Die schönste Nebensache der Welt

Wieder ist es soweit, nach langen Wochen und Monaten (einer gefühlten Ewigkeit) ist er da – der Hochsommer! Und nach der Furth, Unges Pengste, Kaarst und Büttgen scheint das Holzbüttger Schützenfest in greifbarer Nähe. Es wurde aber auch Zeit, vorbei mit Mitflöten der Lieder, jetzt geht es darum selber ins Geschehen einzugreifen und nach Möglichkeit mit dem eigenen Zug einen Platz direkt vor oder hinter der Kapelle zu ergattern – bloß nicht in der Mitte zwischen zwei Kapellen, dann weiß man nicht mehr wie man marschieren soll.

Während ich auf dem Weg bin, mir ein anderes Schützenfest im benachbarten Kaarst anzusehen, merke ich, wie mein Körper in den Gleichschritt möchte. In den Tagen vor Schützenfest erwische ich mich, wie ich öfter am Kirmesplatz vorbeifahre um nach dem Rechten zu sehen. Ist das Zelt schon aufgebaut? Wann kommen Autoscooter und Co? Nur zwei Mal im Jahr blühen die Bäume auf der Nordkanalallee, darunter einmal rund ums Schützenfest. Sonst weiß ich nicht viel über Flora und Fauna, aber das habe ich mir gemerkt…

Die Vorfreude auf das Schützenfest ist einzigartig, man spürt sie und sieht das Leuchten in den Augen. Viele mögen sich fragen was ist das Geheimnis, was macht den Reiz aus? Wenn ich Menschen außerhalb des Rheinlandes erzähle, dass ich Schütze bin, werde ich oft komisch angesehen oder direkt für verrückt erklärt — objektiv gesehen vermutlich zu Recht. Der Gedanke an Blasmusik, Uniform, Frühschoppen, Ordensverleihung und Marschieren im Hochsommer klingt auf den ersten Blick nicht gerade attraktiv und entspricht nicht gerade dem Idealbild der heutigen Gesellschaft.

Aber vermutlich macht genau das den Reiz aus in einer Welt, die immer schneller wird und in der Mobilität und Flexibilität eine immer größere Bedeutung bekommt. Beim Schützenfest trifft man Bekannte und Freunde, Nachbarn und Verwandte. Man knüpft neue Kontakte und pflegt alte. Dabei steht die Freude und der Spass innerhalb des eigenen Schützenzuges im Mittelpunkt. Das Schützenfest ist im Grunde genommen ein gemeinsamer Kurzurlaub mit den besten Freunden. Fürs Schützenfest kommen alle zurück in die Heimat. 30-Jährige schlafen dann wieder bei Mutti im Gästezimmer. Für 4 Tage blendet man den Alltag vollkommen aus und die wichtigen Dinge im Leben rücken in den Vordergrund — Lachen, Tanzen und möglichst viel Zeit mit Freunden zu verbringen.

Aber nicht nur der eigene Zug ist entscheidend – es ist auch das Miteinander zwischen Alt und Jung, das den Reiz ausmacht. Die Verbundenheit zur Heimat bildet den Kern des Brauchtums – nicht umsonst lässt sich das Wort Heimat nicht eins-zueins in eine andere Sprache übersetzen. Sie ist auf jeden Fall ein Stück Unvergänglichkeit in der vorbeirauschenden Zeit und ein Ort, an den man gehört. Hier kann man sich über den Holzbüttger Klüngel austauschen. Wer übernimmt Vorstandsarbeiten und warum? Wer wird Schützenkönig? Dazu kommen die vielen Traditionen, die das Schützenfest besonders machen. Manche davon sind weniger beliebt als andere, aber sie gehören einfach dazu. Aber auch abseits vom Protokoll gibt es während des Festes viele gemeinsame schöne Stunden, in denen Maien gesetzt, Residenzen geschmückt und nachts Eier gegessen werden.

Es klingt verrückt, aber man muss es einfach erlebt haben!

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