erzbischöflichen Truppen Ernst von Bayerns verschanzt hatten. Am Ende konnten die starken Mauern dem Kanonenbeschuss nicht standhalten, so dass die Angreifer die Burg einnehmen, plündern und bis auf die Grundmauern niederbrennen konnten. Ähnlich der Zerstörung des Holzbüttger Hauses erging es in der Folgezeit zahlreichen anderen Burgen im Umkreis.
Als 1588 der Truchsessische Krieg mit dem Sieg der katholischen Partei endete, waren die Holzbüttger Ländereien in starke Mitleidenschaft gezogen worden. Die Bewirtschaftung begann danach sehr zögerlich, bis 1618 der dreißigjährige Krieg ausbrach und nach und nach wieder alle Bemühungen zunichte machte.
Erst um das Jahr 1660 wurden die Ländereien durch das Quirinus-Stift erneut verpachtet.
Im Jahre 1790 kam es dann zum Abriss der verbliebenen Vorburg. Die letzte Äbtissin des Stiftes, Felicitas Auguste Baroness von Wallbott, ließ in einer Bauzeit von einem Jahr das Holzbüttger Haus als Rittergut neu errichten. Das Wappen der Äbtissin prangte über dem Haupteingang des Gutshauses (heute an gleicher Stätte, am Kaarster Bauhof zu sehen). |
Vier Jahre später führte die Besetzung des Rheinlandes durch französische Revolutionstruppen zur Säkularisierung, d.h. zur Verstaatlichung der kirchlichen Besitztümer. Der damalige Pächter Johan Josephs musste von nun an seine Pacht an den französischen Staat abführen. In der Folgezeit wurde Josephs zum ersten Bürgermeister der Gemeinde Büttgen bestellt, die zu diesem Zeitpunkt 1240 Einwohner umfasst hatte. Schließlich, im Jahre 1802, verkauften die Franzosen an ihn das Rittergut Holzbüttger Haus.
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Einige Jahre später endete die Besatzungszeit und die politischen Verhältnisse änderten sich. Neue Verwaltungsordnungen zogen ein, die sich auch auf die Bestellung der Abgeordneten des Kreistages niederschlugen. Von 1827 an waren die Vertreter der neun, im Kreis Neuss liegenden Rittergüter geborene Mitglieder der Kreisverwaltung. Dies unterstreicht einmal mehr den Stellenwert des Holzbüttger Hauses in der damaligen Zeit.
Doch nach wiederholter Vererbung stand der Besitz ein drittes Mal zum Verkauf an. Im Jahre 1895 wurde der Bauunternehmer Bernhard Hoeveler neuer Eigentümer des Holzbüttger Haus. Weder er noch seine Nachkommen bewirtschafteten das Gut in Eigenregie, sondern verpachteten es über fast sechs Jahrzehnte hinweg an ansässige Landwirte.
In der Mitte der 50ziger Jahre des letzten Jahrhunderts erfolgt der vierte Verkauf, an die Stadt Düsseldorf. Die Stadt erhoffte sich davon, auf den erworbenen Ländereien eine Wohnsiedlung für Düsseldorfer Bürger zu errichten. Doch dieses Ansinnen scheiterte an der kommunalen Politik, wodurch weiterhin landwirtschaftliche Pächter die Bewirtschaftung vornahmen.
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Das Herrenhaus und einige Wirtschaftsgebäude waren im Laufe der Jahre so marode und baufällig geworden, dass man sich zum vollständigen Abriss im Jahre 1965 entschloss. Vorher baute die Stadt Düsseldorf an anderer Stelle einen neuen Hof für die Ländereien.
Das verbleibende Areal des Holzbüttger Hauses wurde im Jahr 1976 zum fünften mal verkauft, nun an die Stadt Kaarst. Die neuen Besitzer wollten auf dem Gelände ein
neues Schulzentrum und einen Bauhof errichten.
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Und hier schließt sich der Kreis: Beim Bodenaushub für den neuen Bauhof stießen Arbeiter auf die Fundamente der längst verschollen geglaubten Burganlage. In den Jahren 1984 bis 1986 erfolgten daraufhin die Ausgrabungen durch das Rheinische Amt für Bodendenkmalpflege. Dabei wurden die Fundamente der mittelalterlichen Vor- und Hauptburg freigelegt und es wurde auch der die Anlage teilende Wassergraben mit den Resten der Zugbrücke gefunden. Um die historische Stätte vor der Witterung und Zerstörung zu schützen, wurden die Fundamente mit Sand verfüllt und die Grundmauer mit einer schützenden Pflasterung versehen.
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Damit blieb die Burg der Nachwelt als Bodendenkmal erhalten. Heute ist noch deutlich die quadratische Hauptburg mit ihren Räumen zu erkennen. Die Vorburg allerdings bleibt den Blicken des Besuchers verschlossen, denn sie liegt heute unter dem bebautem Gelände des städtischen Bauhofes.
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Vielen Dank dem Archiv der Stadt Kaarst für die Bereitstellung der Fotos sowie dem Schützenbruder Bernd Wiescholleck für die hervorragende Aufarbeitung der geschichtlichen Hintergründe zum Holzbüttger Haus in seiner Dokumentation „Holzbüttgen, ein Stück Heimat“.
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