Schützenfest - 2011 - Musikinstrumente und ihre Bedeutung

Der Schellenbaum

Der Schellenbaum gehört bei jedem Schützenfest zu den prunkvollen Erscheinungen und darf bei keiner Parade fehlen. Doch es steckt mehr hinter diesem
„Musikinstrument“. Einst war der Schellenbaum tatsächlich ein unterstützendes Musikinstrument, zwischenzeitlich galt er als Siegestrophäe bzw. Feldzeichen,
während er heute eigentlich nur noch als repräsentative Standarte für besondere Anlässe eingesetzt wird.
Die äußeren Merkmale des Schellenbaums lassen mit ein bisschen Phantasie Rückschlüsse auf seine Herkunft zu. Ursprünglich handelt es sich beim
Schellenbaum um ein türkisches Rasselinstrument. Wenn man den halbmondförmigen Teil am oberen Teil der Tragestange mit der Flagge der Türkei
vergleicht lässt sich der Zusammenhang erahnen. Die gefärbten Rossschweife unterstreichen ebenfalls die türkische Abstammung. Sie sind von den Feldzeichen
hoher militärischer Würdenträger übernommen worden. Die Sonne in der Mitte des Schellenbaums steht im Zentrum und symbolisiert das Leben.
Seinen Weg nach Deutschland fand der Schellenbaum durch die Befreiungskriege 1813-1815 mit Frankreich, in denen er von preußischen Truppen erobert wurde.
Als Siegeszeichen stifteten viele Städte ihren Einheiten Schellenbäume als besondere Anerkennung. Fortan wurde der Schellenbaum bei Paraden oder besonderen
Anlässen von einem Angehörigen der Truppe als Siegestrophäe bzw. Statussymbol vorangetragen.
Die Anzahl der am Schellenbaum angebrachten Pferdeschweife ließen bei den Osmanen auf den Rang des jeweiligen Befehlshabers schließen. Die heute oft
angebrachten zwei Pferdeschweife standen damals einem Pascha zu, an sechs Pferdeschweifen konnte man den Sultan erkennen. Über die Entstehung der
Rossschweife als Abzeichen gibt es die Legende, dass im 16 Jh. ein General mit einem Pferdeschweif als improvisierte Fahne seine Armee zum Sieg führte.
Ein üppiger Schellenbaum kann übrigens bis zu zwei Meter groß und über zehn Kilo schwer sein.
Auch in diesem Jahr wird der Osmanische Schellenbaum wieder bei der Königsparade auf Holzbüttgens Straßen zu bewundern sein.