Schützenkönig 2018 — Interview mit dem Königshaus

Noch einmal das volle Programm — weil es Spaß macht!

v.l.n.r. Daniela Schüpper, Stefan Schüpper, S.M. Thomas III (Tillmann), Königin Petra Tillmann, Marion van Hooven, Stephan van Hooven

Wann hast du das erste Mal daran gedacht, nochmal Schützenkönig zu werden?
Thomas: Am 07.05.2008! Nein im Ernst, es war der 75.Geburtstag meines Vaters und meine Frau sagte zu mir „warum eigentlich nicht nochmal Königspaar sein?“. In unserem ersten Königsjahr waren wir noch sehr stark auf Babysitter angewiesen und daher konnte Petra nicht an allen Veranstaltungen teilnehmen.

Petra: Genau, das erste Jahr habe ich ja quasi gar nicht richtig mitbekommen. Deshalb wollte ich noch einmal das volle Programm mitnehmen. Außerdem sollten die Kinder noch nicht so alt, aber schon aus dem Gröbsten raus sein, so Hofdamenführer eben.

Thomas: Wir haben uns dann für 2018 entschieden, da ich in diesem Jahr auch noch 40‐jähriges Jubiläum habe und es sich einfach gut angefühlt hat. Toll,dass es dann auch genauso geklappt hat.

Wie und wann habt ihr denn von dem Plan der beiden erfahren?
Stephan: Also eigentlich hat uns Thomas schon direkt 2008 in seine Pläne eingeweiht, da wir ja auch beim letzten Amt dabei waren. Unsere spontane Antwort war dann: „Schau ́n mer mal, aber vemutlich sind wir auch wieder dabei.“

Marion: Uns hat es beim letzten Mal ja auch gefallen, deshalb ist uns die Entscheidung letztendlich nicht schwer gefallen.

Stefan: Also wir beide sitzen seit dem letzten Jahr mit im Boot. Wir sind jetzt im Gegensatz zu den beiden anderen noch nie in der Position eines Ministerpaares gewesen, aber bisher haben wir unsere Entscheidung absolut nicht bereut. Ich glaube jedoch, dass es auch deshalb leicht fällt, weil Petra und Thomas ja jetzt schon lange das Königsjahr planen.

Wie hat es der Zug aufgenommen?
Thomas: Ehrlicherweise gab es schon eine kontroverse Diskussion, als ich meinen Wunsch geäußert habe. Wir haben hier auch ganz offen über Dinge gesprochen, die im ersten Königsjahr nicht ganz optimal verlaufen sind. Schlusendlich freut mich aber die breite Unterstützung meines Zuges und ich bin mir sicher, dass wir zusammen eine tolle Zeit haben werden.

Nehmt ihr denn die Termine in diesem Königsjahr anders wahr, als beim ersten Mal?
Stephan: Irgendwie fühlt es sich ein wenig routinierter an. Also ich bin jetzt nicht mehr ganz so aufgeregt, wie vielleicht noch beim ersten Mal. Vielleicht ändert sich das noch bis zum Schützenfest, aber bisher sehe ich es ganz entspannt.

Stefan: Ich denke, wir wissen halt alle durch das erste Königsjahr oder durch die regelmäßige Teilnahme als Vorstandsmitglied, was auf uns zukommt und sehen dies daher ganz entspannt. Wir kennen jetzt ja die Abläufe.

Petra: Ich freue mich vor allem darüber, mal alle Termine entspannt wahrnehmen zu können, ohne durch den Babysitter eingeschränkt zu sein. Das hat mich beim ersten Mal wirklich gestört.

Habt ihr im Vorstand die Abläufe eines Königsjahres noch zu euren Gunsten verändert?
Alle: Nein, noch nicht (lachen)!

Thomas: Jetzt mal ernsthaft, ich finde schon, dass in den letzten Jahren einige Abläufe geändert wurden, die mich vor 10 Jahren schon noch gestört haben. Als Beispiel fällt mir hier die Banderolenverteilung an die Gäste des Königs ein.

Auf was freut ihr euch denn am meisten?
Stefan: Einfach auf Schützenfest!

Marion: Auf das BFK! Sonst hören die immer genau da auf zu spielen, wo ich stehe! Ich weiß nicht woher die wissen wo ich stehe, aber jetzt müssen die mal an mir vorbeilaufen und spielen.

Thomas: Ich freue mich schon sehr auf den Einmarsch im Zelt. In meinem ersten Königsjahr ist der König noch in der Mitte des Regimentes im Zelt eingezogen, da waren die meisten noch draußen. Es ist aber ein erhebendes Gefühl, wenn der König in ein voll besetztes und gut gelauntes Zelt einmarschieren darf. Ich glaube darauf freue ich mich schon speziell.

Marion: Richtig schön finde ich, dass unsere Blumenmädchen von 2008 jetzt als Hofdamen wieder dabei sind. Die hatten schon damals am Kirmesdienstag T‐ Shirts mit der Aufschrift Hofdame 2018 an. Es freut mich schon sehr, dass die immer noch Spaß daran haben mit uns über die Straße zu laufen und Abends zu feiern.

Daniela: Ich freue mich auch darüber, dass unsere Kinder als Hofdamenführer und Blumenmädchen aktiv teilnehmen. So ist die ganze Familie involviert und hat auch etwas davon.

Werdet ihr im Dorf jetzt anders angesprochen, nachdem ihr das offizielle Königspaar seid?
Thomas: Bei mir sagen sie jetzt Majestät, vorher war ich nur der Bulle!

Petra: Eigentlich kennen uns jetzt nicht mehr Leute, auch nach dem ersten Königsjahr nicht. Klar, die Männer sind schon aufgrund ihrer Vorstandsarbeit vielen bekannt, aber mich erkennen jetzt nicht wirklich mehr Leute.

Stephan: Das kommt bestimmt noch, je näher das Schützenfest rückt. Es gibt ja dann auch einen Artikel in der Zeitung und das Festheft wird mit unserem Konterfei im Dorf verteilt.

In Holzbüttgen gab es im letzten Jahr keinen Bewerber für den Schützenkönig und auch du, Thomas hast gegen dich selber geschossen. Habt ihr eine Erklärung für diese Entwicklung?
Stefan: Ich denke, die Ausrede vieler Schützen, aufgrund der vielen Termine will ich das nicht, ist scheinheilig. Es muss ja schließlich nicht jeder Termin wahrgenommen werden. Es sind die 3–4 Schützenfeste und eigentlich auch nur noch ein richtiger Ball, der als Termin besucht werden kann. Insgesamt komme ich da vielleicht auf 10 Termine im Jahr, das finde ich nicht zu viel. Ich weiß jetzt aber nicht, wie es vor 10 Jahren war.

Petra: Es waren damals gefühlt schon mehr Termine. Wir waren zum Beispiel noch auf verschiedenen Krönungen eingeladen und es gab mehr Bälle. Ich glaube, manche Leute denken, oben auf der Bühne ist es sterbenslangweilig! Da kann ich aber aus voller Überzeugung sagen, das stimmt nicht!

Marion: Na ja, die Vorstellung vieler ist da vielleicht einfach auch nicht realistisch. Als wir das zum ersten Mal gemacht haben, habe ich mir auch viel mehr Sorgen gemacht, ob wir das mit den Terminen schaffen, wie wir auf der Straße wirken. Damals waren die Kinder dann auch kleiner und ich wusste irgendwie nicht so richtig, was auf mich zukommt. Dann hab ich aber gemerkt es ist gar nicht so viel und eigentlich bekommt man es immer gestemmt …

Stephan: … und es hat Spaß gemacht!

Marion: Genau, es hat Spaß gemacht. Deshalb ja auch der direkte Entschluss, da nochmal mitzumachen. In diesem Jahr mache ich mir auch weniger Stress und bisher sind wir damit sehr gut gefahren.

Petra: Aber ehrlicherweise brauchst du als junges Paar dann schon einen Babysitter. Das war nämlich vor 10 Jahren unser großes Problem, da müssen wir auch fair bleiben. Ohne geht es nicht! Glücklicherweise haben wir dieses Problem jetzt nicht mehr.

Was ist denn das Tolle? Warum soll ich König werden?
Petra: Also ich glaube bei den Männern ist es einfach ein Herzenswusch. Als ich Thomas kennengelernt habe, war es fast das erste, was er zu mir gesagt hat. „Ich bin Schütze und irgendwann werde ich Schützenkönig!“ Ich glaube aber mittlerweile, dass sich der Wunsch mit dem Alter ändert.

Thomas: Stimmt, ich bin in einer Schützenfamilie aufgewachsen und irgendwann kristallisiert sich da heraus, dass man einmal Schützenkönig gewesen sein muss. Ich bin ein Stück weit mit dem Verständnis, und damit auch dem Wunsch, aufgewachsen meine Schützenlaufbahn zu krönen. Viele junge Leute haben so viele Dinge im Kopf, und es gibt ja auch viele neue Wege der Freizeitgestaltung. Da nimmt das Schützenwesen auch gar nicht mehr eine solche Bedeutung in der Familie ein und damit stellt sich leider die Frage nicht, ob ich König werde oder nicht.

Könnt ihr euch auch noch an euer erstes Schützenfest erinnern und hat das Schützenfest vielleicht auch Einfluss auf eure Beziehung genommen?

Stefan: Puh da war ich Edelknabe, das ist jetzt 30 Jahre her.
Daniela: Also Erinnerungen hab ich auch keine mehr, aber ich war gerade frisch geschlüpft, da ging es auch schon los. Mein Vater war Schütze in Hemmerden, mein Stiefvater Schütze in Neuss, da ist das Schützenwesen eigentlich immer präsent in der Familie gewesen. Ich kenne das gar nicht anders! Irgendwie klar, dass ich dann auch einen Schützen ge‐ heiratet habe. War halt ein K.O.-Kriterium.

Marion: Ich bin als Neusser Mädel auch mit dem Schützenfest groß geworden. Keine Ahnung, wann ich meinen ersten Zug gesehen habe, aber ich habe meinen Vater immer gedrängt auch Schütze zu werden, damit ich auch mal Blümchen bringen darf. (In Neuss bringen die Frauen ihren Männern oder Vätern Blumen beim Zug). Alle anderen Kinder brachten ihren Vätern immer Blumen und ich war da immer neidisch, wenn ich keine bringen konnte. Wahrscheinlich ist darin auch begründet, dass auch für mich immer nur ein Schütze als Mann in Frage kam (zu Stephan gewandt: „Haste Glück gehabt“).

Stephan: Ich habe damals noch in Meerbusch Strümp gewohnt und meine Anfänge liegen bei den dortigen Tell‐ Schützen. Ich habe schon noch einige Bildfragmente im Kopf, aber ehrlicherweise nichts Genaues mehr. Auf jeden Fall hat es mich bisher nicht mehr los‐ gelassen. Ich bin aktuell sogar in zwei Schützenzügen aktiv dabei.

Thomas: Meine Frau hat es hier direkt mit dem Holzhammer bekommen! Sie wurde von Bremerhaven hierher verschleppt und direkt vor vollendete Tatsachen gestellt.

Petra: Es war ganz furchtbar. Ich habe gedacht, was sind das denn für Pappnasen, die in Unform bei sengender Hitze durch das Dorf laufen. Konnte mir damals nicht vorstellen, mal Teil des Ganzen zu sein.

Thomas: Zu der Zeit warst du auch noch Fan von Werder Bremen, und jetzt bist du integriert. Du bist jetzt quasi Holzbüttgerin mit Migrationshintergrund. Hier hat die rheinische Integration her‐ vorragend funktioniert, wenn man so will, repräsentierst du die Zugezogenen.

Was sollen die Leute später über euer Königshaus und das kommende Schützenfest sagen?

Thomas: Ach, ich hoffe einfach,dass die Leute sagen, es war eine schöne Kirmes. Ich stelle uns jetzt gar nicht so ins Zentrum, denn zu einem schönen Schützenfest gehören einfach zu viele Faktoren. Das können wir als Königshaus gar nicht beeinflussen, wie z.B. das Wetter oder die Band. Generell glaube ich, die Leute sind einfach froh, dass es wieder einen Schützenkönig gibt, man darf sich da aber nicht so wichtig nehmen. Hoffentlich haben wir gutes Wetter, eine tolle Stimmung und auch einen Nachfolger.

Stefan: Dem kann ich mich eigentlich nur anschließen!

Hast du denn als Polizist in Holzbüttgen schon mal einen Schützen geblitzt?

Thomas: Ja klar! Da gibt es einige Kandidaten, die es nie lernen. Wenn die das lesen, fühlen sich die Betroffenen schon angesprochen. Aber Namen nenne ich hier keine!

Seit wann trägst du deinen Bart?

Thomas: Seit dem Sommer 1990. Ich hatte über Schützenfest Urlaub, habe mich davor noch rasiert und bin dann mit dienstlich genehmigtem Bart wieder zur Marine gefahren.

Petra: Ohne Bart hätte ich dich bestimmt nicht geheiratet.
Thomas: Ich habe ihn seit dem auch nur noch genau zweimal komplett abrasiert. Das letzte Mal aufgrund einer verlorenen Wette am Schützenfest zugunsten der Jungschützenkasse. Ich habe mich ehrlicherweise richtig erschrocken, als ich in den Spiegel geblickt habe. Deshalb und wegen Petras Meinung ist eine weitere Komplettrasur aber definitiv nicht geplant.

Könnt ihr denn schon eine Aussage zum Outfit an Schützenfest, z.B. Kleid, Frisuren machen?
Petra: Also wir planen am Schützenfest selber mit 3 langen und einem kurzen Kleid. Die Farben werden wir hier definitiv nicht verraten, aber über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Die Frage nach der Frisur kann auch nur ein Mann stellen. Natürlich richtet sich die Frisur nach dem Kleid und nicht nach dem Wetter, auch hier haben wir eigentlich schon alles geplant. Lasst euch einfach überraschen.

Was sagt ihr zur aktuellen Diskussion über eine Verlegung der Schützenfesttage auf Freitag‐ Montag?
Petra: So wie es aktuell ist, soll‘s bleiben.

Stephan: Ich kenne das aus Osterath, dort wird es aktuell schon so praktiziert, daher eigentlich ambivalent.

 

Danke für das Interview!

Das Interview wurde durch die Festheftredaktion geführt.