Sebastianus

Sebastian

Vita:
Er ist ritterlicher Anführer der Leibwache Diokletians, geboren in Narbonne. Seine Stellung ermöglicht ihm, christlichen Glaubensgenossen in Roms Gefängnissen beizustehen und immer neue Römer zu bekehren. Deshalb Anklage vor Diokletian, dann wird er an einen Baum gebunden und von Pfeilen durchbohrt. Fast tot, wird er von der Witwe des Märtyrers Kastulus gepflegt. Wiederhergestellt, tritt er dem erstaunten Diokletian entgegen. Daraufhin wird er mit Knütteln zu Tode geschlagen und seine Leiche in die “cloaca maxima” geworfen. Der Christin Lucina erscheint Sebastian im Traum und weist sie an, seine Leiche zu bergen. Sie bestattet ihn zu Füßen des Apostels.

Darstellung:
als Märtyrer in jugendlicher Gestalt, manchmal als Ritter oder unbekleidet an einen Baumstamm gebunden und pfeildurchbohrt

Attribute:
selten Knüttel

Besonderheiten:
Patron der Schützenbruderschaft und Nothelfer bei Pestzeiten

Heiligentag:
20. Januar

Literatur:
Reclams Lexikon der Heiligen S.507 f.
Lexikon der christlichen Ikonographie, hrg. v. E. Kischbaum, Freiburg i. Br. 1968, Bd. 8, Sp. 318–324.
Die Legenda aurea des Jacobus de Voragine. Aus dem Lateinischen übersetzt von Richard Benz, Gerlingen 1993 (11. Auflage), S. 127–132.


SEBASTIANUS, nach der Passio S. Sebastiani ein Märtyrer in der Zeit der Tetrarchie unter den Kaisern Diokletian und Maximian (284 bzw. 286–305 n. Chr.), der während der Christenverfolgung in den Jahren 303–305 in Rom den Tod gefunden haben soll. Er sei Offizier in der kaiserlichen Leibgarde gewesen, habe dem Opfergebot für die traditionellen Staatsgötter keine Folge geleistet und außerdem viele Glaubensgenossen unterstützt. Daraufhin sei er zum Tode verurteilt und von Bogenschützen mit zahlreichen Pfeilen angeschossen worden (diese Szene wurde in der christlichen Kunst seit dem Hochmittelalter vielfach dargestellt). Dennoch dem Tode entronnen und von einer christlichen Witwe namens Irene gesundgepflegt, habe er den Kaisern in der Öffentlichkeit Vorwürfe wegen ihrer Religionspolitik gemacht und sei deshalb zu Tode geknüppelt worden. Sein Grab habe er in einem coemeterium in catacumbas an der Via Appia gefunden. Diese Geschichte ist mit vielen fiktiven Einzelheiten, die besonders die Namen der von S. unterstützten und bestatteten Märtyrer sowie der als Richter angegebenen römischen Staatsbeamten betreffen, angereichert und insgesamt historisch verdächtig: Allerdings besuchte Diokletian aus Anlaß der Feier seines zwanzigsten Regierungsjubiläums Rom tatsächlich ein Mal von Mitte November bis Mitte Dezember 303 und traf sich hier mit seinem Kaiserkollegen Maximianus. In ihrer ausufernd fantasievollen Darstellung spiegelt die Passio allgemein das Bemühen ihres unbekannten Autors wider, die dem Christentum anhängenden Personen in der Reichshauptstadt Rom nicht nur namentlich greifbar zu machen, sondern auch ihr Wirken ausführlich zu beschreiben. Der Name Sebastianus ist die griechische Übersetzung von Augustianus, also “dem Kaiser zugehörig”, was hier den Angehörigen der Leibgarde, der Prätorianer, meinen soll; eine Benennung von Staatsbeamten und Soldaten mit vergleichbaren Bezeichnungen war in der Spätantike üblich, um ihre besonders enge Beziehung zum Herrscher zusammenfassend auszudrücken. Es handelt sich also nicht notwendigerweise um einen Individualnamen und damit um eine historische Person, sondern eher um die Bezeichnung eines Zuordnungsverhältnisses im politischen Sinne: Dieses deutet darauf hin, daß der Name erfunden wurde, um einen Christen unter den engsten Vertrauten der Kaiser persönlich namhaft zu machen und damit nachzuweisen, daß die neue Religion sogar unter den hohen Offizieren Anhänger gefunden habe (zum Vergleich ist einerseits auf die sogenannte Thebaische Legion zu verweisen, die es nie gegeben hat, und andererseits nennt Lactantius, De mort. pers. 15, 1, Diokletians Gemahlin Prisca als prominenteste Christin, doch ist ihre Existenz weder durch Münzen noch Inschriften wirklich gesichert). Die tatsächliche Anhängerschaft des Christentums unter den führenden Personen des öffentlichen Lebens ist daher kaum zu greifen. In ihrem Kern geht die Passio auf eine knappe Notiz des Ambrosius von Mailand (Comm. ad Ps. 118) zurück, S. sei aus dieser Stadt gebürtig gewesen, habe sich nach Rom begeben und hier den Märtyrertod erlitten: Wichtig ist, daß in dieser Mitteilung kein Beruf genannt ist. Eine zweite Quelle ist die Depositio martyrum des Chronographen von 354, die S. kurz als Heiligen mit dem Fest am 20. Januar nennt und ihm die genannte Grabstätte außerhalb Roms zuweist. Über ihr wurde in der Mitte des 4. Jahrh. eine Kirche erbaut, die aber bezeichnenderweise anfänglich Basilica Apostolorum genannt wurde: Daß das Patrozinium erst im 9. Jahrh. auf S. umgeändert wurde, weist ebenfalls auf den sekundären Charakter des Kultes eines Märtyrers mit diesem Namen hin. In der heutigen Kirche S. Sebastiano befindet sich eine Confessio für S. auf dem Platz seiner angeblichen Bestattung. Der Kult eines Heiligen mit diesem Namen verbreitete sich weitläufig in der gesamten lateinischen Kirche erst nach der Kompilation der Passio in dem bei der Kirche von Papst Sixtus III. (432–440) erbauten Kloster. In diesen Zusammenhang gehören auch die verschiedenen Translationsgeschichten der angeblichen Gebeine des S. bzw. ihrer Teile. In der katholischen Kirche wird der früher sehr populäre S. als einer der Schutzheiligen gegen Seuchen (eine Epidemie in Rom soll im Jahre 680 nach einer Prozession mit seinen Reliquien abgeflaut sein) und als Patron der Schützen sowie anderer Berufe am genannten Tage verehrt. Darüberhinaus wird er als dritter Patron der Stadt Rom gefeiert. Die Beliebtheit seines Kultes äußert sich vor allem in den vielen bildlichen Darstellungen: Sie zeigen ihn seit frühchristlicher Zeit meist als bärtigen Mann mit Gewand (in einem aus dem 7. Jahrh. stammenden Mosaik aus Konstantinopel in der römischen Kirche S. Pietro in Vincoli sogar in spätrömischer Offizierstracht). Seit dem Mittelalter aber wurde S. als nackter Jüngling meist bei seinem ersten Martyrium oder mit seinem typischen Attribut eines oder mehrerer Pfeile, vielfach im Bildtyp der “Sacra Conversazione” mit der Madonna mit Kind und anderen Heiligen zusammen, dargestellt.

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